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Kamenz: Wie weiter mit dem Braunaer Schloss?

Ein Verein will in dem Gebäude eine freie Schule einrichten. Doch die Chancen dafür sinken - nachdem der Stadtrat einen folgenschweren Beschluss gefasst hat.

Die Zukunft von Schloss Brauna wird weiter heftig diskutiert.
Die Zukunft von Schloss Brauna wird weiter heftig diskutiert. © Matthias Schumann

Kamenz. Die Geschichte von Schloss Brauna geht bis weit ins 18. Jahrhundert zurück. Doch so heftig diskutiert wie in den vergangenen zwölf Monaten war die Zukunft der Anlage und des historischen Ortskernes wohl lange nicht. Die Chancen für eine freie Grundschule im Schloss scheinen aber eher zu sinken. Das Vorhaben hatte der Verein „Freie Alternativschule Kamenz (FAK)“ im vorigen Sommer bereits aufgegeben, zum Jahresende hin aber wieder erneuert.

Eigentümerin der Immobilie ist die gemeinnützige Gesellschaft Louisenstift in Königsbrück. Sie und der Verein hätten die Stadt erneut darüber informiert, dass sie das Schloss künftig als Freie Schule nutzen wollen, heißt es aus dem Kamenzer Rathaus.

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Seit der Fusion zwischen der Gemeinde Schönteichen, zu der Brauna gehörte, und Kamenz vor zwei Jahren ist die Große Kreisstadt für die Planung in Brauna zuständig. Schon damals sei es der Stadt klar gewesen, dass für den gesamten historischen Ortskern ein Konzept nötig ist, dass städtebaulich Ziele festzulegen sind.

Die Stadt beschreibt etliche Missstände, die zu beseitigen seien. Historische Gebäude würden verfallen. Das Schlosses und seine Anlagen mit dem Schlosspark stehen nicht für die Nutzung durch die Öffentlichkeit zur Verfügung. Der Gemeinde fehlten dafür bisher schlicht die finanziellen Ressourcen.

Planer untersucht den historischen Ortkern

Druck entstand auf die Kommune, als der Schulverein Anfang des Vorjahres ankündigte, sein Projekt in dem Schloss zu entwickeln. Das überraschte die Stadt. So sprach sich der Stadtrat offiziell dafür aus, den gesamten historischen Ortskern zu untersuchen. Damit wurden Planer beauftragt. Die Ergebnisse sollen in einem Bebauungsplan festgeklopft werden, der beschreibt, was sich die Stadt auf dem Areal vorstellt: „Wir wissen, dass es unterschiedliche Entwicklungsvorstellungen gibt“, so Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos).

Ende des Vorjahres zeigte sich der Schulverein zugleich zuversichtlich, innerhalb des Planverfahrens baurechtliche Vorbehalte der Stadt ausräumen zu können. Im kommenden Herbst will er gern mit einem ersten Schüler-Jahrgang starten. Allerdings fehlt auch noch der Segen des Landesamtes für Schule und Bildung.

Unterdessen erschwerte die Stadt nun noch einmal zusätzlich mögliche Vorhaben auf dem Areal, das Schloss inklusive. Der Stadtrat verhängte mit großer Mehrheit eine sogenannte Veränderungssperre. Sehr wohlwollend hatte die Linke im Stadtrat das Schulprojekt bisher begleitet. Diesmal enthielt sich die Fraktion mehrheitlich der Stimme.

Stadt will Entwicklung selbst bestimmen

Die Stadt will damit das Heft des Handelns in dem historischen Ortskern sichern. So würden auch Veränderungen durch Grundstückseigentümer verhindert, die den Plänen der Kommune möglicherweise entgegenlaufen. Jetzt müssen im Wesentlichen alle Vorhaben auf dem Areal zuvor mit der Stadtverwaltung abgestimmt werden. Wenn Anträge kommen „prüfen wir sie, ob sie den Planungszielen entsprechen“, so Dantz. Wenn nicht, wäre die Chance wohl gering. Ausnahmen seien möglich.

Insider sehen in der Sperre wohl eher das Aus für dieses Schulprojekt der FAK . In den Unterlagen zu besagter Veränderungssperre ist zum Beispiel nachzulesen, dass Grundsätze der Landesplanung gegen eine neue Schule in dem dörflichen Umfeld sprechen würden. Die träfen klare Aussagen.

Es geht dabei um „zentralörtliche Einrichtungen“, wie es etwas sperrig heißt. Also zum Beispiel Schulen. Neue Projekte seien danach nur in der Kernstadt zulässig. Das würde eher gegen Brauna sprechen. Zumal es dort bereits - quasi nebenan - die eigene kommunale Grundschule gibt, um deren Zukunft sich die Stadt Sorgen macht.

Kleinsteinschule meldet sich zurück

Die Stadt sieht den Schwerpunkt für die Flächen um das Schloss und den Gutshof als Wohnstandort, geht aus den Erläuterungen zum Ratsbeschluss hervor. Wohnungen könnten zum Beispiel im ehemaligen Wirtschaftshof entstehen. Die Gebäude seien allerdings in so schlechtem Zustand, dass viel Geld, auch Fördermittel, nötig wären. Der Hofcharakter soll aber unbedingt erhalten bleiben. Ebenso wie das Schloss mit Park als eine Einheit.

Der Park müsse für die Bevölkerung zugänglich sein. Dafür seien entsprechende Zufahrten vorzusehen und Pkw-Stellplätze einzuplanen. Für das Schloss wird auch nach Ideen gesucht, wie sich die Immobilie für die Ortschaft nutzbar machen lässt.

Der OB stellte gegenüber Sächsische.de noch einmal klar, dass sich die Stadt nicht gegen freie Schulen wende und auch für die FAK nach Lösungen gesucht habe. Gemeinsam mit dem Landkreis habe man das Kamenzer Bildungszentrum als Alternativstandort angeboten – ohne Erfolg. Inzwischen dürfte es aber möglicherweise gar nicht mehr zur Verfügung stehen. So gebe es ja in Kamenz mit der Kleinsteinschule noch eine weitere Schulinitiative, so Roland Dantz. Die wolle sich nun in dem Bildungszentrum etablieren und den Kamenzern ihr Schulangebot unterbreiten.

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