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Kamenz: Wo geht's hier zum nächsten Schatz?

Geocaching findet immer mehr Anhänger. Wie die moderne Schnitzeljagd funktioniert und was daran fasziniert, erzählen zwei Frauen auf einer Tour in Kamenz.

Carmen Schulze (r.) und Heike Hilsberg auf dem Kamenzer Hutberg unterwegs zum Geocaching. Die erfahrene Schatzsucherin Carmen führt ihre Freundin in das Hobby ein.
Carmen Schulze (r.) und Heike Hilsberg auf dem Kamenzer Hutberg unterwegs zum Geocaching. Die erfahrene Schatzsucherin Carmen führt ihre Freundin in das Hobby ein. © René Plaul

Kamenz. Sie heißen "Der arme Bello", "Ivi's Abschied", "Der Wolf bleibt draußen", "Klopf, klopf", "Alter Knacker" oder "Fröschlitour". Manchmal aber auch nur "Gipfelblick", "Botanische Kostbarkeit III" oder "Kamenzer Hutberg". Die Rede ist von Geocaches im Kamenzer Umland. Das sind kleine Schatztruhen, die die einen verstecken, damit andere Leute sie finden können. Wasserdicht müssen sie sein - und ein Logbuch enthalten. Alles andere ist der Fantasie derjenigen überlassen, die sie verstecken.

Geocaching ist in aller Munde. Weltweit befinden sich etwa sechs Millionen Menschen dauerhaft auf der Suche nach solchen Schätzen. Ausgestattet sind sie mit einer entsprechenden App samt GPS-Signal. Corona verstärkte die Lust auf dieses Spiel noch einmal. Denn Spazierengehen und Wandern gehörten im Lockdown zu den wenigen erlaubten Freizeitbeschäftigungen. Und vor allem Kinder sind damit bestens zum Laufen zu motivieren.

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Rund um Kamenz etwa 60 versteckte Caches

Die El Dorados für Geocacher liegen oft in der Natur. Aber auch in der Stadt. Und an den unglaublichsten Orten, manchmal auch an gefährlichen. Hat man erst eine der zahlreichen Geocaching-Apps auf sein Handy geladen, erschließt sich einem das ganze Ausmaß. An die 60 Objekte sind allein in und um Kamenz aufzuspüren.

Vor allem um den Ortsteil Brauna, aber auch in den Teichgebieten der Lausitz sind viele Caches zu finden. Das liegt wohl daran, dass dort auch sehr aktive Schatzsucher leben. Die wiederum bereiten anderen Geocachern gern neue Erlebnisse.

Schon mehr als 1.100 Objekte gefunden

Carmen Schulze ist eine von ihnen. Schätze entdeckt die 65-Jährige fast täglich. "Ich bin ein Bewegungsmensch und neugierig auf das Leben", sagt sie. Dieses Hobby sei genau das Richtige für sie. Als ihre Tochter sie vor drei Jahren auf das Thema Geocaching aufmerksam machte, war sie erst skeptisch. Doch dann konnte sie schnell die Finger nicht mehr davon lassen. "Wir haben die Zeit gemeinsam an der frischen Luft genossen", erzählt sie.

Mittlerweile stehen über 1.100 gefundene Objekte bei ihr zu Buche. "Das ist trotzdem pillepalle im Gegensatz zu manch anderen Schatzsuchern. Da gibt es Leute, die haben 22.000 Caches und mehr aufgespürt", weiß sie.

Los geht's: Carmen Schulze (l.) und Heike Hilsberg sind gespannt, was sie beim Geocaching auf dem Kamenzer Hutberg finden.
Los geht's: Carmen Schulze (l.) und Heike Hilsberg sind gespannt, was sie beim Geocaching auf dem Kamenzer Hutberg finden. © René Plaul
Zimperlich darf man nicht sein. Manche Schätze liegen tief im Wald an schwer zugänglichen Stellen.
Zimperlich darf man nicht sein. Manche Schätze liegen tief im Wald an schwer zugänglichen Stellen. © René Plaul
Die Caches können winzig klein, aber auch ganze Schatztruhen sein. "Man weiß vorher nie, was man findet", sagt Carmen Schulze.
Die Caches können winzig klein, aber auch ganze Schatztruhen sein. "Man weiß vorher nie, was man findet", sagt Carmen Schulze. © René Plaul
Für die Schatzsuche braucht man auf jeden Fall ein GPS-taugliches Gerät, also zumindest ein Smartphone. In der App ist auch ein Kompass enthalten.
Für die Schatzsuche braucht man auf jeden Fall ein GPS-taugliches Gerät, also zumindest ein Smartphone. In der App ist auch ein Kompass enthalten. © René Plaul
Heike Hilsberg schaut ganz genau hin bei der Suche. Manchmal gibt es kryptische Hinweise auf das Versteck.
Heike Hilsberg schaut ganz genau hin bei der Suche. Manchmal gibt es kryptische Hinweise auf das Versteck. © René Plaul
Logbücher in verschiedenen Formen liegen in den Caches. Manche Finder haben sogar einen personalisierten Stempel bei sich.
Logbücher in verschiedenen Formen liegen in den Caches. Manche Finder haben sogar einen personalisierten Stempel bei sich. © René Plaul
Oft liegen im Cache auch ein kleines Spielzeug oder andere Utensilien. Nimmt man etwas davon mit, muss man zum Tausch etwas anderes dalassen.
Oft liegen im Cache auch ein kleines Spielzeug oder andere Utensilien. Nimmt man etwas davon mit, muss man zum Tausch etwas anderes dalassen. © René Plaul
Nach erfolgreicher Schatzsuche, trägt man sich ins Logbuch ein. Später vervollständigt man die Eintragungen auch in der App.
Nach erfolgreicher Schatzsuche, trägt man sich ins Logbuch ein. Später vervollständigt man die Eintragungen auch in der App. © René Plaul
Hatten viel Spaß bei ihrer Tour auf dem Hutberg: In rund anderthalb Stunden fanden Carmen Schulze und Heike Hilsberg drei Caches.
Hatten viel Spaß bei ihrer Tour auf dem Hutberg: In rund anderthalb Stunden fanden Carmen Schulze und Heike Hilsberg drei Caches. © René Plaul

Ihre Tochter wohnt mittlerweile in der Pfalz, und nur selten können sie zusammen losziehen. Doch wenn, dann buchen sie gleich ein Wochenende in der Gegend, wo sie auf Tour gehen wollen. "Man entdeckt so viele neue Wege und Gegenden. Die Schatzsuche hat uns schon oft an Orte geführt, die wir sonst nie im Leben gesehen hätten", erzählt die 65-Jährige begeistert.

Kamenz kennt die Spreewitzerin hingegen schon ganz gut. Im nahen Biehla wohnt ihre Freundin Heike Hilsberg. Früher haben sie zusammen gearbeitet. Heute verbindet die Frauen eine Freundschaft. Und vor Kurzem hat Carmen Heike in die Geheimnisse des Geocachings eingeführt. Bislang war die 52-Jährige ein so genannter "Muggel". So heißen in den Harry-Potter-Romanen die Nichtzauberer. Und so nennen erfahrene Geocacher auch Menschen, die keine Ahnung haben von ihrem Hobby.

"Ich habe jetzt noch nicht so viel Erfahrung, aber ich war sofort fasziniert", sagt Heike Hilsberg. Auf der Jagd nach Carmens 1.100. Cache machten sie sich kürzlich auf den Weg an die Weißiger Teiche. Da musste Heike Hilsberg gleich auf einen Baumstamm klettern und einen Cache aus dem Wasser angeln. "Es ist Wahnsinn, was sich manche Owner einfallen lassen", sagt Carmen Schulze. Owner heißen diejenigen, die einen Cache auslegen, pflegen und die auf den Plattformen registriert sind. Auch Carmen Schulze hat schon Dinge versteckt.

Verschiedene Kategorien von traditionell bis Mystery

Vieles lerne man mit der Zeit: Eine Cache-Autobahn ist beispielsweise ein zertrampelter Pfad zum Versteck, den man möglichst danach bereinigen sollte. Das Logbuch befindet sich im Cachebehälter, darin trägt sich der Finder vor Ort ein. Der Begriff Buch ist aber übertrieben, denn häufig sind es nur aufgerollte Papierstreifen. Das oberste Gebot lautet: Diskretion. Denn man möchte dem Nachfolgenden nicht den Spaß verderben, indem man etwas vom Versteck verrät oder gar fotografiert.

Caches werden in verschiedene Kategorien eingestuft. Am häufigsten sind traditionelle. Sie bestehen aus nur einer Station. Bei Multis befinden sich an der ersten Station Hinweise auf eine oder mehrere weitere Stationen. Bei einem Rätsel- oder Mystery-Cache muss ein Rätsel gelöst werden, bevor der eigentliche Cache gefunden werden kann. Beliebt sind auch Nachtcaches, bei denen man mit Taschenlampen mit Reflektoren markierten Strecken folgt, und "Lost Places", die für verlassene Gebäude oder Orte stehen.

Es gibt also noch genug zu entdecken, auch für die beiden befreundeten Frauen: "Uns wird wahrscheinlich nie wieder langweilig", ist Carmen Schulze überzeugt.

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