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Örtliche Volkssolidarität vor dem Aus

Zum Jahresende ist in Hoyerswerda Schluss.

© Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Kreatives Gestalten, Seniorensport, gemeinsames Singen im Chor oder das regelmäßige Tanz-Café im Forumsaal der Lausitzhalle – für all das stand zuletzt der Hoyerswerdaer Stadtverband der Volkssolidarität. Im 75. Jahr des Bestehens der Organisation ist für die örtliche Untergruppe nun Schluss. Vor ein paar Tagen beschloss eine Mitgliederversammlung, den Verein zum Jahresende aufzulösen. Das bestätigt Geschäftsführerin Yvonne Hilgner auf Nachfrage unserer Zeitung.

Sie führt im Wesentlichen zwei Gründe an. Zum einen leidet die Hoyerswerdaer Volkssolidarität wie viele Vereine in der Stadt unter einem Mitgliederschwund. Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich die Zahl der Mitglieder auf noch 170 halbiert. Und weil es kaum Neueintritte jüngerer Personen gibt, steigt der Altersdurchschnitt unablässig an. Bei den Vorstandswahlen im nächsten Jahr hätte sich daher wohl auch niemand mehr für die Übernahme aller laut Satzung zu besetzenden ehrenamtlichen Leitungsfunktionen gefunden. Überdies führt Yvonne Hilgner finanzielle Schwierigkeiten ins Feld.

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Bei nur kleinem Mitgliedsbeitrag ist der Verein auch auf Einnahmen durch andere Aktivitäten angewiesen. Wegen der seit März geltenden Einschränkungen nach dem Infektionsschutzgesetz habe es aber faktisch solche Möglichkeiten nicht mehr gegeben. „Corona hat uns endgültig das Genick gebrochen“, sagt die Geschäftsführerin. Der Verein hat seinen Sitz im „Haus der Parität“ im WK III, das von der städtischen Wohnungsgesellschaft (WH) betrieben wird. Der entsprechende Mietvertrag wurde bei der WH bereits gekündigt.

Mehr als 1.500 Mitglieder

Die Volkssolidarität war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zunächst als Hilfe für Notleidende ins Leben gerufen worden. Gründungstag war der 24. Oktober 1945. Sie entwickelte sich dann zu einer Organisation, die sich vorrangig mit der Betreuung älterer Menschen befasste. Ein Kreisverband Hoyerswerda wurde 1960 ins Leben gerufen. Die lokale Untergruppierung hatte zeitweise bis zu zwölf Hauswirtschaftsbrigaden und eigene Clubs. Im Frühjahr 1994 wurde daraus der eingetragene Verein; und zwar mit mehr als 1.500 Mitgliedern. Anfänglich waren auch danach unter anderem noch fünf Hauswirtschaftspflegerinnen angestellt, die rund 60 ältere und hilfsbedürftige Menschen betreuten.

Das 70-jährige Bestehen der Volkssolidarität war im Oktober 2015 noch in der Lausitzhalle gefeiert worden – mit damals noch 270 örtlichen Mitgliedern. Schon damals hatte es geheißen, man sei dringend auf neue Menschen angewiesen, die im Verein mittun wollen.

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