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Kamenz: Warum es beim Kostümfundus klemmt

Schon Anfang des Jahres ist der Fundus umgezogen. Doch damit die Ausleihe möglich wird, muss noch ein Problem gelöst werden.

Der Kamenzer Kostümfundus ist jetzt beim Wiesaer Heimatverein - im Bild Barbara Gretschel, Hannelore Lorenz, Sonnhild Drachsler und Ramona Otto (v.l.) - untergebracht. Doch das Ausleihen ist bisher noch nicht möglich.
Der Kamenzer Kostümfundus ist jetzt beim Wiesaer Heimatverein - im Bild Barbara Gretschel, Hannelore Lorenz, Sonnhild Drachsler und Ramona Otto (v.l.) - untergebracht. Doch das Ausleihen ist bisher noch nicht möglich. © Matthias Schumann

Kamenz. Die Frauen des Wiesaer Heimatvereines wollen loslegen. Sie sind voller Energie und können es kaum erwarten, endlich eines der 1.400 Kostüme, für die sie jetzt verantwortlich sind, an die Frau oder den Mann zu bringen. Kleider, Umhänge, Hemden, Hosen, Blusen, Brautkleider, Kinderkostüme und Trachtengewänder hängen sortiert, gelüftet und aufgearbeitet auf den Kleiderstangen des neuen Kamenzer Kostümfundus. Doch nichts geht los.

Das hat auch ein bisschen mit Corona zu tun. Doch vor allem liegt es an einem noch nicht genehmigten Brandschutzkonzept. Aber der Reihe nach: Bis letzten Winter gehörten die Fundus-Sachen noch der Arbeitslosenselbsthilfe Kamenz (ASH). Doch der Verein löste sich zum Ende des Jahres auf - und lud zuvor noch zum Ausverkauf seiner Utensilien ein. Vorausschauende Köpfe mahnten allerdings den Erhalt des Kostümfundus an, unter ihnen auch Schneiderin Hannelore Lorenz und der Kamenzer Oberbürgermeister. Im Wiesaer Heimatverein wurde schließlich ein neuer Betreiber für den Fundus gefunden.

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Kostüme auch für 800-Jahr-Feier wichtig

"Mit Blick auf die 800-Jahr-Feier von Kamenz im Jahr 2025 war schnell klar: Diesen Schatz müssen wir für die Stadt bewahren - allein schon für einen Festumzug. Zudem steckt Herzblut in jedem einzelnen genähten Stück", sagt Hannelore Lorenz. Sie leitete jahrelang die Schneiderei bei der ASH. Dass "ihr" Fundus nun so einen tollen neuen Platz und so engagierte Menschen im Kamenzer Ortsteil Wiesa gefunden hat, freut sie.

Dabei war das eher Zufall. Ramona Otto, Vorsitzende des Heimatvereins Wiesa, und Hannelore Lorenz kannten sich vorher nicht. "Ehrlich gesagt, wusste auch keiner von unserem Verein, dass es einen so großen Kostümfundus überhaupt gibt", erzählt Otto.

Bauklötze hätten sie dann gestaunt, als ihnen klar wurde, welch einen Schatz sie da übernehmen sollten. "Wir sind begeistert", sagt Ramona Otto. Gemeinsam mit ihrer Tochter und helfenden guten Geistern wie Barbara Gretschel und Sonnhild Drachsler möchte sie nun auch endlich mit dem Verleih beginnen. Doch das ist bisher nicht möglich.

"Umgeräumt haben wir die 1.400 Kostümteile bereits Anfang Januar. Das war ein schneller Einsatz von allen Vereinsmitgliedern und so an einem halben Tag geschafft", berichten die Frauen. Auch das Herrichten der Räume im ehemaligen Wiesaer Hort und deren Ausgestaltung sei wie am Schnürchen gelaufen. Doch seitdem alles auf den Stangen hängt oder in den Regalen steht, stagniert das Projekt - wegen besagtem Brandschutzkonzept.

Jugendclub soll mit einziehen

Zur Erklärung: Die Stadt Kamenz stellte dem Heimatverein die Räume im leer gezogenen alten Wiesaer Hort zur Verfügung. Erst vor einem Jahr war der Hort ins neu gebaute Kinderhaus integriert worden.

"Zunächst sollte der ehemalige Hort nur für den Kostümfundus genutzt werden. Dies wurde auch soweit geprüft. Dann trat der Ortsvorsteher von Wiesa aber mit dem Wunsch an uns heran, ob nicht auch Räume für eine Art Jugendclub auf dem Gelände bereitgestellt werden könnten", erklärt Stadtsprecher Thomas Käppler. Die zunächst ins Auge gefasste Möglichkeit, einen Jugendclub im ehemaligen Speiseraum nebenan unterzubringen, habe sich nicht realisieren lassen, da dort keine Sanitäreinrichtungen vorhanden sind.

Der Kostümfundus mit über 1.400 Kostümteilen befindet sich ab sofort in Wiesa. Der Heimatverein kümmert sich um die Ausleihe und Pflege.
Der Kostümfundus mit über 1.400 Kostümteilen befindet sich ab sofort in Wiesa. Der Heimatverein kümmert sich um die Ausleihe und Pflege. © Matthias Schumann
Auch allerhand Mützen und Hüte aus zahlreichen Epochen gibt es auszuleihen.
Auch allerhand Mützen und Hüte aus zahlreichen Epochen gibt es auszuleihen. © Matthias Schumann
Vom einfachen Karnevalskostüm bis zu hochwertigen Theaterkleidern oder Brautmode ist alles zu haben. Die Ausleihe für sieben Tage kostet zwischen elf und 26 Euro - je nach Kostüm.
Vom einfachen Karnevalskostüm bis zu hochwertigen Theaterkleidern oder Brautmode ist alles zu haben. Die Ausleihe für sieben Tage kostet zwischen elf und 26 Euro - je nach Kostüm. © Matthias Schumann
Der ehemalige Hort stand seit einiger Zeit leer, weil die Hortkinder mit ins neu gebaute Kinderhaus gezogen sind.
Der ehemalige Hort stand seit einiger Zeit leer, weil die Hortkinder mit ins neu gebaute Kinderhaus gezogen sind. © Matthias Schumann
Neben Perücken, Taschen und Kleinutensilien gibt es sogar Besen, Hellebarden und landwirtschaftliche Dinge wie Körbe oder Rechen auszuleihen.
Neben Perücken, Taschen und Kleinutensilien gibt es sogar Besen, Hellebarden und landwirtschaftliche Dinge wie Körbe oder Rechen auszuleihen. © Matthias Schumann

Doch es stehen auch Räume im zweiten Obergeschoss leer. Aber passt das zusammen? Kostümverleih und Jugendclub unter einem Dach? Immerhin stellen die Kostüme eine hohe Brandlast dar. Das Brandschutzkonzept musste daher überarbeitet werden.

"Seit etwa einer Woche befindet sich der betreffende Bauantrag mit dem Brandschutzkonzept bei der Bauaufsicht im Landratsamt. Es ist damit zu rechnen, dass Ende Oktober bis Anfang November die Baugenehmigung für die Nutzungen erteilt wird", sagt Käppler.

Vermutlich würden dann kleine Baumaßnahmen nötig. Unter anderem müsse wahrscheinlich eine Tür zugemauert und eine andere brandschutztechnisch ertüchtigt werden. Später soll der Fundus ohnehin mit ins neue Dorfgemeinschaftshaus einziehen. Dort soll es dann auch Umkleiden und einen Waschraum für die Kleidung geben. "Wir haben alle Kleider aus leicht waschbaren Stoffen gefertigt, so dass eine Reinigung unkompliziert möglich ist", erklärt Hannelore Lorenz.

Doch das neue Domizil wird frühestens 2025, wenn nicht gar erst 2026 fertig. Bis dahin verbleibt der Kostümfundus im Übergangsobjekt. "Wir können und wollen hier verständlicherweise nicht Unsummen an Geldern hineinstecken", sagt die Vereinsvorsitzende. Man habe ja auch noch andere Dinge zu stemmen. Und jeder übrige Euro fließe in das neue Haus. "Natürlich erarbeiten wir die Betriebskosten, dafür müsste es dann allerdings endlich mit dem Verleih losgehen", wünscht sich Ramona Otto.

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