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Flut: Wann ist das Seidewitztal sicher?

Seit zehn Jahren wird das Rückhaltebecken südlich von Pirna geplant. Nun ist eine Hürde genommen. Gebaut wird aber immer noch nicht.

So könnte der Staudamm mit dem Rückhaltebecken im Seidewitztal nahe Liebstadt aussehen. Im Vordergrund ist die Brücke der Autobahn 17 zu sehen. © Visualisierung: LTV
So könnte der Staudamm mit dem Rückhaltebecken im Seidewitztal nahe Liebstadt aussehen. Im Vordergrund ist die Brücke der Autobahn 17 zu sehen. © Visualisierung: LTV © LTV

Hochwasser hat zwei Dimensionen der Zeit. Die Stunden, in denen es alles zerstört, und die Jahre, die der Schutz vor weiteren Fluten braucht. Das Seidewitztal ist bis auf kleinere Maßnahmen seit zehn Jahren in dieser zweiten Dimension. 2011 begann das Planfeststellungsverfahren für den Bau eines Hochwasserrückhaltebeckens. Voriges Jahr ist eine Hürde auf dem Weg zur Realisierung gefallen. Warum trotzdem noch nicht gebaut wird, wie es weitergeht und was mit der Verlegung der Talstraße wird?

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Das sogenannte grüne Rückhaltebecken soll nur bei Hochwasser eingestaut werden. Bei einer Dammhöhe von etwa 30 Meter über der Talsohle und 155 Metern Länge könnte das Becken 2,854 Millionen Kubikmeter speichern. Damit können die Durchflüsse der Seidewitz und der Gottleuba unterhalb des Beckens ab einem Hochwasser, wie es statistisch einmal in zehn Jahren vorkommt, reduziert werden. Das würde die Hochwassergefahr für Pirna, Zuschendorf und Zehista wesentlich verringern. In diesen Orten kommt das Wasser im Ernstfall aus verschiedenen Richtungen, sodass jede Verringerung nutzt.

Wann wird gebaut?

Bislang wurden an der Seidewitz vor allem Schäden der vergangenen Hochwasser beseitigt. Rund um die Brücke Liebstädter Straße in Zuschendorf hat die Seidewitz zum Beispiel durch den Abriss von Gebäuden und einem Wehr sowie der Anpassung des Gewässerlaufes mehr Platz bekommen. Doch das reicht nicht.

Für das große Rückhaltebecken ist im September eine wichtige Hürde gefallen. Im seither geltenden Regionalplan Oberes Elbtal ist der geplante Standort des Beckens unweit von Liebstadt als Vorranggebiet für den Hochwasserschutz festgeschrieben. Das ist die gute Nachricht. Doch die inzwischen zehn Jahre alten Unterlagen sind nicht mehr aktuell und müssen überarbeitet werden. Die neuen Papiere werden voraussichtlich nicht vor Ende 2023 fertig. Für die Genehmigung rechnet die Landestalsperrenverwaltung (LTV) aus der Erfahrung vergleichbarer Vorhaben mit weiteren drei bis fünf Jahren.

Wird die Talstraße gekappt?

So lange wird es auch noch dauern, bis Klarheit zur Verlegung der Talstraße besteht. Die LTV hat beantragt, die S176 (Talstraße) zwischen den Kreuzungen mit den Kreisstraßen K8732/K8770 (aus Richtung Krebs und aus Burkhardswalde) zu entwidmen. Das bedeutet, dass sie nicht mehr als offizielle Straßen zur Verfügung stehen. Die parallelen Kreisstraßen sowie die A17 genügen aus Sicht der LTV. Diese Vorstellung hatte schon vor Jahren zu etlichen Diskussionen geführt. Ob es tatsächlich dazu kommt, dass die Talstraße gekappt wird, entscheidet die Landesdirektion.

Die A17 prägt das Seidewitztal. Sie soll auch reichen für den Verkehr, wenn die Talstraße gekappt wird.
Die A17 prägt das Seidewitztal. Sie soll auch reichen für den Verkehr, wenn die Talstraße gekappt wird. © Frank Baldauf

Da auch nach einer Genehmigung des Rückhaltebeckens in welcher Form auch immer, nicht sofort mit dem Bau begonnen wird, vergehen wahrscheinlich noch einmal an die zehn Jahre. Zehn Jahre, in denen es nicht nur statistisch gesehen, wieder zu folgenreichen Hochwassern kommen kann. Was passiert also kurzfristig?

Was passiert bis zum Bau des Beckens?

Seit 2015 läuft das wasserrechtliche Planfeststellungsverfahren für eine ähnliche Maßnahme wie an der Brücke für den Walter-Schmiedel-Weg links. "Bis zum Bau des Hochwasserrückhaltebeckens hoffen wir, diese Maßnahme umgesetzt zu haben", sagt LTV-Sprecherin Katrin Schöne. Weitere örtliche Maßnahmen sollen folgen, unter anderem an der Gottleuba im Bereich von der Elbmündung bis etwa in Höhe Seidewitz-Einmündung. Derzeit werden die Wasserspiegellagenmodelle und die Hochwassergefahren- sowie Hochwasserrisikokarten auch für die Gottleuba und Seidewitz aktualisiert. Diese Karten sollen 2022 vorliegen. Sie sind für die Kommunen eine wichtige Grundlage für den Hochwasserschutz und das Bauen.

Ziel des Rückhaltebeckens und der anderen örtlichen Maßnahmen ist, dass die bebauten Gebiete bei einem Hochwasser, wie es statistisch einmal in 50 Jahren vorkommt, nicht überschwemmt werden. "Das Becken hilft sogar, bei größeren Hochwassern die Gefahr wesentlich zu vermindern", sagt Katrin Schöne. Doch dafür muss es erst einmal gebaut werden.

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