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Zwischen Naturschutz und Fischzucht

Fischwirt Dr. Sebastian Zelder aus Neudorf-Klösterlich war jetzt Teilnehmer einer Anhörung im Bundestag.

Ein vertrautes Bild in der Region bietet das jährliche Abfischen, hier 2014 am Wüsteteich von Familie Zelder im Dubringer Moor.
Ein vertrautes Bild in der Region bietet das jährliche Abfischen, hier 2014 am Wüsteteich von Familie Zelder im Dubringer Moor. © Archivfoto: Gernot Menzel

Neudorf-Klösterlich. Die Fischteiche südlich von Litschen, südöstlich von Groß Särchen oder rund um Milkel liegen alle in einer Landschaft mit speziellem Schutzstatus. Seit 1996 sind die gut 30.000 Hektar zwischen Sprey, Guttau, Groß Särchen und Petershain das Biospärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.

„Ich würde mir wünschen, dass die Naturschutzarbeit, die die Teichwirtschaftsbetriebe leisten, anerkannt und gesetzlich geschützt wird“, meint Teichwirt Dr. Sebastian Zelder aus Neudorf-Klösterlich. Er sagte den Satz vorige Woche bei einer Anhörung des Bundestags-Umweltausschusses. Deren Thema: „Bedrohte Biodiversität – Welche Rolle können Biosphärenreservate und Großschutzgebiete einnehmen?“

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Im Sitzungssaal 1.302 des Jakob-Kaiser-Hauses Platz genommen hatte unter anderem als Ausschussmitglied der Abgeordnete Klaus-Peter Schulze (CDU), der von 2002 bis 2013 Sprembergs Bürgermeister war. Sebastian Zelder war als einer der Sachverständigen für das sogenannte Fachgespräch per Web-Kamera aus seinem Büro zugeschaltet. „Unterschutzstellung muss korrekt erfolgen, damit sie auch Erfolg hat“, lautete sein Eingangs-Hinweis.

Zwar liegen die seit 1932 von seiner Familie bewirtschafteten Teiche nicht direkt im Biosphärenreservat. Im Jahr 1995 wurden Zelders Teiche allerdings Bestandteil eines Naturschutzgebietes, im Jahr 2006 eines Vogelschutzgebietes und im Jahr 2011 eines europäischen Flora-Fauna-Habitats.

Der Fischwirtschaftsmeister sagt im Grunde, bei der Unterschutzstellung in den 1990ern seien die Fischteiche falsch eingeordnet worden – nämlich mit „extensiver Nutzung“, was mehr oder weniger naturbelassen bedeuten würde. Damit wiederum wären wirtschaftliche Erträge nicht zu erzielen. In der Folge gäbe es beim Wasser-Ablassen und -Befüllen, bei Kalkung, Fischbesatz, Fütterung und Instandhaltungsmaßnahmen zunehmend Schwierigkeiten mit Behörden. „So ist es möglich, dass ein Landratsamt ganz einfach durch das Verbot von einzelnen teichwirtschaftlichen Arbeiten die Stilllegung von Fischzuchtteichen verursacht und somit dem Betrieb seine Wirtschaftsgrundlage entzieht“, heißt es in einer von Dr. Zelder vor der Anhörung verfassten, schriftlichen Stellungnahme. Teichwirtschaften seien von Alters her vielmehr Aquakulturen, hoch spezialisierte landwirtschaftliche Nutzflächen mit einem Bedarf an ständiger Bewirtschaftung, Pflege und Instandhaltung. Sie hätten sich aber in der Tat parallel auch – sozusagen als Nebenprodukt – zu Lebensräumen von seltenen Pflanzen und Tieren entwickelt. Zelder nannte im Bundestags-Fachgespräch als Beispiele Fischadler, Rotbauchunken, Eisvögel sowie diverse Libellenarten. Wenn nun aber Fischwirte wegen zunehmender Auflagen und Restriktionen ihre Arbeit einstellen müssten, würden die Teiche letztlich verlanden. Und das hätte im Ergebnis durch den Verlust des speziellen Lebensraums einen Rückgang der Artenvielfalt zur Folge. „Die großflächige Unterschutzstellung von landwirtschaftlichen Nutzflächen führt zu unauflösbaren Konflikten. Es droht die Aufgabe der Bewirtschaftung mit folgendem Rückgang der Biodiversität“, argumentiert Zelder.

Der Biologe Michael Succow, der in der Endphase der DDR die treibende Kraft hinter der Einrichtung von Nationalparks und Bioshärenreservaten war, befand bei der Anhörung, es sei im Zusammenhang mit der größten deutschen Teichlandschaft einiges schief gelaufen. Es habe sogar schon Überlegungen gegeben, ob es sinnvoll ist, den Schutz in dieser Form zu erhalten. Succow, der 1997 eine Naturschutz-Stiftung gegründet hat, warnte, man dürfe einmal getroffene Festsetzungen nicht als unveränderlich begreifen.

In Deutschland gibt es aktuell 16 von der Unesco anerkannte Biosphärenreservate. Das älteste dieser Gebiete ist der schon 1979 so unter Schutz gestellte Thüringer Wald, das jüngste der erst 2017 entsprechend bewertete Schwarzwald.

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