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Darum ist diese Buchhandlung so beliebt

Ein Geschäft in Großröhrsdorf wird mit dem Deutschen Buchhandelspreis geehrt. Die drei Frauen, die es betreiben, verraten ihr Erfolgsrezept.

Diese drei Frauen führen die Buchhandlung in Großröhrsdorf, die jetzt mit dem Preis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird: Kristin Gocht,  Sandra Kretzschmar und Grit Gebler (v.l.).
Diese drei Frauen führen die Buchhandlung in Großröhrsdorf, die jetzt mit dem Preis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird: Kristin Gocht, Sandra Kretzschmar und Grit Gebler (v.l.). © René Plaul

Großröhrsdorf. Es riecht nach Papier und Druckerschwärze. Dazu gesellt sich der Duft von frischen Blumen und Kaffee. Liebhaber von Büchern fühlen sich sofort wohl, wenn sie die Robert Philipp Buch- und Spielwarenhandlung in Großröhrsdorf betreten. Der Laden ist nicht sehr groß, und doch finden bequeme Sessel und Raumteiler Platz. An den Wänden hängen Bilder, keine Drucke, sondern Werke von Künstlern, die ihre Arbeiten zeigen wollen. In einem Regal steht Keramik, hängt Schmuck an einem Ständer. Vor dem Geschäft steht ein Tisch mit Stühlen und Blumen. Auch dort liegt ein Buch. Man hat weniger das Gefühl in einem Buchgeschäft zu sein, sondern in einer kleinen Wohlfühloase, die die Sinne anregt.

„Genau dieses Gefühl wollen wir vermitteln“, erklärt Sandra Kretzschmar. Sie ist die Chefin der Buch- und Spielwarenhandlung und hat sich damit einen Traum erfüllt. Mit ihrer Freundin Grit Gebler, die im Laden mitarbeitet, schwärmte sie schon vor vielen Jahren davon, einen eigenen Buchladen zu führen. Vor 13 Jahren machten sich beide Frauen selbstständig und übernahmen das Geschäft. Früher war es ein Gemischtwarenladen, der seit Anfang des 20. Jahrhunderts bis zum Ende der DDR auch Spielwaren anbot.

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Lieblingsautor ist Ruiz Zafón

Sandra Kretzschmar ist gelernte Automobilkauffrau. Sie habe erst mit 17 Jahren das Lesen so richtig für sich entdeckt. „Als junge Frau war es die Lust an Bildung, das Bedürfnis, mal dem Alltag zu entfliehen. Ich griff immer häufiger zu Büchern“, erzählt sie. Damals war es vor allem Geschichtsliteratur, besonders irische und schottische Geschichte. „Ich habe damals jeden Cent in Bücher gesteckt, war Stammgast im Buchgeschäft“, sagt sie. Heute ist Ruiz Zafón ihr Lieblingsautor, auf ein Lieblingsbuch kann sie sich aber nicht festlegen.

Bei Grit Gebler ist die Entwicklung ähnlich. Auch sie lernte einen artfremden Beruf - den der Industriekauffrau. Doch die Liebe zu Büchern war schon immer da. Deshalb sei es ihr auch nicht schwer gefallen, mit Sandra Kretzschmar den Weg in die Selbstständigkeit zu gehen. Inzwischen arbeitet Grit Gebler auch noch in der Großröhrsdorfer Bibliothek, ist aber trotzdem regelmäßig im Buchladen anzutreffen.

Die dritte Frau im Bunde ist Kristin Gocht, die im Geschäft mitarbeitet. „Sie ist es auch, die täglich frische Blumen aus dem Garten für die Dekoration mitbringt“, sagt Sandra Kretzschmar. Alle drei Frauen sorgen - jede auf ihre eigene Art und Weise - dafür, dass die Leute gern in den Laden in Großröhrsdorf kommen.

Ein kultureller Begegnungsort

Doch was ist außerdem das Besondere an der Buchhandlung? Immerhin wurde sie von einer Jury für eine besondere Auszeichnung auserkoren. „Mit dem Deutschen Buchhandlungspreis würdigt der Bund unabhängige und inhabergeführte Buchhandlungen, die sich in besonderer Weise für das Kulturgut Buch, für ein lebendiges Kulturangebot vor Ort oder für ein vielfältiges Verlagssortiment engagieren“, heißt es in einer Pressemitteilung des sächsischen Kulturministeriums. Und auch Bundes-Kulturministerin Monika Grütters sagt: „Mit liebevoll ausgewählten Sortimenten jenseits der Bestsellerlisten wecken Buchhändler die Lust aufs Lesen. Zugleich sind sie in ländlichen Regionen ein kultureller Begegnungsort.“

Im Großröhrsdorfer Geschäft ist es vor allem die Kombination aus dem Verkauf im Laden und dem kulturellen Angebot, das die drei Frauen unterbreiten. So gibt es regelmäßig Veranstaltungen, zum Beispiel eine jährliche Lese-Nacht mit Liegestühlen im Freien, Livemusik, kleinen kulinarischen Leckereien. „Gäste können sich ein Buch nehmen und einfach mal reinlesen, und das in entspannter Atmosphäre“, sagt Sandra Kretzschmar.

Außerdem besteht enger Kontakt mit Künstlern der Region, die ihre Werke im Laden ausstellen, und die man kaufen kann – quasi Buchladen und Galerie in einem. Der Buchladen arbeitet auch mit einem Töpfer aus Dresden zusammen, der seine Keramik anbietet. Gleiches gilt für eine Schmuckdesignerin. „Es gibt enge Kontakte mit anderen Händlern und Künstlern“, sagt die Chefin. Für den 10. Juli ist ein Literatur- und Straßenfestival geplant, unter anderem mit dem Kunstverein Friese, einer Lesewerkstatt für Kinder, Kurzfilmen und Livemusik. Dafür stecken die drei Frauen jetzt mitten in den Vorbereitungen.

Und dazu gesellt sich die Freude über den Deutschen Buchhandelspreis. Die Verleihung ist am 7. Juli in Erfurt. „Unsere Arbeit und Kreativität wird gewürdigt. Das zeigt auch, dass wir vieles richtig machen. Aber noch mehr Freude bereitet es uns, wenn die Kunden in den Laden kommen und die vielen Angebote annehmen“, sind sich die drei Frauen der Robert Philipp Buch- und Spielwarenhandlung Großröhrsdorf einig.

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