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Vorfreude auf neue Technik

Der Astronomische Verein Hoyerswerda bringt Menschen die Welt der Sterne näher, gern auch am neuen Standort.

Von Uwe Schulz
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Peter Lindner hat auf seinem heimischen Grundstück eine private Sternwarte gebaut. Hier verbringt der Hobbyastronom und Vorsitzende des Astronomischen Vereins Hoyerswerda so manche Stunde.
Peter Lindner hat auf seinem heimischen Grundstück eine private Sternwarte gebaut. Hier verbringt der Hobbyastronom und Vorsitzende des Astronomischen Vereins Hoyerswerda so manche Stunde. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Die Sterne kennen keine Corona-Erkrankung, der irdische Lockdown ist in den Galaxien ebenso irrelevant wie Krieg in der Ukraine oder Überschwemmungen in Australien. Während also am Firmament alles seine Bahn zieht, hat der Astronomische Verein Hoyerswerda dennoch mit den irdischen Problemen auf diesem Flecken Erde zu tun, und das äußerte sich in den vergangenen beiden Jahren vor allem in einer eingeschränkten Vereinsarbeit mit wenigen öffentlichen Veranstaltungen.

Peter Lindner als Vereinsvorsitzender blickt aber im Namen der 14 Vereinsmitglieder positiv in die Zukunft: „Wir sind guter Dinge!“ Und das betrifft die Vereinsarbeit in den kommenden Monaten ebenso wie die langfristigen Planungen für den neuen Standort am Jugendclubhaus Ossi.

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Im Gespräch als Betreiber

Peter Lindner und Vereinsfreund Volker Möckel sind bislang grob in die Planungen involviert, dass die Stadt Hoyerswerda und die Wohnungsgesellschaft als Projektträgerin im Zusammenhang mit der Sanierung des Jugendclubhauses Ossi den Neubau eines Planetariums planen. Und der Astronomische Verein dabei mit ins Spiel kommt. Der Vereinsvorsitzende hat allerdings das Gefühl, dass dabei in der öffentlichen Wahrnehmung die Rolle des Vereins falsch rüberkommt: „Wir als Verein brauchen selbst kein Planetarium, wir kennen uns aus am Sternenhimmel.“

„Schnitzeljagd“ auf Meteore

Für Beobachtungen besitzt der Verein entsprechende Optiken, in seiner eigenen kleinen Sternwarte in GfK-Bauweise auf seinem Grundstück verbringt Peter Lindner so manche Stunde und beteiligt sich als eine von 400 Sternwarten weltweit an der Beobachtung und Vermessung von Kleinplaneten. Auf dem Dach hat er eine Spezialkamera installiert, die Meteore („Sternschnuppen“) aufnimmt und eine gezielte Suche nach möglichen Meteoriten ermöglicht. Für den Hobbyastronomen ist das wie eine moderne Schnitzeljagd. Man bekommt nichts dafür, außer dem guten Gefühl, mitgewirkt zu haben. Und das kann nicht jeder, man muss sich dafür qualifizieren.

Aber das Planetarium und der Verein werden zusammen wahrgenommen. Es ist die Stätte der öffentlichen Veranstaltungen, hier kann tageszeit- und wetterunabhängig der Sternenhimmel erlebbar gemacht werden. Nicht durch 1:1-Beobachtung. Denn im Planetarium wird der Sternenhimmel an die Innenoberfläche der Kuppel projiziert. Doch das Gebäude im WK VI ist deutlich in die Jahre gekommen. Das betrifft sowohl die installierte Technik als auch das Objekt selbst. Seit dem Freizug der benachbarten Schule gibt es keine Heizung mehr. Das ungedämmte Gebäude ist im Sommer viel zu warm und im Winter eben zu kalt. Peter Lindner erinnert sich an die bislang letzte Veranstaltung Mitte Oktober 2021. Da wurde es dann mit der Zeit merklich frisch. Im Winter bekommt man das Rund gerade mal auf 5 Grad. Man hat es einmal mit Elektroheizung versucht, angesichts der Kosten aber ganz schnell wieder sein lassen.

Der Verein hat vor Corona das alte Planetarium, das der Stadt Hoyerswerda gehört, belebt. „Wenn wir es nicht tun würden, würde es niemand nutzen“, sagt Lindner. Im Erdgeschoss war, als die Oberschule nebenan noch betrieben wurde, der Schulclub drin. Die Toilettenbenutzung funktioniert jetzt nur dank der benachbarten Turnhalle.

Lückenschluss im Seenland

Am neuen Standort würde das alles mit berücksichtigt werden. Knackpunkt ist die Betreibung. Angenommen, der Astronomische Verein würde das Objekt mieten, müsste man mit Kosten von 15-20.000 Euro jährlich rechnen. Das kann der Verein aber nicht finanzieren, auch nicht durch die Eintrittsgelder von Veranstaltungen. Der Verein hat auch schon darauf hingewiesen, dass am neuen Standort zunächst eine Sternwarte vergessen wurde. Für deren technische Ausstattung könnte die vorhandene Optik aus der Sternwarte auf dem Dach der Ex-Oberschule „Am Planetarium“ umgesetzt und reaktiviert werden. Peter Lindner denkt, dass auch Kamera-Übertragungen der in der Sternwarte gewonnenen Bilder ins Planetarium möglich wären. Und es wäre im Lausitzer Seenland das einzige Planetarium. Die nächsten befinden sich in Cottbus, Radebeul, Bautzen und Görlitz. Verkehrsgünstig gelegen mit Hotel und Gaststätte nebenan kann sich Peter Lindner hier auch Tagungen vorstellen. Und natürlich eine Ergänzung des Schulunterrichts.

Bei dem neuen Planetarium würde es sich wie beim alten um ein Standard-Kleinplanetarium mit 8 Metern Kuppeldurchmesser handeln und schätzungsweise 50 Besucherplätzen. Der Verein denkt ohnehin darüber nach, die jetzige jahrzehntealte Technik im Planetarium vom Typ ZKP 1 durch neue zu ersetzen. „Damit wäre die gesamte Kuppel nutzbar, ein Umstieg wie von Trabant auf Porsche“, sagt Peter Lindner. Man hat ein sehr gutes gebrauchtes Gerät in Aussicht. Das könnte noch im alten Haus in Betrieb genommen werden und dann problemlos ins neue mit umziehen. Damit sind dann zeitgemäße Präsentationen möglich, könnten auch 3D-Aufnahmen gezeigt werden. Peter Lindner geht davon aus, dass es 2024/25 mit dem Neubau so weit sein könnte. „Wir sind aber noch am Anfang der Gespräche.“

Partielle Sonnenfinsternis

Die Vereinsmitglieder haben also die Zukunft und das Naheliegende im Blick. Astronomisch interessant für breitere Bevölkerungsgruppen dürfte die partielle Sonnenfinsternis am 25. Oktober ab 10 Uhr sein, für deren Beobachtung Hoyerswerda ganz gut gelegen ist. Die totale Mondfinsternis am 16. Mai muss man hingegen schon beobachten wollen. Denn sie beginnt morgens um 4.30 Uhr. Die Totalitätsphase wird man dann am hellen Morgenhimmel nur schwer sehen können. Aber so ist das in der Astronomie: Die Dinge geschehen, man kann sie nur beobachten.

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