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Zu Hause und auf Arbeit inmitten idyllischer Natur

Burgfried Tannenhauer ist seit 30 Jahren Gastwirt der „Waldschenke“ am Silbersee. Im Corona-Lockdown gibt es Zuspruch von vielen Seiten.

Burgfried Tannenhauer und seine Frau Ines stehen vor der Gaststätte „Waldschenke“ am Silbersee. Diese besteht seit 30 Jahren.
Burgfried Tannenhauer und seine Frau Ines stehen vor der Gaststätte „Waldschenke“ am Silbersee. Diese besteht seit 30 Jahren. © Foto: Andreas Kirschke

Silbersee bei Lohsa. Krisenerprobt muss ein Gastwirt sein. In diesen Tagen spürt Burgfried Tannenhauer viel Solidarität. „Über WhatsApp halte ich Kontakt zu vielen Menschen. Täglich kommen ermutigende Anrufe“, sagt der Friedersdorfer, der seit 30 Jahren Inhaber und Gastwirt der „Waldschenke“ am Silbersee ist. Bauarbeiter melden sich langfristig zum Übernachten an. Stammgäste der „Waldschenke“ fragen nach, wie es ihm und seiner Frau geht.

Mit Gastwirt-Kollegen wie Peter Spieß in Steinitz, Maik Herzog in Lohsa sowie Gabriele und Antonio Ferreira in Lohsa tauscht er sich aus. „Du musst einen langen Atem haben. Du musst die Einsamkeit UND den Trubel lieben“, meint der Friedersdorfer. „Meine Frau Ines und ich lieben den Besucherandrang im Sommer ebenso wie die Ruhe im Winter. Dann fährt der Körper runter. Die Freude auf das Frühjahr wächst. Sie sprudelt dann wieder aus dir heraus ...“

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Nur eine Holzbaracke stand 1991 auf dem Grundstück. Dieter Schulze aus Hoyerswerda betrieb hier einen Imbiss. Im Februar 1991 besichtigte Burgfried Tannenhauer erstmals das Anwesen. Ihm blieben nur drei Tage Zeit zum Nachdenken. Dann entschied er sich für den Kauf des Grundstücks. Die Gaststätte „Waldschenke“ entstand daraufhin. „Für mich war von Anfang an klar: Wenn ich eine Gaststätte am See habe, dann will ich dort auch ständig wohnen. Ich will verfügbar sein. Ich will mich mit der Gegend identifizieren“, sagt er.

Heute wertschätzen Besucher vor Ort die Gastfreundschaft, die schmackhafte Küche, die idyllische Lage mitten im Kiefernwald und die deftigen Feste, die man in der Gaststätte ausgelassen feiern kann. „Drei Doppelzimmer stehen für Übernachtungen bereit“, sagt der Gastwirt.

Burgfried Tannenhauer stammt aus Dahlen bei Oschatz. 1965 zog die Familie nach Hoyerswerda. Der Vater fand Arbeit im Gaskombinat Schwarze Pumpe. Er war dort Schlosser in der Kokerei. Mutter arbeitete viele Jahre als OP-Schwester im Krankenhaus Hoyerswerda. Später war sie im Pflegeheim „Fritz Kube“ im WK IX in Hoyerswerda und in der Behinderten-Wohnstätte Dörgenhausen tätig. „Wir waren fünf Kinder zu Hause. So lernte ich frühzeitig Rücksicht und Toleranz“, erzählt Burgfried Tannenhauer.

Als gelernter Baufacharbeiter führte ihn sein Beruf zunächst ins Betonwerk Hoyerswerda Werk 4. Dort war er lange Zeit Schweißer. Er fertigte mit Kollegen Blockwände für die Plattenbau-Wohnungen in Hoyerswerda, Weißwasser, Senftenberg und Cottbus an. Er musste Zeichnungen gut lesen können. Er musste stets sorgfältig auf den Arbeitsschutz achten. Als Hobby faszinierte ihn die Musik. Oft war Burgfried Tannenhauer Discjockey bei Veranstaltungen. In der Gaststätte „Libelle“ im WK VI in Hoyerswerda kellnerte er nebenbei mehrere Jahre. „So wusste ich, worauf ich mich mit der «Waldschenke» am Silbersee einließ“, erzählt er im Rückblick. „Fragen wie Baurecht, Wohnrecht, Straßenname und Bushaltestelle galt es, vor Ort zu klären. Das war nicht einfach. Die damalige Bürgermeisterin in Litschen, Sigrid Robel, und der damalige Gemeinderat Lothar Kieschnick unterstützten und ermutigten ihn. Dankbar ist er bis heute dafür.

Ehefrau Ines steht ihm zur Seite. Sie ist gelernte Elektrikerin. Gearbeitet hat sie ebenfalls bereits in der Gastronomie, im Kindergarten und in Bürotätigkeiten. In der Gaststätte „Waldschenke“ bereitet sie heute mit Liebe die Speisen zu. Die gutbürgerliche Küche reicht von selbst zubereiteter Soljanka und selbst kreierter Sülze bis zum deftigen Jägerschnitzel, zu Schnitzel-Spezialitäten und selbst gebackenem Kuchen. An den Wochenenden gibt es zusätzliche Gerichte wie unter anderem hausgemachte Rinderroulade. „Wir haben nie herumexperimentiert“, sagt Burgfried Tannenhauer. „Wir setzen bis heute auf Hausmannskost.“ In Deutsch, Tschechisch und Englisch ist die Speisekarte beschriftet. Gut möglich, dass auch Sorbisch und Polnisch eines Tages dazukommen. Die Speisekarte dient zugleich als Flyer.

In der „Waldschenke“ gab es im Laufe der 30 Jahre viele Betriebsfeiern, Familienfeiern, Räuberfeste, Ritterfeste, Scheichfeste und Ossifeste. Burgfried Tannenhauer führt stets durchs Programm. „Ich habe einen großen Fundus an Kostümen“, meint er. „Immer wieder lasse ich Spielrunden und lustige Einlagen einfließen.“ Wie bei den Festen und Familienfeiern herrscht vor allem zum Männertag Jahr für Jahr Andrang in der „Waldschenke“. Dann halten dort Radler aus nah und fern.

Sechs Jahre war der Silbersee im Zuge der Sanierung durch die LMBV für Badegäste und Angler gesperrt. Das wirkte sich auch auf die „Waldschenke“ aus. Wegen der lange Zeit fehlenden Badegäste gingen dem Gastwirt in der Hochsaison von Mai bis September jährlich viele Einnahmen verloren. In dieser schwierigen Zeit retteten Burgfried Tannenhauer vor allem die Familienfeiern, Betriebsfeiern und Übernachtungen. Von Stammkunden und von der Gemeinde Lohsa kam immer wieder Ermutigung. „Das half uns durchzuhalten“, unterstreicht er im Rückblick.

Mit Corona kam jetzt eine erneute Existenz-Krise. Das Pandemie-Jahr 2020, so versichert er, war dennoch kein verlorenes Jahr. Zwar war der April ein Total-Ausfall. Etliche Feiern und Feten fielen aus. Doch im Juni, Juli, August strömten zahlreiche Besucher an den Silbersee. Jetzt, seit November 2020, braucht der Gastwirt erneut einen langen Atem. Er nutzt die Zeit für notwendige Sanierungen, Reinigungen und Reparaturen im Haus. Die Fußboden-Fliesen im Gastraum sind sorgfältig zu reinigen. Alle Zimmer sind neu zu malern. In einem Zimmer ist ein Bett zu erneuern. Für all dies nimmt sich Burgfried Tannenhauer Zeit. „Meine Frau und ich, wir stellen uns jeden Tag abrechenbare Aufgaben. Dazu gehört auch das Aufräumen.“ Mit seiner Frau nutzt Burgfried Tannenhauer die Zeit auch für lange Spaziergänge, für das Genießen der Natur, für die Freude an der Natur, für das Lesen spannender Bücher.

Burgfried Tannenhauer rechnet mit einem harten Corona-bedingten Einschnitt bis Ende März. Er hofft auf einen Neubeginn im April. Dann sollen wieder die Stammgäste und die Tagesbesucher in der „Waldschenke“ einkehren.

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