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So sah Kamenz vor 100 Jahren aus

In den sozialen Medien begeistern sich immer mehr Menschen für alte Postkarten und Stadtansichten. Woher kommt das riesige Interesse? Nutzer erzählen.

So sah die Bautzner Straße in Kamenz um 1920 aus, wie die historische Ansichtskarte zeigt.
So sah die Bautzner Straße in Kamenz um 1920 aus, wie die historische Ansichtskarte zeigt. © privat

Kamenz. Sie heißen "Kamenz in Bildern", "Kamenz von seiner schönsten Seite" oder "Kamenz aktuell" - und sie faszinieren gerade unzählige Nutzer im Internet. Die Rede ist von Facebook-Seiten, von Kamenzern für Kamenzer gemacht, auf denen sich Erinnerungsverliebte, Kommentatoren und Nostalgiefans tummeln. Jeder kann mitmischen in diesen Gruppen und das recht unkompliziert, was den Charme wohl ausmacht.

Mitten in der Corona-Krise scheint das Schwelgen in den guten alten Zeiten beliebt zu sein wie nie zuvor. Einige der Facebookseiten gibt es schon länger, andere kamen erst kürzlich hinzu. Peter Schäfer aus Kamenz ist zum Beispiel einer, der seine ganz persönliche Erinnerungskiste vor ein paar Wochen geöffnet hat. Und damit auch den Hype mit auslöste. Seitdem kramen die Kamenzer Tag für Tag in ihren Archiven und zaubern so manchen Schatz hervor.

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Um die Fotos ranken sich oft Lebensgeschichten

Auch auf der Seite der Kamenzfreunde mit aktuell fast 4.000 Nutzern gibt es Foto-Ordner voller Postkartenmotive und Erinnerungsstücke. Was macht den Reiz des Ganzen aus? Sächsische.de stellte die Frage an die Community. Eine Flut von Statements folgte.

Die Mischung aus Nostalgie, Neugier, Jugenderinnerungen, Wehmut und Neuigkeiten scheint der größte Treiber zu sein. Rund um die Fotos ranken sich manchmal ganze Lebensgeschichten, die offen geteilt werden. Und auch Alt und Jung tauschen sich gern aus. Dazu kommt, dass aktuell viele mehr Zeit haben als sonst. Zwischen den vielen Negativmeldungen zur Corona-Krise scheint das Anschauen der alten Fotos eine willkommene Abwechslung zu sein.

Der Vorher-Nachher-Vergleich fasziniert viele

"Mich fasziniert bei den Fotos vor allem die Veränderung in all den Jahren. Wie aus dem Einheitsgrau ein so buntes und liebenswertes Städtchen geworden ist", schreibt zum Beispiel Manuela Schneider. Viktoria Klimpe ist hingegen gar nicht gebürtig aus Kamenz. "Ich finde diesen Alt-Neu-Vergleich toll. Da ich auch erst seit 2015 in Kamenz wohne, ist es schön für mich zu sehen, wie sich die Stadt verändert hat."

Evelyn Beger sagt: "Zum einen fasziniert mich das alte Kamenz, was meine Erinnerungen weckt, die Kindheitstage wieder aufleben lässt. Zum anderen ist es ein bisschen der Stolz, wie sich alles entwickelt, die Zeit also nicht stehengeblieben ist." Dabei entdecke sie auch Ecken, die sie so noch nicht oder nie gesehen habe. "Und man lernt Leute kennen, die eine bestimmte Ecke von Kamenz genauso lieben wie man selbst", freut sie sich.

Alte Fotos auch für Neu-Kamenzer interessant

Katrin Hohlfeld zog erst vor über elf Jahren in die Stadt. "Es ist verrückt, wie viel sich selbst in dieser Zeit verändert hat. Aber dann diese alten Fotos zu sehen, ist echt erstaunlich. Von vielem wird im Bekanntenkreis gesprochen, und nun habe ich endlich ein Bild dazu", sagt sie.

Ronny Franke war überwältigt, als Peter Schäfer anfing, alte Fotos von Kamenz auf Facebook hochzuladen. "Obwohl wir Jahre auseinanderliegen, verbindet uns Kamenz miteinander. Wie zum Beispiel der Kindergarten Langes Gäßchen", sagt er. Auch dass hier mal etwas ohne Hetze und dumme Kommentare weitergegeben wird, kommt gut an.

Diana Kreische fühlt sich damit in ihre Kindheit und Jugend zurückversetzt. "Es kommen so viele Erinnerungen hoch. Das ist einfach genial und wunderschön. Es sind die kleinen Episoden des Lebens. Wahnsinn, woran man sich plötzlich wieder erinnert", meint sie.

Historische Ansichtskarte von der Klosterstraße und dem Klostertor. Hinten links ist heute die Sächsische Zeitung untergebracht.
Historische Ansichtskarte von der Klosterstraße und dem Klostertor. Hinten links ist heute die Sächsische Zeitung untergebracht.
Reigenfahren - heute heißt das Kunstradfahren - in Kamenz. Das Foto entstand zwischen 1960 und 1965. Der Anlass ist unbekannt. Zu sehen ist der damalige Radfahrer-Klub "Frohe Fahrt " Gelenau - jetziger Verein die SG Lückersdorf Gelenau e.V.
Reigenfahren - heute heißt das Kunstradfahren - in Kamenz. Das Foto entstand zwischen 1960 und 1965. Der Anlass ist unbekannt. Zu sehen ist der damalige Radfahrer-Klub "Frohe Fahrt " Gelenau - jetziger Verein die SG Lückersdorf Gelenau e.V. © Privat: David Tischer
Die Weststraße mit Gemüseladen Mitte der 1980er-Jahre
Die Weststraße mit Gemüseladen Mitte der 1980er-Jahre © Privat: Falk Zinke
Die Pulsnitzer Straße Ende der 1990er-Jahre, bevor hier saniert wurde und die Arztpraxis Fiedler einzog. Früher befand sie hier die Kreissparkasse.
Die Pulsnitzer Straße Ende der 1990er-Jahre, bevor hier saniert wurde und die Arztpraxis Fiedler einzog. Früher befand sie hier die Kreissparkasse. © Privat / Brigitte Winzen
Anstehen am Imbiss der Hutberg-Gaststätte Mitte der 1990er-Jahre
Anstehen am Imbiss der Hutberg-Gaststätte Mitte der 1990er-Jahre © Peter Schäfer
Der erste Discounter in Kamenz: Norma auf dem Sportplatz an der Goethestraße.
Der erste Discounter in Kamenz: Norma auf dem Sportplatz an der Goethestraße. © Peter Schäfer
Markttag in Kamenz in den Neunzigern.
Markttag in Kamenz in den Neunzigern. © Peter Schäfer
Tag der Sachsen 2011 mit Sigmund Jähn im Festumzug.
Tag der Sachsen 2011 mit Sigmund Jähn im Festumzug. © Privat: Hans-Dieter-Stange
Die Pulsnitzer Straße vor dem großen Abriss der Fabriken rechtsseitig.
Die Pulsnitzer Straße vor dem großen Abriss der Fabriken rechtsseitig. © Peter Schäfer
Die alte Poliklinik am Damm wurde Anfang der 2000er-Jahre abgerissen. Bis dahin war in diesem Hausteil die Innere Station 4 des Krankenhauses untergebracht.
Die alte Poliklinik am Damm wurde Anfang der 2000er-Jahre abgerissen. Bis dahin war in diesem Hausteil die Innere Station 4 des Krankenhauses untergebracht. © Privat / Brigitte Winzen
Ansicht des Kamenzer Stadtbades auf einer Postkarte um 1900.
Ansicht des Kamenzer Stadtbades auf einer Postkarte um 1900. © Facebook
Die historische Ansichtskarte zeigt den Kamenzer Markt um 1900.
Die historische Ansichtskarte zeigt den Kamenzer Markt um 1900. © privat

Wenn Peter Schäfer geahnt hätte, was seine Foto-Sammlung lostritt, hätte er sie vielleicht schon eher herausgekramt. "Ich habe keine Nachkommen, freue mich also, dass ich die Bilder jetzt noch mit vielen anderen Menschen teilen kann", sagt der Kamenzer. Er sei auch bereits gefragt worden, ob man das Archiv nicht sichern könne für die Nachwelt. "Wenn das möglich wäre, fände ich das gut. So hat man noch etwas Nützliches getan", meint er.

Denn auch Jüngere zeigen sich fasziniert. Lina Nicolaus findet es zum Beispiel total interessant, wie Kamenz früher aussah. "So kann man einfach auch etwas mehr über die Geschichte lernen. Ich finde es außerdem Klasse, dass sich Alt und Jung hier in dieser Gruppe austauschen können", sagt sie.

Und Clarissa Hüner ergänzt: "In der momentanen Situation auf der Welt, ist es einfach schön, mal etwas anderes auf den sozialen Plattformen zu sehen außer das Thema Corona. Für mich als junge Kamenzerin ist es interessant, wie die Heimatstadt früher aussah. Und man sieht ab und zu Ecken, die man noch nicht kennt. Ich bin nicht mehr so oft zu Hause, umso schöner ist es dann, von unterwegs noch Bilder von der Heimat zu sehen!"

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