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Kamenz: Sozialkaufhaus lockt mit "Blick & Collect"

Wegen des Lockdowns war auch das Fair-Kauf-Zentrum am Garnisonsplatz geschlossen. Montag öffnet es wieder - und startet ein besonderes Angebot.

Andreas Crämer, Chef des Kamenzer Fair-Kauf-Zentrums, hat zusammen mit Citymanagerin Anne Hasselbach einen besonderen Abholservice am Markt geschaffen. Das Kaufhaus selbst öffnet ab 22. März wieder für Bedürftige.
Andreas Crämer, Chef des Kamenzer Fair-Kauf-Zentrums, hat zusammen mit Citymanagerin Anne Hasselbach einen besonderen Abholservice am Markt geschaffen. Das Kaufhaus selbst öffnet ab 22. März wieder für Bedürftige. © René Plaul

Kamenz. Die gute Nachricht vorweg: Das Sozialkaufhaus am Garnisonsplatz in Kamenz öffnet am Montag wieder seine Pforten. Chef Andreas Crämer ist glücklich darüber, denn im Lager stapelt sich die Winterware. "Und auch die Osterdeko muss raus, ehe wir wieder alles für ein Jahr wegpacken."

Wer in den letzten Monaten etwas an Kleidung benötigte, hatte angesichts geschlossener Läden wegen des Lockdowns Pech. Es sei denn, man bestellte im Internet. Weit schlechter dran waren Menschen, die sich als Hartz IV-Empfänger oder mit einer kleinen Rente eine Online-Bestellung nicht leisten können. Im Normalfall können sie ins "Fair-Kauf-Zentrum" gehen. Doch auch dieses hatte - wie die meisten Geschäfte - seit 14. Dezember geschlossen.

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Nur sieben Kunden dürfen auf einmal rein

Nun öffnen sich - unter den Vorgaben der Corona-Regeln - am 22. März langsam die Türen wieder. "Wir können natürlich nur wenige Kunden einlassen. Sieben Leute sind es insgesamt auf alle Räume verteilt", erklärt Kaufhaus-Chef Andreas Crämer. Und diese dürfen jeweils maximal 30 Minuten einkaufen. Kunden sollten deshalb ein bisschen Geduld mitbringen und sich auf Wartezeiten einrichten - mit Abstand und Masken.

Crämer und sein Team sind froh, wieder etwas verkaufen zu können. Denn aktuell sei die Lage mehr als kritisch. Die Leute hätten im Lockdown viele Sachen gebracht, und auch die Kleidercontainer seien stets bis zum Rand gefüllt gewesen.

40 Kleidercontainer sind noch im Einsatz

Immerhin 40 Stück sind es noch in Kamenz und dem näheren Umkreis. "Einer ist kürzlich in Schwepnitz abgebrannt", sagt Andreas Crämer. Zwischenzeitlich seien allerdings nur vier Kleidercontainer geöffnet gewesen. Hintergrund für die Schließung war die Lage auf dem Weltmarkt. "Normalerweise werden die verwertbaren Stücke für den Verkauf aussortiert, und der Rest geht ins Wertstoffrecycling. Da brachen aber seit Monaten die Verwertungsketten weg. Deswegen liefen die Lager voll - überall in Deutschland", berichtet der Sozialkaufhaus-Chef.

Und er betont: Die aussortierten Sachen sollten eine echte Spende sein, keine Alternative zur Mülltonne. "Leider erleben wir das öfter. Es kam vor, dass wir Altöl-Behälter oder den Kadaver eines geschlachteten Schafes im Container liegen hatten." Das sei nicht nur unangenehm, sondern unfair. Denn der Müll muss letztendlich entsorgt werden. Dazu kommen die Kosten für Kleidung, welche nicht mehr verkauft werden kann. "Früher hat die Altkleiderindustrie das bezahlt, denn sie recycelte daraus neue Dinge. Nun ist der Weltmarkt eingebrochen, und keiner braucht das Zeug", erklärt Andreas Crämer.

Citymanagerin Anne Hasselbach half am Donnerstag und Freitag beim Einrichten des Blick & Collect-Fensters am Kamenzer Markt.
Citymanagerin Anne Hasselbach half am Donnerstag und Freitag beim Einrichten des Blick & Collect-Fensters am Kamenzer Markt. © René Plaul

Das von einem Verein getragene Sozialkaufhaus ist deshalb auf Spenden angewiesen. "Das würde uns momentan am meisten helfen", sagt Crämer. Er freut sich, dass er Unterstützer zur Seite hat. Wie Citymanagerin Anne Hasselbach. Sie tüftelte mit ihm eine neue Werbestrategie aus. In Anlehnung an das Modell Click & Collect, was Bestellen und Abholen bedeutet, entstand im leer stehenden Schaufenster der ehemaligen Modeperle am Markt ein so genanntes "Blick & Collect".

Dafür wurden verschiedene Outfits und Dinge zusammengestellt, die im Paket bestellt werden können - zum Spendenpreis. Per WhatsApp kann man das Gewünschte ordern, und die Ware wird per Termin direkt aus dem Schaufenster heraus gegeben. "Bis September stellt uns der Hausbesitzer die Fenster zur Verfügung", freut sich Anne Hasselbach über diese Art der Corona-Hilfe. "So bekommt der Verein damit erstmals eine Sichtbarkeit in der Innenstadt."

Geldspenden für das Sozialkaufhaus: Kreissparkasse Bautzen, Fair-Kauf-Zentrum Kamenz, IBAN DE 75 8555 0000 1002 0098 43

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