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Übersetzung, aber keine Ahnenforschung

Das Hoyerswerdaer Servicebüro für die sorbische Sprache fördert die lebendige Zweisprachigkeit.

Jan Krahl und Franciska Grajcarek arbeiten für eine sichtbare Zweisprachigkeit im sorbischen Siedlungsgebiet in Sachsen.
Jan Krahl und Franciska Grajcarek arbeiten für eine sichtbare Zweisprachigkeit im sorbischen Siedlungsgebiet in Sachsen. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Die sorbischen Muttersprachler Jan Krahl und Franciska Grajcarek übernehmen im „Servicebüro für die sorbische Sprache in kommunalen Angelegenheiten“ in Hoyerswerda kostenfrei Übersetzungen und Beratungen für alle Kommunen im sorbischen Siedlungsgebiet der Landkreise Bautzen und Görlitz. Jan Krahl war einige Jahre vertretungsweise Redakteur bei der Serbske Nowiny und wissenschaftlich-technischer Mitarbeiter am Sorbischen Institut Bautzen. Franciska Grajcarek hat Sorabistik an der Universität Leipzig studiert.

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„Die Zweisprachigkeit soll lebbar und sichtbar werden“, sagt die Büromitarbeiterin und beschreibt, wie Behörden die sorbische Sprache pflegen. Sie gestalten zweisprachige Internetpräsenzen und Informationsbroschüren. Viele Stempel sowie einheitliche Muster für Satzungen und Formulare sind noch in beiden Sprachen zu erstellen, weiß Franciska Grajcarek.

Das gilt auch für Wegeleitsysteme in Verwaltungsgebäuden, damit sich jeder Besucher in seiner Sprache informieren kann. Sie spricht zusätzlich von Baumschutzordnungen oder Feuerwehrsatzungen, die sie und ihr Kollege für Gemeinden übersetzen. Fachtermini in solchen Schriftstücken müssen sich die Mitarbeiter erst erschließen. Mitunter wird im Internet nachgelesen und manchmal werden Fachleute gefragt, erzählt Franciska Grajcarek. Das Ziel der Arbeit ist immer eine rechtssichere Übertragung des Dokuments ins Sorbische.

Auch außerhalb öffentlicher Einrichtungen müssen die Kommunen im Siedlungsgebiet noch viel tun, damit jeder Mensch beide Sprachen gleichberechtigt wahrnehmen kann. „Sorbisch ist genau wie Deutsch Amtssprache“, erklärt Jan Krahl. Der Freistaat fordert, alle wichtigen Gebäude in kommunaler Trägerschaft, wie Verwaltungen, Kindereinrichtungen, Museen, dazu Ortstafeln, Namen von Straßen, Plätzen, Brücken und touristische Hinweisschilder, zweisprachig zu benennen. Deutsche und sorbische Worte sollten dabei gleich groß und natürlich möglichst fehlerfrei geschrieben sein.

Straßennamen und Haltestellen

Die Mitarbeiter des Servicebüros unterstützen die Städte und Gemeinden beim Übersetzen und kontrollieren die Rechtschreibung zugesendeter sorbischer Begriffe und Namen. Die Gemeinde Kubschütz hat Ende des Jahres 2020 begonnen, alle Straßennamen zweisprachig auszuzeichnen, erzählt Jan Krahl von dieser Zusammenarbeit. Seit Anfang 2020 setzt das Servicebüro den Austausch aller Haltestellenschilder des Zweckverbandes Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON) und des Verkehrsverbundes Oberelbe GmbH (VVO) im sorbischen Siedlungsgebiet mit um. Hierbei ist besonders, dass Firmen das Projekt ausführen, sagt Jan Krahl. Die Kommunalverwaltungen haben also die Verkehrsverbünde dazu bewogen, die Zweisprachigkeit in der Lausitz sichtbarer zu machen.

Damit die Kommunen im Siedlungsgebiet solche Aufgaben realisieren können, stellt das Land Sachsen für sie eine pauschale Förderung bereit. Die Mitarbeiter des Servicebüros wissen, wofür das Geld verwendet werden darf. Sie arbeiten mit Bürgermeistern, den Beauftragten für sorbische Angelegenheiten der Landkreise Bautzen und Görlitz sowie den Regionalsprecherinnen der Domowina zusammen. Die Corona-Pandemie hat jetzt Besuche in den Gemeinden und das Jahrestreffen 2020 der Bürgermeister im Siedlungsgebiet verhindert, berichtet Jan Krahl. Er hofft wie Franciska Grajcarek, diesen wichtigen Teil ihrer Arbeit bald fortführen zu können. Jetzt stehen Städte und Gemeinden und interessierten Bürgern Informationen in beiden Sprachen unter www.sb-kom.de sowie auf Instagram zur Verfügung. Ein Flyer über die Arbeit des Servicebüros wird vorbereitet.

Seit Kurzem können sich Kommunen für zweisprachige Gemeindesitzungen oder informierende kommunale Veranstaltungen im Servicebüro in Hoyerswerda Simultantechnik zum Übersetzen ausleihen. „Den Übersetzer muss sich die Kommune selbst organisieren“, sagt Franciska Grajcarek. Privatpersonen steht das Büro nur sehr eingeschränkt zur Verfügung, denn die Mitarbeiter sind keine öffentlich bestellten Übersetzer oder Dolmetscher bei Gericht und erforschen auch keine Familienstammbäume. Unter Telefon 03571 6084613 wird er aber an Fachleute für solche Aufgaben verwiesen, sagt Jan Krahl.

Das Servicebüro wird vom Land Sachsen finanziert und die erste Förderphase ist Ende Februar 2021 ausgelaufen. Wegen der Corona-Pandemie hat der Landtag den Doppelhaushalt 2021/22 noch nicht beschlossen. Dieser beinhaltet „ziemlich sicher“ Mittel für die Einrichtung in Hoyerswerda, sagt Jan Krahl. Er und seine Kollegin werden wohl bis März 2023 weiterarbeiten.

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