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Ein Traumgarten mit Park und Museum

Sächsische.de zeigt die schönsten Gärten im Kreis Bautzen. Heute: Eine Kamenzerin kam jahrelang an einem verwunschenen Grundstück vorbei. Jetzt gestaltet sie es.

Heike Hilsberg aus dem Kamenzer Ortsteil Biehla ist Gärtnerin mit Leib und Seele. In ihrem 3.000 Quadratmeter großem Grundstück gibt es immer zu tun.
Heike Hilsberg aus dem Kamenzer Ortsteil Biehla ist Gärtnerin mit Leib und Seele. In ihrem 3.000 Quadratmeter großem Grundstück gibt es immer zu tun. © René Plaul

Kamenz / Biehla. Heike Hilsberg steht verträumt in ihrem Garten. Eigentlich habe sie so viel Arbeit, aber einfach so dazustehen - das wäre auch mal schön. Die 52-Jährige ist gerade von Arbeit nach Hause gekommen und freut sich auf den Garten. Das tut sie jeden Tag. Auch wenn hier vor allem wieder eines auf sie wartet: Noch mehr Arbeit. "Ein Tag ohne Garten wäre ein verlorener Tag", sagt sie.

Das 3.000 Quadratmeter fassende Grundstück in Biehla gehört seit 2005 ihrer Familie. "Irgendwie hat uns das Haus samt Garten gefunden. Wir haben damals nicht danach gesucht. Wollten eigentlich gar nicht bauen", erzählt Heike Hilsberg. Aber auf ihrem damaligen Arbeitsweg nach Hoyerswerda fuhr sie täglich an dem verwunschenen Gartengrundstück vorbei. "Man konnte es von der Straße aus sehen und ich habe mich immer gefragt: Wer mag da wohl wohnen? In meiner Fantasie waren es zwei alte Leutchen, die hinter der Hecke ein glückliches Leben führten", sagt sie.

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Schicksal entschied über Grundstückskauf

Doch man konnte nicht allzu viel erkennen, was sich hinter den hohen Bäumen verbarg. Ein bisschen mutete der Garten wie ein Wald an. Und das sollte sich als richtig erweisen, nachdem Familie Hilsberg Besitzer des Anwesens geworden war. Ein befreundeter Nachbar hatte den Tipp gegeben, dass es verkauft werden sollte. "Es war einfach Schicksal", so Heike Hilsberg. Viel Zeit zum Überlegen blieb nicht. Innerhalb von 14 Tagen fiel die Entscheidung: Dieses Wohnhaus mit gigantischem Areal würde ihr neues Zuhause werden.

Eigentlich wollte die Familie das Haus erhalten. Doch am Ende blieben nur vier Außenwände stehen. "Wir haben es aber nach altem Grundriss neu aufgebaut", erzählt Heike Hilsberg. Bereits während des Umbaus forderte auch der gigantische Garten alle Aufmerksamkeit. "Es gab massig Bäume, wir mussten leider einige fällen, zum Beispiel eine alte Pappel. Aber wenn man sich heute umschaut, sind immer noch genügend übrig", so Heike Hilsberg.

Vorbesitzer hatte sich den Wald nach Hause geholt

Was sie früher als kleinen Park von außen angesehen hatte, war im Inneren auch einer. Hinter der großen Hecke verbargen sich verwunschene kleine Wege, ausgefallene Sträucher und blühende Ecken. Der Vorbesitzer war Naturbeobachter, Jäger und Biologielehrer. "Wir haben noch heute Verbindung zu seiner Witwe. Familie Melde hat hier etwas geschaffen, das man nicht so schnell in der Umgebung findet. Ich sage immer: Er hat sich so seinen Wald mit nach Hause geholt", lacht Heike Hilsberg.

Natürlich bedeutete der Grundstückskauf am Ende wahnsinnig viel Arbeit für die Neubesitzer. Doch mit der Umgestaltung wuchs die Lust am Gärtnern. "Ich war schon immer Gartenfan, liebe Dekorationen und bastle gern. Das hier ist für mich ein echtes Paradies", so Heike Hilsberg. Mit dem Hausbau wurde 2005 auch der Garten generalüberholt. Was übrig blieb nach der Entkernung, durfte sich blicken lassen: 22 Rhododendronbüsche, viele alte Eiben, Lärchen, Fichten, Colorado- sowie Hemlocktannen und Birken bilden noch heute den parkähnlichen Wald.

1960 wurde er von Familie Melde angelegt, er nimmt etwa ein Drittel des Grundstückes ein. Besucher von Familie Hilsberg staunen jedes Mal, welch Kleinod da mitten im Dorf existiert.

Der parkähnliche Teil des großen Gartens nimmt etwa ein Drittel der Grundstücksfläche ein. Er wurde schon 1960 von den Vorbesitzern angelegt.
Der parkähnliche Teil des großen Gartens nimmt etwa ein Drittel der Grundstücksfläche ein. Er wurde schon 1960 von den Vorbesitzern angelegt. © René Plaul

Den ehemaligen Nutzgarten haben Mario und Heike Hilsberg ebenfalls nach und nach umgestaltet. Heute gibt es dort zwei Hochbeete, in denen Kräuter, Gemüse und Lavendel wachsen. Auf dem riesigen Kompost entsteht Erde für neue Pflanzungen.

Überhaupt hat die Hausherrin für den Umbau des Gartens alles verwendet, was beim Hausbau anfiel. "Ich bin jedem Stein hinterher gehechtet, damit ich ihn später verbauen kann", lacht sie. Ein Hingucker ist zudem das kleine Fachwerkhaus am Grundstückseingang. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Alles sieht aus wie 1895, als es als Stellmacherei und Wohnhaus erbaut wurde. Es gehört heute zu den wenigen Baudenkmälern von Biehla.

"Wir wissen um den Schatz, den wir mit diesem Häuschen übernommen haben. Und werden ihn bewahren. Hier finden endlich alle meine gesammelten Utensilien von Trödelmärkten Platz", so Heike Hilsberg. Das Ganze mutet wie ein privates Museum an, welches es irgendwie auch ist. Am "Tag der offenen Gartenpforte" im Juni konnten Neugierige einen Blick hinein erhaschen.

Ein Hingucker ist das kleine Fachwerkhaus am Grundstückseingang. Vieles sieht aus wie 1895, als es als Stellmacherei und Wohnhaus in Biehla erbaut wurde.
Ein Hingucker ist das kleine Fachwerkhaus am Grundstückseingang. Vieles sieht aus wie 1895, als es als Stellmacherei und Wohnhaus in Biehla erbaut wurde. © René Plaul
Im Inneren hat Heike Hilsberg ihren über Jahre gesammelten Trödel untergebracht und so ein kleines, privates Museum geschaffen. Ab und zu lässt sie Fremde hinein blicken.
Im Inneren hat Heike Hilsberg ihren über Jahre gesammelten Trödel untergebracht und so ein kleines, privates Museum geschaffen. Ab und zu lässt sie Fremde hinein blicken. © René Plaul

Mittlerweile bringen Fremde Heike Hilsberg alte Dinge vorbei, weil sie die bei ihr in guten Händen wissen. Und wenn es nichts im Fachwerkhäuschen zu tun gibt, werkelt das Paar im riesigen Garten. "Bei mir darf vieles wachsen, was andere rausreißen", sagt Heike Hilsberg. Das naturnahe Gärtnern ist ihr wichtig. Dazu gehört auch ein wildes Blühparadies für Bienen und Insekten.

Tiere haben es gut hier. "Wir haben Hornissennester im Fachwerkhaus, es gibt Blindschleichen, Fledermäuse, Igel, Nachtigallen, Singdrossel und Ringelnattern. Waldameisen-Völker ziehen ständig innerhalb des Gartens hin und her. Ich lasse das zu. Wo sie sich niederlassen, wird in diesem Jahr eben nicht gegärtnert", so die 52-Jährige.

Zahlreiche Sitzecken laden auf dem 3.000 Quadratmeter großen Areal zum Ausruhen ein. Jede ist individuell gestaltet. Auch Kunst und Deko-Hingucker gibt es reichlich.
Zahlreiche Sitzecken laden auf dem 3.000 Quadratmeter großen Areal zum Ausruhen ein. Jede ist individuell gestaltet. Auch Kunst und Deko-Hingucker gibt es reichlich. © René Plaul

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Das grüne Wunderland besticht zudem durch stilvolle Deko, Kunst und Sitzecken. Apfelbäume tragen Früchte, hier und da kann man Beeren naschen. Die einzige Sorge, die die Hilsbergs mit anderen teilen, ist der trockene, sandige Boden rund um Biehla. "Hier kann man gießen, wie man will, es ist nie genug ", sagt Heike Hilsberg. Umso entspannter war dieser Sommer, weil es viel Regen gab. Da blieb ein bisschen mehr Zeit zum Genießen.

22 alte Rhododendrenbüsche wachsen im parkähnlichen Garten von Familie Hilsberg. Besonders im Frühling entfalten sie ihre ganze Pracht.
22 alte Rhododendrenbüsche wachsen im parkähnlichen Garten von Familie Hilsberg. Besonders im Frühling entfalten sie ihre ganze Pracht. © René Plaul
Deko-Elemente, wohin man blicken kann. Die Hausherrin hat ein Händchen dafür. Die Hilsbergs gehören auch der Gruppe der "Offenen Gartenpforte in Kamenz & Umgebung" an.
Deko-Elemente, wohin man blicken kann. Die Hausherrin hat ein Händchen dafür. Die Hilsbergs gehören auch der Gruppe der "Offenen Gartenpforte in Kamenz & Umgebung" an. © René Plaul
Kunst am Wegesrand - hier eine Plastik des verstorbenen Kamenzer Künstlers Rüdiger Vollhard.
Kunst am Wegesrand - hier eine Plastik des verstorbenen Kamenzer Künstlers Rüdiger Vollhard. © René Plaul
Der Garten blüht es das ganze Jahr über. Alte Hortensiensorten sind aktuell der Hingucker.
Der Garten blüht es das ganze Jahr über. Alte Hortensiensorten sind aktuell der Hingucker. © René Plaul
Selbst der Brennholzstapel wurde zum Deko-Objekt umgebaut. Hier fand ein altes Hornissennest aus dem Fachwerkhaus seinen Platz.
Selbst der Brennholzstapel wurde zum Deko-Objekt umgebaut. Hier fand ein altes Hornissennest aus dem Fachwerkhaus seinen Platz. © René Plaul
Natürlich gibt es auch am Haus eine Terrasse zum Ausspannen.
Natürlich gibt es auch am Haus eine Terrasse zum Ausspannen. © René Plaul

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