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Das ist Sachsens beste Nachwuchsbäckerin

Julia Garten hat erst Wirtschaftsrecht studiert, schwenkte dann um und arbeitet jetzt im Familienbetrieb in Gersdorf. Bei der Ausbildung gelang ihr ein großer Erfolg.

Von Heike Garten
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Ob Brot oder Eierschecke - Julia Garten beherrscht die Herstellung aller Produkte in der Familienbäckerei in Gersdorf. Sie hat jetzt den sächsischen Landeswettbewerb der Bäckerlehrlinge gewonnen.
Ob Brot oder Eierschecke - Julia Garten beherrscht die Herstellung aller Produkte in der Familienbäckerei in Gersdorf. Sie hat jetzt den sächsischen Landeswettbewerb der Bäckerlehrlinge gewonnen. © Matthias Schumann

Haselbachtal. Es duftet nach frischem Brot und süßem Kuchen. Vor der Backstube stehen Regalen mit Stollen für die Weihnachtssaison. Im Backraum selbst herrscht Hochbetrieb. Die Mitarbeiter belegen Kuchen, bereiten den Brotteig vor oder tüten Plätzchen ein. Mittendrin Julia Garten. Sie formt Flechtgebäck, also Backwaren, bei denen der Teig vor dem Backen verflochten wird. Fingerfertigkeit ist dabei gefragt, doch das ist für die junge Frau kein Problem. Mit Teig und allem anderen, was zum Backen dazugehört, kann sie gut umgehen.

Das hat Julia Garten erst kürzlich mit Bravour unter Beweis gestellt. Beim sächsischen Landeswettbewerb der Bäckerlehrlinge schnitt sie als Beste ab, konnte sich unter allen Teilnehmern durchsetzen. Sie selbst hatte mit dem Erfolg nicht gerechnet. „Ja, es war mein Traum zu gewinnen, aber ich habe ihn nie für realistisch gehalten“, sagt die 28-Jährige stolz.

Gegen Ausbildung beim Vater entschieden

Vielfältige Aufgaben hatten die Teilnehmer des Landeswettbewerbes zu erledigen: ein Weizenmischbrot backen, Flecht- und Partygebäck herstellen, eine Nougattorte kreieren und ein Schaustück aus Brotteig fertigen. Für Julia Garten alles machbar. Beim Schaustück entschied sie sich für Eicheln aus Teig, weil das Thema Natur diesmal im Fokus stand. Alles lief bestens, und jetzt kann sich die junge Frau Sachsenmeisterin nennen.

Obwohl aus einem Bäcker-Familienbetrieb stammend, wollte Julia Garten zuerst nicht im Handwerk arbeiten. „Ich habe nach dem Abitur Wirtschaftsrecht studiert, später in Dresden bei einem großen Entsorgungsunternehmen gearbeitet“, erzählt sie. Sie wusste, dass die Arbeit in einer Bäckerei nicht leicht ist und hatte sich erstmal für einen anderen Beruf entschieden. Doch irgendwann zog es sie doch in den elterlichen Betrieb.

Sich dann mit 25 Jahren doch noch für das Handwerk zu entscheiden, war ein Schritt, den sie bis heute nicht bereut an. Während der Bäckerlehre lernte in Betrieben in Pillnitz und Grünberg. „Ich wollte ganz bewusst nicht bei meinem Vater in die Lehre gehen, sondern auch mal etwas anderes sehen, andere Bäckereien erleben“, so Julia Garten.

Auf viele kleine Details kommt es beim Backen an - alle sind Handarbeit. Julia Garten aus Gersdorf arbeitet mit einem Pinsel an einer Flechtverzierung.
Auf viele kleine Details kommt es beim Backen an - alle sind Handarbeit. Julia Garten aus Gersdorf arbeitet mit einem Pinsel an einer Flechtverzierung. © Matthias Schumann

Die familieneigene Bäckerei kennt die junge Frau ja schon seit ihrer Geburt. „Ich war im Kindergarten immer Mittagskind. Wenn ich nach Hause kam, habe ich erstmal zusammen mit meinem Papa Mittagsschlaf gemacht. Da war seine Schicht in der Bäckerei zu Ende“, erzählt sie. Mit der Oma ist sie mit dem Bäckerauto durch die Gegend gefahren, bei schlechtem Wetter in der Backstube rumgetobt. Als sie etwas größer war, kamen kleine Tätigkeiten dazu: mal Kekse eintüten oder Erdbeeren entkelchen. Mit der Mutti wurde privat mal ein Kuchen gebacken. Und natürlich wurde immer mal etwas genascht.

Damit wusste Julia Garten genau, was auf sie als Bäckerin zukommt, kannte die Arbeitszeiten, die schon morgens gegen 2 Uhr beginnen. Seit 1. November ist sie jetzt Geselle im Familienbetrieb. Mit dem Wach-Schlaf-Rhythmus hat sie kein Problem. Es wird in zwei Abschnitten geschlafen, einmal nach der Arbeit am Nachmittag etwa vier Stunden, dann nachts nach 22 Uhr noch mal drei Stunden.

Auch ihr Freund, mit dem sie in Gräfenhain lebt, hat Verständnis. Schließlich haben beide, wenn er von der Arbeit kommt, noch genügend gemeinsame Zeit. Zeit bleibt auch für das Hobby von Julia Garten. Sie spielt in Lückersdorf-Gelenau Tischtennis, nimmt an Wettkämpfen teil; manchmal auch am Sonnabend gleich nach der Arbeit.

Familienbetrieb existiert seit 245 Jahren

Gerald Garten, ihr Vater und Chef des Familienbetriebes in Gersdorf, ist froh, dass sich seine Tochter für den Weg in die Bäckerei entschieden hat. „Unseren Familienbetrieb gibt es jetzt schon seit 245 Jahren. Es ist schön, dass Julia jetzt mit eingestiegen ist“, sagt er. Obwohl Gerald Garten selbst erst 55 Jahre ist, kann er jetzt beruhigt in die Zukunft der Bäckerei blicken. Derzeit gibt es neben dem Hauptstandort in Gersdorf noch zwei Filialen in Kamenz. Außerdem sind Verkäuferinnen mit dem mobilen Wagen auf Märkten unterwegs. 16 Mitarbeiter sind in der Bäckerei beschäftigt.

Für Julia Garten heißt es dieser Tage erst einmal fleißig üben. Vom 13. bis 16. November finden in Weinheim in Baden-Württemberg die deutschen Meisterschaften der Bäckerlehrlinge statt. Als Sachsens Beste ist sie natürlich mit dabei. Die Bewertungsaufgaben sind bekannt, so dass jetzt alles probiert werden kann. Auch ihr Schaugebäck hat sie schon mal gefertigt: einen Tukan - eine Spechtvogelart - aus Brotteig. Doch auch alle anderen Produkte müssen die Prüfer überzeugen.

Julias Traum ist es, auch bei der deutschen Meisterschaft zu gewinnen. Mal sehen, ob es ihr gelingt. Außerdem gibt es ja noch den Publikumspreis, bei dem jeder Interessent über Facebook sein Votum abgeben kann. Auch dieses Ergebnis wird mit in die Prüfungswertung einbezogen.