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Corona-Zahnarztpraxen werden kaum genutzt

Thomas Hoch aus Kamenz führt eine von fünf Zahnarztpraxen in Sachsen, die Corona-Kranke behandeln dürfen. Doch bisher war noch keiner bei ihm.

Mareen und Dr. Thomas Hoch in ihrer Zahnarztpraxis "Haus Hoch" am Garnisonsplatz in Kamenz. Hier können sich bei Bedarf auch Corona-Kranke behandeln lassen.
Mareen und Dr. Thomas Hoch in ihrer Zahnarztpraxis "Haus Hoch" am Garnisonsplatz in Kamenz. Hier können sich bei Bedarf auch Corona-Kranke behandeln lassen. © René Plaul

Kamenz. "Echte Corona-Patienten hatten wir bislang nicht." Das sagt der Kamenzer Zahnarzt Dr. Thomas Hoch. Seit April sichert er den Dienst als Corona-Schwerpunkt-Praxis für Ostsachsen ab. In ganz Sachsen gibt es davon nur fünf, die anderen befinden sich in Dresden, Leipzig, Chemnitz und dem Vogtland.

Zu ihnen können an Covid-19 erkrankte Menschen kommen. Dafür haben sie die  Berechtigung. Auch Dr. Hoch in Kamenz hat dafür Maßnahmen ergriffen. Aber der Bedarf gehe gen Null. "Bislang hatten wir nur ein Kind da. Das hatte aber kein Corona, sondern seine Mutter arbeitete in der medizinischen Versorgung, und der Hauszahnarzt lehnte eine Behandlung ab", berichtet Thomas Hoch.  

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Auch seine Kollegen bestätigen diese Entwicklung. Stellt sich die Frage, ob Corona-Kranke andere Sorgen haben, als zum Zahnarzt zu gehen. "Wenn jemand starke Zahnschmerzen hat, dann würde er sich Hilfe suchen", ist Hoch sich sicher. Augenscheinlich  ist dem aber nicht so.

Höchste Schutzmaßnahmen und komplizierte Abläufe

Vor vier Jahren zog Thomas Hoch mit seiner Praxis "Haus Hoch" vom beschaulichen Oßling an den Garnisonsplatz in der Lessingstadt. Hier gibt es Platz für ein extra Corona-Behandlungszimmer. Und für Schutzausrüstung, die getragen werden muss, sollte ein Corona-Patient vorstellig werden. Das sei alles von der Zahnärztekammer Sachsens abgenommen und ein Hygieneplan erstellt worden. Thomas Hoch bewarb sich gleich zu Beginn der Corona-Pandemie um die Aufgabe. "Wir wussten, dass wir die Voraussetzungen haben. Und wir wollten helfen."

Und seine Frau Mareen, die mit in der Praxis arbeitet und alle Abläufe kennt, erklärt: "Im  Grunde genommen würden wir im Ernstfall  unter Operationsbedingungen behandeln.  Im Anschluss müssten die Räume umfangreich gelüftet und desinfiziert werden. Die komplette Schutzausrüstung lagert zudem abgedunkelt im Keller. Und während einer Behandlung befinden sich keine normalen Geräte im Zimmer." 

Maskenthema kontrovers diskutiert

Beim Thema Masken sind die Hochs mittlerweile sensibilisiert. Zu Beginn der Krise machten sie unschöne Erfahrungen mit dem Thema. "Wir hatten eine Info zum Maskentragen am Praxiseingang aufgehangen", erzählt Thomas Hoch. "Denn es ging darum, die Patienten auch über Risiken und Nebenwirkungen aufzuklären. Grund dafür war und ist noch immer die große Verunsicherung in der Bevölkerung." Oft wird das Team von "Haus Hoch" gefragt, ob der Schutz mit einer herkömmlichen Mund-Nase-Maske ausreichend sei und wie oft und wie lange man sie tragen sollte. "Leider findet man dazu nicht ausreichend Infos. Auch nicht in den gesetzlich beschlossenen Allgemeinverordnungen, nach denen wir schließlich alle leben und handeln sollen", so der Zahnarzt. 

Der Aushang sorgte für Wirbel. Längst wurde der Aufklärungsbogen erneuert, weil er für Missverständnisse sorgte. "Das war nie unsere Absicht,  wir sind nicht grundsätzlich gegen das Tragen von Masken. Schutzmaßnahmen im Rahmen des Hygienemanagements und Infektionsschutzes gehören zu unseren Qualitätsstandards", heißt es. Aber viele Menschen wüssten immer noch nicht, wie man die Maske eigentlich tragen soll und  dass es einen echten Schutz gegen die Viren nur mit der  FPP 2-  beziehungsweise FPP 3-Maske geben könne. Dass man selbst diese unter genauer Anleitung richtig anlegen muss, um einen Schutz zu gewährleisten. "Für uns gehört diese Aufklärung dazu", so Thomas Hoch.  

Zähne und der Organismus hängen zusammen

Als Umweltzahnarzt treiben ihn solche Themen um. „Dabei betrachtet man den Patienten als Ganzes, getreu nach der Tatsache: An jedem Zahn hängt immer ein ganzer Mensch“, erklärt Hoch sein Spezialgebiet. „War man früher nur um die Reparatur eines beschädigten Zahnes bemüht, so ist man heute dazu übergegangen, auch die Zusammenhänge zwischen einzelnen Zähnen und dem gesamten Organismus zu beachten. Immer mehr Patienten leiden an chronischen Erkrankungen. Inzwischen entwickeln etwa 40 Prozent der Bevölkerung Allergien. Migräne kann zum Beispiel ebenfalls durch eine Fehlstellung der Kiefergelenke verursacht werden“, erklärt er.

Nicht nur schützen, sondern auch vorbeugen

Thomas Hoch nimmt sich Zeit für Patienten. Eine umfangreiche Anamnese sei Grundvoraussetzung. Individuelle Tests gehörten dazu. „Ich konnte so schon vielen helfen, die ein jahrelanges Martyrium hinter sich hatten und wo die Schulmedizin scheiterte“, sagt er. Sein Terminkalender ist voll. Aber "wer mit Zahnschmerzen zu uns kommt, wird nicht weg geschickt", versichert er. Zwei syrische Zahnärzte verstärken das Team. 

Die  Corona-Krise bestärkt Thomas Hoch in seiner speziellen Art, die Dinge zu betrachten. "Der Mensch fragt sich auch in der Krise als Erstes, wie er sich gegen Viren schützen kann. Wir sollten uns aber zudem fragen, was man tun kann, um sich dagegen zu wappnen", sagt der 50-Jährige.  "Wir haben keine hundertprozentige Lösung", aber Vitamin D, Bewegung an frischer Luft, Kneipp-Anwendungen und ein positives Denken seien beispielsweise gut fürs Immunsystem. Und der Zahnarzt warnt vor Corona-Panik: "Angst allein macht auch krank."

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