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Wiesa: Wohngebiet an alten Gleisen geplant

Dörfliche Idylle und Nähe zur Stadt Kamenz - beides soll der Eigenheimstandort am ehemaligen Wiesaer Bahnhof bieten. Allerdings mit weniger Häusern als erhofft.

Im Bereich der ehemaligen Verladezone des alten Wiesaer Bahnhofs könnten in den nächsten Jahren 16 Eigenheime entstehen.
Im Bereich der ehemaligen Verladezone des alten Wiesaer Bahnhofs könnten in den nächsten Jahren 16 Eigenheime entstehen. © Matthias Schumann

Kamenz. Es klingt grundsätzlich gut: Auf dem Gelände des ehemaligen Wiesaer Bahnhofes soll in den nächsten Jahren ein neuer Eigenheimstandort für die Stadt Kamenz entwickelt werden. Dort, wo noch vor Jahrzehnten Züge über Gleise ratterten, könnten schon bald 16 Einfamilienhäuser gebaut werden. So jedenfalls sieht es der bisherige Gestaltungsplan vor.

Noch vor über drei Jahren waren bedeutend mehr Häuser im Gespräch. Da stimmte der Stadtrat im September 2017 bereits einstimmig einer Plan-Aufstellung mit dem Titel "Wohnbebauung Am Bahnhof Wiesa" zu. Hinter dem ehrgeizigen Vorhaben steckt die Roth AG, die vor fast 19 Jahren den Bahndamm zwischen Kamenz und Elstra erwarb - vordringlich, um das Gleisbauwerk zu vermarkten. Auch ein Radweg sollte gebaut werden, der allerdings niemals kam.

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Ursprünglich sogar 40 Eigenheime geplant

Mittlerweile wurde die Immobilienwert Sachsen AG mit Sitz in Radebeul von der Roth AG mit der Erschließung des Geländes beauftragt. Diese beauftragte wiederum einen Planer, der aktuell mit der Stadt ins Gespräch kommen soll. Von den ehemals anvisierten 40 Häusern mit Grundstück ist allerdings nur noch ein knappes Drittel übrig.

Das hat seinen Grund: Die Flächen am Bahndamm hinter dem Wiesaer Bahnhof in Richtung Elstra schienen von Anfang an etwas klein für das ursprüngliche Projekt. Es soll über die Straße zum Thonberg und Am Klötzerberg erschlossen werden. Und ohne eine B-Planänderung im Außenbereich war das Bauvorhaben nicht möglich. Jetzt, drei Jahre später, kam Bewegung in die Angelegenheit - und das Thema auf den Tisch des letzten Stadtrats. Denn im Vorfeld wurden Lösungsstudien erarbeitet, um die technische Machbarkeit nachzuweisen.

Fachämter mit Bedenken wegen geplanter Größe

Nach Auswertung der Stellungnahmen der Ewag Kamenz als zuständigem Ver- und Entsorger wurde deutlich, dass die geplanten Veränderungen so nicht haltbar sind. Vor allem in der südlichen Ausdehnung. In das vormals beabsichtigte Plangebiet greift unter anderem ein vorhandenes Bergrecht ein, welches massive Auswirkung auf die Planung hatte. Auch die zuständigen Fachämter des Landratsamtes Bautzen äußerten teils erhebliche Bedenken gegen die Größe des Wohngebietes.

Am Ende blieben 16 Häuser mit einer jeweiligen Grundstücksgröße von 400 Quadratmetern übrig. Diese können künftig ausschließlich im Bereich der ehemaligen Verladezone des alten Wiesaer Bahnhofes entstehen. Das ist weniger als erhofft, aber immer noch ein Vorhaben, über das sich auch die Stadt Kamenz freuen dürfte.

Auf dem Gelände des ehemaligen Wiesaer Bahnhofes soll in den nächsten Jahren ein neuer Eigenheimstandort für die Stadt Kamenz entwickelt werden.
Auf dem Gelände des ehemaligen Wiesaer Bahnhofes soll in den nächsten Jahren ein neuer Eigenheimstandort für die Stadt Kamenz entwickelt werden. © Stadtverwaltung

Denn der Wunsch nach Grundstücken und die Nachfrage nach Bauland wuchs in den letzten Jahren enorm. Ad hoc kann man jedoch nicht auf alle Wünsche reagieren. "Die Nachfrage ist da, auch von externen Interessenten. Viele Rückkehrer sind ebenfalls darunter", so Stadtplaner Michael Preuß. Doch die Stadt hat ein Problem, denn es gibt nur wenige Grundstücksflächen, die sie selbst vermarkten kann.

"Wir haben lange von der Bebauung des Wohngebietes Bautzner Berg profitiert. Die letzten Grundstücke sind 2018 weggegangen", sagte Dezernatsleiterin Katrin Andrews vor einem halben Jahr gegenüber der SZ. Durch die Entwicklung von Wohngebieten mit Unterstützung der Stadt oder private Investoren - so am Hennersdorfer Weg, der Forst-, Dittrich- und Gartenstraße sowie am Wiesaer Kirchweg - wurden in den letzten Jahren immerhin fast 40 neue Eigenheimbauplätze geschaffen. Doch es sind einfach noch zu wenige. Und auch das Gebiet Kamenz-West ist mittlerweile randvoll.

Lage perfekt: Dörfliche Idylle und gute Infrastrutkur

Ein neuer Eigenheimstandort in Wiesa könnte da helfen. Die Lage ist nahezu perfekt für Familien und Ruhesuchende. Er befindet sich am Stadtrand, in dörflicher Idylle und trotzdem in der Nähe zu wichtiger Infrastruktur. Zum Beispiel zur Autobahn. Oder aber zur neuen Wiesaer Kita. Nach sechs Jahren Planungs- und Bauzeit wurde erst im letzten September der Neubau gleich um die Ecke fertiggestellt. Diese Voraussetzungen werten die Lage des neuen Wohngebietes auf.

Nächster Schritt ist nun aber erst einmal ein städtebaulicher Vertrag, der zwischen der Stadt Kamenz und dem Entwicklungsträger abgeschlossen werden muss. Darum ging es in der letzten Stadtratssitzung Anfang Februar. In dem Vertrag ist unter anderem zu regeln, dass der Vorhabensträger die Planungskosten übernimmt und die Standorterschließung auf eigene Kosten realisiert.

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