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Reiseunternehmen gegründet - trotz Corona

Mihaly Rénes ist Busfahrer mit Leib und Seele. Jetzt hat er sich in Neukirch selbstständig gemacht - und setzt bei seinen Touren vor allem auf einen Aspekt.

Milahy Rénes vor seinem neuen Reisebüro in Neukirch bei Königsbrück. Die Kataloge hält er schon bereit und hofft, dass er Mitte April starten kann.
Milahy Rénes vor seinem neuen Reisebüro in Neukirch bei Königsbrück. Die Kataloge hält er schon bereit und hofft, dass er Mitte April starten kann. © René Plaul

Neukirch. Die Kataloge liegen bereit. Das Büro ist eingerichtet. Die Reisen sind organisiert. Nur eines ist noch nicht drin: Das Unternehmen Rénes Reisen kann nicht starten. Seit Wochen wartet Mihaly Rénes gemeinsam mit seiner Frau Mandy darauf, dass es mit seinen Busfahrten losgehen kann. Schließlich haben sie sich mit einem Busreiseunternehmen in Neukirch bei Königsbrück selbstständig gemacht, wollen Kunden Deutschland und Europa zeigen. Doch Corona bremst sie aus. Noch sind Busreisen nicht erlaubt.

Am Mittwoch gab die sächsische Landesregierung bekannt, dass Busreisen ab dem 14. Juni wieder starten können, vorausgesetzt, die Sieben-Tage-Inzidenz bleibt unter 100. Doch bis dahin war alles mächtig frustrierend - für Reisewillige genauso wie für Unternehmen der Branche. Und für Rénes Reisen erst recht, konnte das Unternehmen doch bis jetzt noch keinen einzigen Euro verdienen.

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Das Unternehmen Rénes Reisen gibt es seit Januar dieses Jahres. Mitten in der Zeit mit den höchsten Corona-Inzidenzen, als in Deutschland so gut wie nichts mehr ging, haben die Eheleute diesen Schritt gemacht. Ein gewagtes Unterfangen, war und ist die Reisebranche doch in der Pandemie mit am meisten gebeutelt. Und doch haben die Neukircher den Mut dazu aufgebracht. Jetzt heißt es für sie warten - warten darauf, dass sie endlich loslegen können.

Seine Frau lernte er bei einer Tagesfahrt kennen

Der 47-jährige Mihaly Rénes ist Busfahrer mit Leib und Seele. Seit Vater stammt aus Ungarn, deshalb auch der besondere Name. Eigentlich kommt er aus Hoyerswerda, doch die Liebe führte ihn nach Neukirch. Dort stammt seine Frau Mandy her, die er als Busfahrer auf einer Tagesfahrt kennengelernt hat. Seinen Busführerschein hat er bei der Bundeswehr gemacht, später in der Branche gearbeitet.

In der hiesigen Region ist Mihaly Rénes als Busfahrer kein Unbekannter. Viele Jahre hat er bei der Firma Pulsnitztal-Reisen mit Sitz in Haselbachtal gearbeitet. "Die Kunden kennen mich. Ich war mit vielen Menschen der Region in ganz Deutschland und in Europa unterwegs", blickt er zurück. Auch junge Leute werden sich an ihn erinnern. "Meine Spezialität waren die Klassenfahrten nach England mit einem ganz speziellen Doppelstock-Bus", sagt Mihaly Rénes. Es war ein extra Jugendfahrten-Bus, der auch optisch so gestaltet war: bunt und mit jugendlichem Logo.

Im Jahr 2001 war Mihaly Rénes bei dem Unternehmen eingestiegen. Dort arbeitete er insgesamt zehn Jahre. "Ich habe die Tätigkeit als Reisebusfahrer mal für sieben Jahre unterbrochen, war in der Zeit Gemeindearbeiter in Neukirch. Das waren die Jahre, die wir für die Familie genutzt haben", erzählt er. Jetzt sind die Kinder 21, 18 und 14 Jahre alt, sozusagen aus dem Gröbsten raus.

Also stieg Mihaly Rénes wieder bei Pulsnitztal-Reisen ein, bis zum Oktober vergangenen Jahres. Die Betreiber wollten in den Ruhestand gehen, suchten einen Nachfolger für das Busreiseunternehmen. Das Ehepaar Rénes hätten die Firma übernehmen können, doch wollte das nicht. Vielmehr liebäugelten sie mit einem eigenen Unternehmen - und so kam es ja dann auch. "Die Gäste kennen mich, viele werden hoffentlich auch künftig mit mir unterwegs sein", sagt Mihaly Rénes. Einige haben schon bei ihm angefragt und sich den Katalog geholt. Bisher konnte er die Reisewilligen nur vertrösten.

Busreise soll wie ein Familienausflug sein

Das Unternehmen soll bewusst klein gehalten werden, um das Persönliche zu betonen. Er selbst fährt, mietet sich dafür einen Bus. Eine Mitarbeiterin, die auch schon bei Pulsnitztal-Reisen tätig war, wird im Büro arbeiten und vor allem die Kunden bei den Buchungen beraten. Verträge mit Hotels in ganz Europa sind abgeschlossen, auch die kulturellen Angebote gebucht.

Dem 47-Jährigen kommt es bei seinen Reisen aber nicht nur auf das Urlaubsziel an. "Das Wichtigste ist eine soziale Komponente. Menschen kommen mit anderen zusammen. Gerade bei Älteren spielt das Thema Einsamkeit in der Corona-Zeit eine ganz große Rolle", erklärt er. Man sei auf der Fahrt wie eine Familie, erlebe viel zusammen, habe aber auch Zeit zum Reden und um sich auszutauschen.

Im Angebot von Rénes Reisen sind sowohl Tagesfahrten wie auch Urlaube über mehrere Tage. Der Spreewald, Berlin, das böhmische Mariazell oder Breslau sind nur einige Beispiele für die Tagestouren. Einen Sonntag im Monat gibt es eine Überraschungsfahrt unter dem Titel "Sonntags ist niemand gern allein" - eine Fahrt ins Blaue mit Kaffee, Kuchen und ein bisschen Kultur. Bei den Mehrtagesfahrten geht es unter anderem nach Wien, ins Dachsteingebirge oder nach Venedig.

Kein Anspruch auf Corona-Hilfen

Bisher mussten schon einige Reisen aufgrund der Pandemie abgesagt werden. Die ersten Touren waren zu Ostern geplant, doch nichts ging. Auch die Fahrten im Mai konnten nicht stattfinden. Jetzt hofft Mihaly Rénes auf den Juni. "Wir gehören zu den vergessenen Branchen. Von der Politik gab es bisher keine Aussagen zu Busreisen, auch wenn sich die Unternehmen unter anderem mit Hygienekonzepten darauf vorbereiten, wieder zu starten", sagt der Neukircher.

Corona-Hilfen bekommt das Unternehmen keine, da die Firma als Neugründung auf keine Umsätze aus dem vergangenen Jahr verweisen kann, aus denen sich dann die Zuschüsse berechnen. Bleibt also nur die Hoffnung, dass es tatsächlich Mitte Juni losgeht. Diese Hoffnung haben sie, sonst hätten sie nie den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

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