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Jubiläumsfeier im Pflegeheim

Das ASB-Pflegeheim "Am Schmelzteich" in Bernsdorf hat vor 20 Jahren den Betrieb aufgenommen.

Bereit, um in See zu stechen, ähm die Jubiläumsfeier des ASB-Pflegeheimes „Am Schmelzteich“ zu starten: Jens Pichel als Kapitän der „Matrosen vom Schmelzteich“.
Bereit, um in See zu stechen, ähm die Jubiläumsfeier des ASB-Pflegeheimes „Am Schmelzteich“ zu starten: Jens Pichel als Kapitän der „Matrosen vom Schmelzteich“. © Foto: Ralf Grunert

Bernsdorf. Mit einem maritimen Sommerfest feierte das ASB-Pflegeheim „Am Schmelzteich“ in Bernsdorf in dieser Woche seinen 20. Geburtstag. Aus diesem Anlass verwandelte sich die Belegschaft in die „Matrosen vom Schmelzteich“ und organisierte für die Bewohner einen gemütlichen Nachmittag mit Kaffeehaus-Musik von einem Alleinunterhalter.

Das Kommando als Kapitän bei alledem hatte Jens Pichel. Der 39-Jährige ist in Großgrabe zu Hause, verheiratet und Vater einer Tochter. Seine berufliche Laufbahn ist eng mit dem ASB-Pflegheim verbunden. Das und vieles mehr erfuhr TAGEBLATT im Gespräch mit dem Pflegedienst- und Hausleiter:

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Herr Pichel, seit 20 Jahren gibt es das Pflegheim „Am Schmelzteich“. Wie lange sind Sie dabei und wie kam es?

Am 1. Juli 2003 begann ich hier im Haus als Zivildienstleistender. Ich wollte gern sozial aktiv werden. Das Thema Pflege lag mir sehr am Herzen. Im ersten Beruf hatte ich ein anderes Ziel angestrebt. Mit zunehmender Reife wuchs aber die Erkenntnis, dass ich in der Pflege arbeiten möchte. Seither bin ich hier im Haus beschäftigt, anfangs als Pflegehilfskraft, später als Pflegefachkraft und jetzt in Leitungsfunktion.

Was gefällt Ihnen an dieser Tätigkeit?

Mir gefällt das Vielfältige. Jeder Tag ist anders. Bei der Arbeit mit den Menschen tagtäglich deren Dankbarkeit zu erfahren, zu sehen, dass sich die Bewohner bei uns wohlfühlen, dass wir ein Stück Lebensgeschichte eines jeden Einzelnen von ihnen mitgestalten können, das ist unbezahlbar.

Wann war Ihnen klar, dass Sie das Zeug für eine Leitungsfunktion haben?

Im Jahr 2009 habe ich als Altersnachfolge einen der Wohnbereiche übernommen. Das geschah von jetzt auf gleich. Ich musste schnell in die Aufgabe hineinwachsen, musste lernen, Mitarbeiter zu führen. Zugute kam mir, dass ich aus dem Kollektiv heraus gewachsen bin. Ich merkte, dass es mir Spaß macht, etwas mitzugestalten, eigene Ideen zu entwickeln, zusammen in dem Team zu wachsen. Da war der Grundstein, zu sagen, ich möchte meine Ziele erfüllen in dem Haus. Der ASB ermöglichte es mir, mich weiterzuqualifizieren. 2013 habe ich die Pflegedienstleitung übernommen. Seit Mai liegen nun die Haus- und die Pflegedienstleitung in meinen Händen.

Sie sprechen von „eigene Ziele verwirklichen“. Welche sind das?

Mir kommt es auf das Individuelle an. Ich möchte gern, dass der Mitarbeiter nicht nur die Pflegekraft ist, sondern auch das Motto unseres Hauses „Zu Hause im Heim“ lebt. Das möchte ich gern umsetzen, das ist meine Motivation, hier weiterzugehen.

Sie begleiten Menschen auf dem letzten Lebens-Abschnitt. Wie ist das, immer wieder Abschied nehmen zu müssen?

Auf der einen Seite ist es schwierig, da wir durch das familiäre Umfeld eine gewisse Bindung untereinander entwickeln. Viele Bewohner sind über Jahre bei uns. Den Abschied als solchen arbeiten wir immer wieder in Team-Besprechungen auf. Die Trauerverarbeitung ist wichtig. Wir müssen aber daran denken, auch wenn jemand geht, sind immer noch andere Bewohner da, die umsorgt werden müssen.

Sie haben über einen langen Zeitraum die Entwicklung des Pflegeheims miterlebt. Welche Etappen sind Ihnen besonders in Erinnerung?

Die erste umfangreiche Umgestaltung mit der Schaffung von Lebenswelten erfolgte 2009. Das war ein kleiner Meilenstein für unser Haus. Es entstanden ein gemütliches „Wohnzimmer“ und ein „Marktplatz“. 2014 erfolgte die Erweiterung der Cafeteria. Aber auch die Innenhofgestaltung ist uns sehr wichtig, mit dem Pavillon, dem Pflanzgarten, den Hochbeeten. Alles geschieht unter Einbeziehung der Bewohner. Früher haben wir zum Beispiel im Innenhof gefeiert. Das ist durch die große Tanne nun nicht mehr möglich. Sie bleibt aber weiter stehen. Unsere Bewohner wollen nicht darauf verzichten, vor allem, weil wir sie in der Weihnachtszeit mit Lichttechnik immer sehr schön gestalten.

Wie viele Menschen in welchem Alter werden derzeit im Haus von wie vielen Mitarbeitern betreut und umsorgt?

Derzeit leben 54 Bewohner in der Einrichtung. Maximal können es 58 sein. Die jüngste Bewohnerin hat das Geburtsjahr 1978. Die älteste Frau wird im November 101. Ein Mann ist im Mai 100 geworden. Die Altersstruktur ist breit gefächert. Wir sind eine der wenigen Einrichtungen, die unter 65-Jährige betreuen dürfen, ohne das bei der Heimaufsicht gesondert anzeigen zu müssen. Dadurch bekommen wir auch Anfragen von Jüngeren – oft nach Schicksalsschlägen gesundheitlicher Natur. Zu unserem Team gehören 53 Personen.

Wie haben Sie bisher die Corona-Krise bewältigt?

Bis Dezember ist es uns recht gut gelungen, den Schutz der Bewohner und Mitarbeiter im Blick zu haben, aber gleichzeitig nicht die sozialen Kontakte zu verlieren. Dann bekamen wir Corona ins Haus. Es folgte eine sehr anstrengende Zeit, sowohl für die Bewohner als auch für die Mitarbeiter. Nach Neujahr hatten wir leider auch Todesfälle. Diese Menschen sind nicht mit Corona verstorben, das ist mir wichtig, zu sagen, sondern an Corona. Mittlerweile sind so gut wie alle Bewohner und auch viele Mitarbeiter geimpft.

Immer wieder ist von Pflege-Notstand und fehlenden Pflegekräften die Rede. Wie ist die Situation bei Ihnen?

Wir haben frühzeitig angefangen, unsere Auszubildenden zu übernehmen. Dadurch haben wird jetzt einen verhältnismäßig niedrigen Altersdurchschnitt. Momentan können wir nicht von Fachkräftemangel im Haus sprechen. Wir haben auch keine Fluktuation von Mitarbeitern, außer den Kollegen, die altersbedingt ausscheiden.

Gefeiert wurde das Jubiläum unter dem Motto „Matrosen vom Schmelzteich“ ...

Die „Matrosen vom Schmelzteich“ gibt es seit 2009. Wir hatten damals eine Kollegin, die jetzt im Ruhestand ist, die ein schauspielerisches Talent hat. Sie überreichte der Heimleitung eine Kapitänsmütze. Alle anderen waren die Matrosen. Schmelzteich und Ruderboote sind ein Begriff. Und so ist das Motto entstanden. Gefeiert wird natürlich immer mit einem anderen Programm.

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