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Sächsische Schweiz: Internationale Waldbrand-Spezialisten im Einsatz

Vor 20 Jahren wurde ein Verein gegründet, der weltweit Feuerwehren unterstützt. Auch in der Sächsischen Schweiz sind die Spezialisten im Einsatz - und stoßen auf drei Probleme.

Von Heike Sabel
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Mitglieder des Vereins @fire bekämpfen in besonders unwegsamen Gebieten den brennenden Wald der Sächsischen Schweiz.
Mitglieder des Vereins @fire bekämpfen in besonders unwegsamen Gebieten den brennenden Wald der Sächsischen Schweiz. © Verein

Jan Südmersen ist am Montag zum zweiten Mal auf dem Weg in die Sächsische Schweiz. Er ist der ehrenamtliche Vorsitzende des Vereins @fire. Vorige Woche war er von Montag bis Donnerstag schon mal im Brandgebiet, nun rechnet er bis Freitag damit. Im Schnitt sind immer 25 bis 30 Leute des Vereins im Einsatz. Und das dort, wo kaum andere hinkommen.

"Wir buddeln im heißen Dreck, um feuchten Dreck daraus zu machen", sagt Südmersen. Das ist einfach beschrieben, was im doppelten Sinne schwer ist. Die mobile Löschmannschaft läuft mit schwerem Gepäck auf dem Rücken zu den entlegensten Stellen, wohin keine Fahrzeuge kommen, um dort Glutnester zu finden und zu löschen. Dabei werden sie von den Hubschraubern unterstützt. Oft aber müssen sie sich allein und autark durchschlagen. "Das ist für Deutschland ungewöhnlich", sagt Südmersen. Er selbst bereitet sich auch darauf vor. "Nach einem Tag ist man da recht kaputt."


Herausforderungen und Bedingungen bei Katastrophen sind die Vereinsmitglieder, alles Feuerwehrleute, gewöhnt. Der Verein wurde vor 20 Jahren gegründet, um international helfen zu können. Das war damals noch nicht so geregelt. Dass es den Verein immer noch gibt, zeigt, dass er gebraucht wird. Der Verein arbeitet viel mit Feuerwehren im Ausland zusammen, absolviert dort Praktika und tauscht sich ständig mit Ländern wie Spanien und den USA aus, die auf dem Gebiet der Waldbrandbekämpfung zu den führenden Nationen gehören.

Selbst Löschroboter scheitern

So wie die @fire-Männer überall auf der Welt lernen, helfen sie weltweit bei Erdbeben und Waldbränden. Beim Erdbeben in Haiti zum Beispiel über zwei Wochen lang und im vergangenen Jahr bei den Waldbränden in Griechenland. Dieses Jahr sind es die Waldbrände in Deutschland, bei denen die Vereinsmitglieder gebraucht werden - nun auch in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz.

Die @fire-Männer in Aktion.
Die @fire-Männer in Aktion. © Mike Jäger

Hierher wurden sie wegen ihrer Lösch-Roboter angefordert. Doch selbst für die war das unwegsame Gelände nicht machbar, sagt Südmersen. "In der Sächsischen Schweiz kommen mehrere erschwerende Faktoren zusammen." Erstens die Dürre und Trockenheit, zweitens die Unwegsamkeit und drittens die durch das Totholz enormen Massen Brennmaterial, was die Wege noch unwegsamer macht.

Jan Südmersen ist der Vorsitzende des @fire-Vereins und diese Woche zum zweiten Mal selbst in den Waldbrand-Gebieten der Sächsischen Schweiz im Einsatz.
Jan Südmersen ist der Vorsitzende des @fire-Vereins und diese Woche zum zweiten Mal selbst in den Waldbrand-Gebieten der Sächsischen Schweiz im Einsatz. © Verein

Nachdem die Löschroboter nicht eingesetzt werden konnten, hat der Verein andere Hilfe angeboten, seine Löschmannschaft sowie das Unterstützen der Hubschrauber-Koordination. In ihren gelben Jacken sind die @fire-Kräfte gut von den anderen Helfern und Rettern zu unterscheiden und gleichzeitig Teil des großen Netzwerkes.

"Taktische Feuer" keine Option

"Taktische Feuer", auch Gegenfeuer genannt, sind aktuell für die Waldbrände in der Sächsischen und Böhmischen Schweiz nicht vorgesehen, weil sie sich hier nicht anbieten, sagt Südmersen. Bei solchen Feuern wird auf einer sogenannten Sicherungslinie dem Hauptfeuer ein gelegter Brand entgegengesetzt. Dahinter steckt das Prinzip, was schon verbrannt ist, kann nicht mehr brennen. Das Feuer bekommt keine Nahrung mehr und läuft ins Leere. Doch diese Taktik lässt sich hier nicht anwenden.

Südmersen steht erst einmal im Stau auf der Autobahn. Wertvolle Zeit. Aber nicht vertan. Er verfolgt die Nachrichten und Entwicklungen. Und sammelt Kraft. Sobald er angekommen ist, braucht er sie.