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Kamenzer Fair-Kauf-Zentrum braucht dringend Nachschub

Die Lager in dem Sozialkaufhaus am Garnisonsplatz in Kamenz sind ziemlich leer. Woran das liegt und wie man helfen kann.

Von Ina Förster
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Andreas Crämer leitet das Sozialkaufhaus in Kamenz. Dort sind die Lager zurzeit fast leer. Nachschub an Spenden wird dringend gebraucht.
Andreas Crämer leitet das Sozialkaufhaus in Kamenz. Dort sind die Lager zurzeit fast leer. Nachschub an Spenden wird dringend gebraucht. © Matthias Schumann

Kamenz. Wer im Fair-Kauf-Zentrum in Kamenz einkaufen kommt, bezieht eine Sozialleistung und hat wenig Geld in der Tasche. Doch hier findet er alles, was man zum Leben so braucht: Kleidung, Technik, Einrichtungsgegenstände, saisonale Deko, Spielzeug und Bücher. Nur aus zweiter oder dritter Hand, doch gut erhalten.

Auch am Montagmorgen streifen sie durch die Gänge - Rentner, Frauen, Männer, Alt und Jung, Mütter mit Kindern. Sie sind auf der Suche nach einer warmen Jacke oder Winterschuhen. Oder einem günstigen Geschenk. Nach ein paar neuen Gläsern oder Tassen. Im Vorbeigehen wird ein Buch für 30 Cent mitgenommen. Und auch schon ein bisschen Deko für Weihnachten. Plastik-Kugeln, Kerzenständer, Tischdecken, bunte Teller und Figuren - es glitzert in der Saisonecke. "Die Ware läuft bei uns bereits seit vier Wochen gut", sagt Veronika Welbat.

Die Lager sind derzeit fast leer

Sie ist Mitarbeiterin des Kamenzer Vereins "Aktiv vor Ort", der das Fair-Kauf-Zentrum betreibt, und hat in den letzten Wochen ihren Chef, Andreas Crämer, vertreten. Der kuriert gerade einen Bandscheibenvorfall aus. Eigentlich ist er deshalb zurzeit nicht auf Arbeit, aber mal "vorbeischauen" sei gestattet. Seit 13 Jahren führt er die Geschäfte im Fair-Kauf-Zentrum am Garnisonsplatz. Er kennt gute und schlechte Zeiten. Zurzeit gebe es eine dieser eher schwierigen Phasen.

"Durch die monatelange Schließzeit in den letzten zwei Jahren haben wir die Lager aktuell fast leer verkauft. Die Leute konnten zuletzt ein halbes Jahr lang keine gebrauchten Sachen abgeben kommen. Erst seit Juni haben wir wieder regulär geöffnet. Auch viele der Container mussten wir zwischenzeitlich coronabedingt schließen", sagt Crämer. Das räche sich jetzt.

"Eigentlich fehlt es an allem", bekräftigt seine Kollegin Veronika Welbat. Denn viele von den Stamm-Spendern seien seit dem Sommer weggeblieben. "Irgendwie ist der Wurm drin. Vielleicht wissen einfach die meisten gar nicht, dass wir wieder am Start sind. Es fehlt aktuell an einem stabilen Warenzulauf", sagt Andreas Crämer.

Dabei wurde das Fair-Kauf-Zentrum erst im letzten Herbst vergrößert, es wurde sogar eine zusätzliche Halle eröffnet, in der vor allem große Elektrogeräte angeboten werden.

Haushaltsgroßgeräte dringend gesucht

Doch jetzt klemmt es gerade in diesem Bereich, weil kaum neue Spenden hereinkommen, sagt Crämer. Es fehle an Waschmaschinen, Herden, Kühlschränken, Mikrowellen, Wäschetrocknern. Gerade das würden aber viele bedürftige Menschen brauchen. Die Warteliste sei lang. "Die Spenden können auch kleine Mängel haben, wir haben Möglichkeiten, das Ganze in unserer Werkstatt zu überprüfen. Generell funktionieren sollten sie natürlich", erklärt Andreas Crämer.

Ehe solche Geräte zum Wertstoffhof gebracht werden, wäre das Fair-Kauf-Zentrum Kamenz eine dankbare Anlaufstelle. Genommen werde alles - außer Möbel. Im Regelfall holen die Mitarbeiter die angebotenen Spenden auch zu Hause ab. Doch hier liegt gleich das nächste Problem: "Wir haben nur noch einen ehrenamtlichen Fahrer, der einmal pro Woche mit unserem Transporter ausrückt", sagt Andreas Crämer frustriert.

Das Fair-Kauf-Zentrum ist über jede noch so kleine Spende dankbar. Wenn allerdings große Unternehmen wie die Staubsaugerfirma Lux gleich größere Mengen spenden, dann freut sich Chef Andreas Crämer (l.) umso sehr. Niederlassungsleiter Fernando Kuhnt aus Ka
Das Fair-Kauf-Zentrum ist über jede noch so kleine Spende dankbar. Wenn allerdings große Unternehmen wie die Staubsaugerfirma Lux gleich größere Mengen spenden, dann freut sich Chef Andreas Crämer (l.) umso sehr. Niederlassungsleiter Fernando Kuhnt aus Ka © Matthias Schumann

Früher seien bei den vom Jobcenter geförderten Maßnahmen immer Leute dabei gewesen, die einen Führerschein hatten. Doch aktuell sei das nicht der Fall. Mit den zehn vom Jobcenter vermittelten Frauen und Männern muss das Sozialkaufhaus arbeiten. Sie sichern die Betreibung ab. "Aber die Spendenabholung stagniert massiv", beklagt der Kaufhausleiter.

Auch die etwa 30 grünen Container, in denen Kleiderspenden gesammelt werden, quellen deshalb oft über. Zudem machen dem Verein die teuren Stellplatzmieten Sorgen. "Wir würden uns deshalb über mehr private Stellplätze freuen, denn die kommunalen kosten viel Geld. Geld, das wir nicht übrig haben", sagt Andreas Crämer. "Vielleicht hat ja jemand Möglichkeiten auf seinem Grundstück, einen frei zugänglichen Container bei sich aufzustellen? Das würde uns weiterhelfen!"

Oft landet Haushaltsmüll in den Containern

Crämer und sein Team suchen nach Lösungen, damit es weitergeht. "Es ist ja nicht so, dass die Leute nicht spendenwillig sind", sagt der 51-Jährige. Gerade während des Lockdowns hätten viele daheim die Schränke und Böden aussortiert. Doch was manchmal in den Containern landet, sei auch nicht mehr tragbar.

"Abgesehen von jeder Menge Haushaltsmüll stopfen manche Zeitgenossen alles rein, was daheim nicht mehr in die Tonne passt. Mitunter ganze Säcke voller gebrauchter Windeln. Oder Tierabfälle im schlimmsten Fall", sagt Andreas Crämer. "Wir bitten hier, fair zu sein. Wir sind auch nur Menschen!"