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PLUS Familienkompass 2020 Hoyerswerda Familienkompass

Große Auswahl und zu viele freie Plätze

Die Kinderbetreuung in Hoyerswerda ist seit vielen Jahren ein Thema für kontinuierliche Veränderungen.

In der Hoyerswerdaer Kita „Sausewind“ sind Sport und Bewegung wesentliche Bestandteile des Betreuungskonzeptes.
In der Hoyerswerdaer Kita „Sausewind“ sind Sport und Bewegung wesentliche Bestandteile des Betreuungskonzeptes. © Foto: Sportbund Lausitzer Seenland - Hoyerswerda /

Hoyerswerda. Fabian ist vier. Der Junge besucht den Kindergarten „Sausewind“ in der Hoyerswerdaer Altstadt. Gern? „Weil meine Mama und mein Papa arbeiten. Ich kann ja nicht alleine zuhause bleiben“, antwortet der Knirps aus Klein Neida. Jeder hat wohl ein bisschen andere Vorstellungen vom Kindergarten, und Fabian ist aktuell nicht so glücklich, weil im „Sausewind“ die Gruppen so verändert wurden, dass er seinen Kumpel Felix nun seltener sieht. 

Aber Fabians Eltern hatten zumindest die Auswahl. Anders, als in größeren Städten, ist es numerisch in Hoyerswerda kein großes Problem, einen Kita-Platz zu finden. „Wir haben weiterhin Überkapazitäten“, sagt Bürgermeister Mirko Pink (CDU).Über Jahre gehen die Kinderzahlen zurück, über Jahre werden daher immer wieder Kindergärten geschlossen. Und so sind ehemalige Kinder-Einrichtungen im WK I inzwischen ein Medizinisches Versorgungszentrum, andere im WK III ein Vereinshaus beziehungsweise ein Wohnhaus sowie dritte hier und da längst abgerissen. Da zuletzt eine dreistellige Zahl an Betreuungsplätzen in der Stadt unbelegt war, war erst im Sommer das Kinderhaus „Sonnenblume“ im WK II das letzte Opfer dieser Entwicklung. „Das ist für mich ein Widerspruch zu den guten Betreuungsmöglichkeiten. Ich hatte mit Absicht eine kleinere Einrichtung gewählt“, sagt eine betroffene Mutter. Doch der wie in jedem anderen Fall seit den ersten Schließungen in den 1990ern vorgetragene Protest der Eltern konnte wenig ändern. Nun ist die Frage, was aus dem Gebäude werden wird. „Für die Immobilie besteht ein Erbbaurechtsvertrag mit dem Trägerwerk Soziale Dienste. Bisher hat seitens des Trägerwerks noch keine Rücksprache mit der Verwaltung zur Zukunft des Gebäudes stattgefunden“, sagt Stadtsprecher Bernd Wiemer.

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Vater, Mutter und Kinder
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Als Fabians Eltern vor der Anmeldung standen, konnten sie immerhin Bildungs-Konzepte begutachten. „Wir haben geguckt, was jede Kita in Wohnortnähe so anbietet“, schildert Susan Steudtemann, Fabians Mutter. Der „Sausewind“ wird ebenso wie der Knappenroder „Wirbelwind“ vom Sportbund betrieben. Er ist eine sogenannte Sport- und Bewegungskita. Auch, wenn alle gut 20 Kindergärten nach dem sächsischen Bildungsplan arbeiten, gibt es unterschiedliche Schwerpunkte. Dass zum Beispiel das katholische Kinderhaus „St. Elisabeth“ im WK IV religiöse Fragen thematisiert, liegt nahe. Andere Einrichtungen legen mehr Wert auf gesunde Ernährung, bieten Kneipp-Kuren oder Sauna-Gänge an. In weiteren steht eine möglichst große Eigenverantwortung der Kinder im Vordergrund oder auch sorbische Sprache und Kultur. Das Kinderhaus „Am Zoo“ kooperiert natürlich stark mit dem Zoo sowie der Jugendfarm in unmittelbarer Nähe. „Inhaltlich sind wir sehr breit aufgestellt“, findet nicht nur Bürgermeister Mirko Pink.

Susan Steudtemann sagt, müsste sie heute wählen, würde sie sich wahrscheinlich für die „Rappelkiste“ am Schweinemarkt entscheiden. Es handelt sich um eine seit 1999 bestehende Einrichtung. Sie wird privat geführt, genauso wie die „Kinderstube“ im WK VII. Doch Fabian bleibt im „Sausewind“. Dort kennt er die anderen Kinder. Seine Erzieherinnen freilich, sagt seine Mutter, haben inzwischen gewechselt. Mirko Pink ist das Problem der Fluktuation bekannt. Es hänge, sagt er, großteils mit der ungleichmäßigen Anhebung der Gehälter zusammen. Der andere Faktor sei der Fachkräftemangel. Und so wechselt Personal schon mal schnell in eine andere Einrichtung, wenn dort mehr gezahlt wird. „Wer denkt, der Erzieherberuf passt zu ihm, hat inzwischen hohe Chancen, gutes Geld zu verdienen“, sagt der Bürgermeister. Mit dem Berufsschulzentrum sowie der Bildungsstätte für Medizinal- und Sozialberufe gibt es in Hoyerswerda auch noch zwei Möglichkeiten zur Ausbildung.

Im Familienkompass von Sächsischer Zeitung, Leipziger Volkszeitung und Freier Presse wird die Situation differenziert betrachtet. Insgesamt geben die befragten Eltern der Kita-Qualität in der Stadt die Schulnote 2,2 – etwas besser als im Sachsen-Durchschnitt. Mit 1,6 besonders gut bewertet wird die Arbeit der Erzieherinnen. Lediglich eine 2,9 gibt es für die Personal-Ausstattung. Aus Sicht von Bürgermeister Mirko Pink ist der Gebäudebestand die größte Herausforderung. Kaum laufen aktuell Sanierungsarbeiten im Kinderhaus „Am Elsterbogen“ und in Schwarzkollm sogar Neubauarbeiten für die Kita „Krabat“, da muss man sich im Rathaus schon wieder Gedanken um einige neue Probleme machen.

So ist die räumliche Situation im Zeißiger „Lutkihaus“ ähnlich der aktuellen für die Kita „Krabat“ im Schwarzkollmer David-Traugott-Kopf-Haus – unzureichend. Die Stadt strebt nun eine Voruntersuchung dazu an, welche Optionen es für eine Verbesserung gibt. Und für das Kinderhaus „Am Zoo“ diagnostizierte schon 2018 eine im Auftrag der Stadt erstellte „Analyse Kitas und Horte“ die Notwendigkeit von Investitionen unter anderem in Brandschutz und Haustechnik. Der Handlungsbedarf scheint nie zu enden. Freilich ist das anderswo nicht anders. In Wittichenau zum Beispiel ist gerade erst mit dem Neubau des Kinderhauses „St. Marien“ auf einen bis dato großen Betreuungsplatz-Mangel reagiert worden. Und die Gemeinde Spreetal hat zuletzt in Burghammer das „Waldhäuschen“ saniert, das zuvor baulich längst nicht mehr den Standards der Zeit entsprach.

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