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Der digitale Vettel von Pulsnitz

Patrick Neubert fährt seit Jahren erfolgreich Autorennen in der E-Sport-Liga. Ab und zu tritt er sogar gegen echte Rennfahrer an.

Patrick Neubert aus Pulsnitz fährt seit Jahren erfolgreich Rennen im E-Sportbereich. Bald steht wieder ein 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring an - natürlich alles digital.
Patrick Neubert aus Pulsnitz fährt seit Jahren erfolgreich Rennen im E-Sportbereich. Bald steht wieder ein 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring an - natürlich alles digital. © René Plaul

Pulsnitz. Die Nordschleife des Nürburgringes hat es heute wieder in sich. Es ist Feierabend. 18 Uhr und die Sonne geht unter. Es ist windstill. Beste Bedingungen. Patrick Neubert startet seinen Ferrari. Noch ist er allein auf der Strecke. Das wird ein entspanntes Training. Obwohl es aufregender ist, wenn auch andere mitfahren. Der Motor heult auf. Was für ein Klang.

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Seine Team-Kollegen von "Cursim Vector" sind noch auf Arbeit. Er dreht die erste Runde. Geschmeidige 26 Kilometer. 92 Kurven. 560 Höhenmeter. Der Pulsnitzer kennt die Nordschleife. Ist sie schon unzählige Male gefahren. Patrick ist ein Sim-Racer.

Möglichst detailgetreue Simulation

Motorsport-Veranstaltungen wie die Formel 1, DTM, MotoGP oder WRC begeistern Fans rund um den Erdball. Doch Rennsport gibt es auch seit Längerem virtuell. Beim Sim-Racing geht es darum, den echten Rennsport möglichst detailgetreu zu simulieren. Amateure und Profis treten hier allerdings nicht mit einem Controller an, sondern sind meistens mit Lenkrad und Pedale in Rennschalen oder so genannten Rigs ausgestattet.

Auch bei Patrick Neubert steht das Büro voll damit. Er teilt es sich mit seiner Frau Claudia. Sie braucht das Zimmer ab und an auch für sich, denn sie schneidert für ihr kleines Kindersachen-Label. Die Hobbys des Paares, das eine anderthalbjährige Tochter hat, müssen also auf zehn Quadratmeter passen.

Team-Mitglieder kommen aus ganz Deutschland

"Das klappt gut, denn ich stehe auch auf Rennsport. Unterstütze Patrick, wo es geht. Wir haben schon zusammen Leute aus seinem Renn-Team besucht oder uns den Nürburgring angesehen", erzählt Claudia Neubert. Wenn Patrick ein Rennen fährt, dann herrscht im Hause Ruhe und Papa wird nicht gestört. An normalen Tagen aber fährt Klein-Enni öfter auf dem Schoß beim Training mit. "Sie wird sicher eine kleine Rennmaus", sagt Mama Claudia.

Im Großen und Ganzen ist das Sim-Racing aber eine Männerdomäne. Wie der echte Rennsport. Patricks Mitstreiter im Team wohnen verstreut in ganz Deutschland, kommen aus Schwaben und aus dem Ruhrgebiet. Und kennen sich meistens nur über den Chat. "In der Liga fahren aber auch viele Jugendliche. Gerade die jüngeren Jahrgänge haben mehr Zeit zu trainieren", sagt der 37-Jährige. Das sei von Vorteil, doch er müsse nebenbei noch arbeiten.

Früher als Fechter aktiv gewesen

Das tut er als Produktionsplaner bei der Firma Linde + Wiemann in Elstra. 2012 zog er aus Oelsnitz in die Lausitz. Der Liebe wegen. Früher war der gebürtige Erzgebirgler ein leidenschaftlicher Fechter. "Alles, was ich mache, treibe ich zur Perfektion", sagt er. Deshalb nimmt er auch das Sim-Racing ernst.

"Es ist ein etwas teurer Sport. Das muss man wissen, ehe man sich darauf einlässt", sagt Patrick Neubert. Er sei selbst über einen Freund darauf gestoßen und habe sofort Blut geleckt. "Wahrscheinlich, weil ich gesagt bekam, dass ich auf Anhieb eine Traumzeit gefahren bin."

Gutes W-Lan ist Grundvoraussetzung

Die Simulation kommt dem echten Rennsport unglaublich nahe und begeistert mittlerweile Fahrer und Zuschauer gleichermaßen. "Man braucht Basics wie eine gute Grafikkarte und das ganze Zubehör. Aber vor allem sind beste Online-Voraussetzungen daheim wichtig. Wenn mitten in einem Rennen das W-Lan abdreht, dann war's das", erklärt der Pulsnitzer.

Vom 23. bis 25. April steht das nächste 24-Stunden-Rennen auf dem Programm. Es geht wieder in die "grüne Hölle" auf den Nürburgring. Genau wie im realen Rennsport gibt es im Sim-Racing Anfänger, Amateure und Profis, die in namhaften Teams auf höchstem Niveau gegeneinander antreten. Ab und zu mischen sich unter die Sim-Racer auch echte Formel-Eins-Piloten. Die schätzen das Virtuelle längst als sehr gute Trainingsmöglichkeit. Und es gibt Moderatoren, die live kommentieren. Über einen Livestream kann man jederzeit die Rennen mitverfolgen. Das tun immer mehr. Denn der E-Sport ist Trend.

24-Stunden-Rennen kosten Kraft

Patrick Neubert ist einer, der gern den Anfang bei 24-Stunden-Rennen fährt. Ende April handelt es sich um ein Tourenwagen- und GT-Langstreckenrennen auf der Nordschleife sowie Grand-Prix-Strecke. Etwa 60 Fahrzeuge fahren mit, pro Auto sind im Durchschnitt vier Fahrer eingeteilt.

Zwischendurch gibt es Long-Stopps. Auch virtuell müssen Reifen gewechselt und die Fahrzeuge aufgetankt werden. Alles läuft in Echtzeit. Da wird es zwischendurch dunkel. Oder es kommen Nebel und Wind auf. "Nur Regen gibt es nicht", erklärt Neubert.

"Beim letzten Rennen dieser Art habe ich fünf Liter Wasser getrunken und einige Energiedrinks. Und das meiste habe ich vor Anspannung ausgeschwitzt", erzählt er lachend. Ausgerüstet mit Spezialschuhen, Handschuhen und Kopfhörern geht es an den Start. Zehntelsekunden entscheiden über Sieg oder Niederlage. Meistens schläft Neubert dann gleich auf der Couch.

Auf ihn warten noch viele Rennen. Die nächsten Termine stehen schon an. Patrick Neubert ist heiß darauf. Zum Ausgleich nimmt er mit seiner Frau ganz real an Lauf-Events teil. Das ist dann auch ganz ohne PS mal schön...

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