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Lockdown: So läuft der Weihnachtsbaumverkauf

Viele Geschäfte im Landkreis Bautzen bleiben jetzt geschlossen - auf die Tanne zum Fest muss aber niemand verzichten. Was Anbieter dieser Tage erleben.

Der Weihnachtsbaumverkauf darf auch im Landkreis Bautzen trotz Lockdown weitergehen.
Der Weihnachtsbaumverkauf darf auch im Landkreis Bautzen trotz Lockdown weitergehen. © Symbolfoto: dpa

Bautzen. Seit der Ankündigung des harten Lockdowns im Landkreis Bautzen wollen die Leute alles schnell unter Dach und Fach haben, scheint es. Diesen Eindruck hatte man jedenfalls in vielen Baumärkten seit dem Mittwochmorgen. Diese müssen ab Montag schließen. Und mit ihnen die Gartenabteilungen, in denen beispielsweise auch Weihnachtsbäume verkauft werden.

Wie zum Beispiel im Kamenzer OBI-Baumarkt an der Windmühle. Hier sorgten die Neuigkeiten sogar für ein paar schnelle Hamsterkäufe hier und da. "Die Menschen haben nur oberflächlich gehört, dass fast alles schließt, aber der Weihnachtsbaumverkauf darf ja explizit laufen. Wenn das allerdings so weiter geht, brauchen wir am Montag nicht mehr extra öffnen", sagte Markt-Chefin Maren Haase gegen Ende letzter Woche und meint damit, dass dann wohl kaum noch Bäume übrig sind. Die Verkaufsvariante auf dem Parkplatz wäre eine Option, wenn es Restbestände gibt.

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Auch Familie Schuster aus Kamenz hatte am Mittwoch beispielsweise gleich drei Bäume auf den Wagen geladen. Die Frage nach dem Warum, erübrigte sich schnell: "Für die Oma und die Nachbarin gleich mit", lachten sie. "Man weiß ja nicht, was hier noch alles kommt", hieß es. Und so wird es vielen anderen auch gehen. Die Befürchtung, dass es ein Überangebot an Bäumen gibt, wird sich so wahrscheinlich nicht bestätigen.

Am Donnerstagabend war der Stand leergefegt

Auch das Tannengut Belger aus Niedercunnersdorf sieht dem Absatz positiv gestimmt entgegen. In Bautzen verkauft das Unternehmen zum Beispiel seit Jahren am Aldi -Markt im Stadtteil Gesundbrunnen und am Dänischen Bettenlager Weihnachtsbäume. Chefin Uta Belger und ihr Mann haben seit Wochen gut zu tun in der 20 Hektar großen Schonung. Wie alle Jahre. Aber trotzdem ist es irgendwie anders.

"Alles lief an wie immer auf den fünf Außenverkaufsständen und auf unserem eigenen Hof. Doch in den letzten Tagen haben wir die Verunsicherung der Leute immer mehr gespürt", erzählt sie. "Die Kundschaft will sich die Bäume sichern. Was man hat, hat man. Von einem Toilettenpapier-ähnlichen Effekt möchte ich nicht gleich sprechen, aber man merkt, dass eine gewissen Hektik aufgekommen ist", so Uta Belger.

Am Donnerstag war der Stand im Bautzener Stadtteil Gesundbrunnen kurz vor Feierabend restlos ausverkauft. "Wir versuchen, aller zwei Tage frisch geschlagene Ware zu liefern. Es ist auch genügend da. Aber heute kam mir zum ersten Mal der Gedanke: Wie lange wird das reichen dieses Jahr?", sagt Uta Belger. Die Tannen, die jetzt verkauft werden, wurden vor zwölf Jahren gepflanzt.

Belgers sind aber auch Realisten und wissen: Irgendwann hat jeder seinen Weihnachtsbaum daheim. "Es gibt ja nicht plötzlich mehr Menschen", lacht die Tannengut-Chefin. "Wir haben das Privileg, dass wir die Bäume bis zum vierten Advent auch am Stamm lassen können. Was dann nicht mehr gebraucht wird, bleibt einfach fürs nächste Jahr stehen. Was aber machen Baumärkte mit der Ware?" Die Preise sind bei Belgers wie in den Vorjahren stabil, daran wird auch wegen Corona nicht gerüttelt.

Gärtnermeister Heiko Petasch im Kamenzer Herrental ist froh, dass der Weihnachtsbaumverkauf weiterhin gestattet ist.
Gärtnermeister Heiko Petasch im Kamenzer Herrental ist froh, dass der Weihnachtsbaumverkauf weiterhin gestattet ist. © René Plaul

Heiko Petasch wartet hingegen in seiner Gärtnerei in Kamenz in den letzten Wochen mehr oder weniger auf den Ansturm. Sein Hauptumschlagplatz, das Advents-Spectaculum, fällt coronabedingt weg. Die Kundschaft muss deshalb ins Herrental umgelenkt werden. Das liegt etwas abseits. Etwa 200 Weihnachtsbäume sind an den Mann und die Frau zu bringen. Nordmanntannen, Blaufichten, Schwarzkiefern – wie alle Jahre wieder. „Was wir verkaufen, ist aus sächsischen Beständen“, versichert der 51-Jährige.

Und die Kundschaft schätzt das. Bereits vor Wochen ist Petasch mit dem Verkauf in der hofeigenen Gärtnerei gestartet. Doch es lief zuerst zäh. Einige Zeit hat er sich richtig Sorgen gemacht, was das dieses Weihnachten werden solle. Dabei sind die Preise stabil - von 15 bis 46 Euro kostet ein Baum. "Das geht nach Schönheit und Größe. Wer seinen Baum sonst beim Spectaculum erwarb, der bekam einen Glühwein obendrauf. Das geht in diesem Winter überhaupt nicht", bedauert der Kamenzer.

Romantisches Einkaufserlebnis fehlt

Das weihnachtliche Einkaufserlebnis fehlt den Menschen. "Viele Kunden hatten mich angesprochen, ob ich nicht einen kleinen Markt auf dem Hof machen will. Doch das war schnell hinfällig", so Heiko Petasch. Ein romantisches Kauferlebnis ist leider nicht drin.

"Mittlerweile waren viele der Stammkunden da", freut sich Petasch. Und auch, dass der Weihnachtsbaumverkauf überhaupt weiter gehen darf, hilft. "Das schlimmste sind die ständigen Regeländerungen. Das verunsichert die Kundschaft", weiß er. Niemals hätte er alle Tannen in den wenigen Tagen bis Sonnabend verkaufen können. Sein beliebter Lieferservice läuft übrigens auch in diesem Dezember.

Die Suche nach dem perfekten Baum gestaltet sich oft schnell und wortkarg in diesen Zeiten. Die Masken erschweren eine nette Kommunikation. Keiner möchte sich länger als nötig aufhalten. So richtig will keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Auch Uta Belger vom Niedercunnersdorfer Tannengut beobachtet das. "Man muss ja aber die Regeln beim Verkauf einhalten. Rudelbildung ist nicht drin", sagt sie. Und sie hofft auf nächstes Weihnachten. Auf Glühweinduft, den ein oder anderen netten Schwatz und strahlende Kinderaugen beim Baumschlagen auf dem Tannengut.

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