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So schlägt sich der Pionierpanzer im Waldbrandgebiet

Seit Dienstag schiebt ein Dachs in der Gohrischheide der Feuerwehr den Weg frei. Dabei geht es ziemlich laut zu.

Von Stefan Lehmann & Jörg Richter & Christoph Scharf
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Eine Gasse für die Feuerwehr: Pioniere vom Panzerpionierbatillon 701 aus Gera sind mit ihrem Panzer Dachs in der Gohrischheide zwischen Zeithain (Kreis Meißen) und Mühlberg (Brandenburg) im Einsatz.
Eine Gasse für die Feuerwehr: Pioniere vom Panzerpionierbatillon 701 aus Gera sind mit ihrem Panzer Dachs in der Gohrischheide zwischen Zeithain (Kreis Meißen) und Mühlberg (Brandenburg) im Einsatz. © Bundeswehr/Anne Weinrich

Zeithain. Seit fast einer Woche brennt es in der Gohrischheide. Und mit dem Waldbrand ist es aus mit der Ruhe im Naturschutzgebiet: Zum Motorenlärm der Tanklöschfahrzeuge und zum Dröhnen der Hubschrauber hat sich jetzt noch das Röhren eines Panzers gesellt: Die Bundeswehr schiebt mit einem mehr als 40 Tonnen schweren Pionierpanzer zugewachsene Wege frei.

Damit kommt die Feuerwehr jetzt deutlich besser an die Brandnester im Norden des einstigen Truppenübungsplatzes. Dort ist die Munitionsbelastung besonders hoch. Die noch von der Sowjetarmee genutzten Wege selbst gelten zwar als kampfmittel-frei - sind allerdings in den vergangenen knapp 30 Jahren zugewachsen.

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Dort sind seit dem Abzug der letzten Truppen halbhohe Nadelbäume gewachsen, die beim Waldbrand eine zusätzliche Gefahr bilden: Brennt auf einer Seite der Wald zunächst nur am Boden, können sich die Flammen an den jungen Bäumen nach oben ausbreiten - so dass aus einem halbwegs beherrschbaren Bodenfeuer auf der anderen Seite ein Vollbrand wird, der sich von Wipfel zu Wipfel ausbreitet und dabei auch Brandschneisen überspringen kann.

Genau solche Wege soll der Pionierpanzer seit Dienstag frei schieben, insgesamt zwölf Kilometer Strecke sind dafür vorgesehen.

Freudig erwartet: Zeithains Bürgermeister Mirko Pollmer (BIG) filmt die Ankunft des Pionierpanzers Dachs am Bundeswehrlager, das sich am Rand der Gohrischheide befindet.
Freudig erwartet: Zeithains Bürgermeister Mirko Pollmer (BIG) filmt die Ankunft des Pionierpanzers Dachs am Bundeswehrlager, das sich am Rand der Gohrischheide befindet. © Christoph Scharf
Abmarschbereit: Vor dem Einsatz prüft die Besatzung die Funktion der Technik. Räumschild und
Baggerarm machen den mehr als 800 PS starken Koloss zum Baufahrzeug.
Abmarschbereit: Vor dem Einsatz prüft die Besatzung die Funktion der Technik. Räumschild und Baggerarm machen den mehr als 800 PS starken Koloss zum Baufahrzeug. © Bundeswehr/Anne Weinrich
Blick nach von: Manche Wege im Naturschutzgebiet Gohrischheide hatte der Sachsenforst für die Feuerwehr freigehalten - aber nicht alle. Dort soll nun der Panzer helfen.
Blick nach von: Manche Wege im Naturschutzgebiet Gohrischheide hatte der Sachsenforst für die Feuerwehr freigehalten - aber nicht alle. Dort soll nun der Panzer helfen. © Bundeswehr/Anne Weinrich
Blick zurück: Die Heide mit ihrem Sandboden ist besonderer trocken - und damit anfällig für Waldbrände.
Blick zurück: Die Heide mit ihrem Sandboden ist besonderer trocken - und damit anfällig für Waldbrände. © Bundeswehr/Anne Weinrich
Bahn frei: Der Panzer kommt überall durch. Die Trasse dahinter sollte für geländegängige Feuerwehrfahrzeuge dann gut zu befahren sein.
Bahn frei: Der Panzer kommt überall durch. Die Trasse dahinter sollte für geländegängige Feuerwehrfahrzeuge dann gut zu befahren sein. © Bundeswehr/Anne Weinrich

Zuletzt hatte etwas Regen die Situation in der Gohrischheide entspannt. "Die Lage sieht momentan ganz gut aus", sagt Stefan Müller, zuständiger Revierförster, am Mittwochnachmittag. Der Mann vom Staatsbetrieb Sachsenforst ist als Einsatzabschnittsleiter für die sogenannte Sonderlöschtechnik zuständig - dazu zählt neben dem Pionierpanzer Dachs auch ein gepanzerter Forwarder, eine spezielle Forstmaschine. Sie ist mit einem Wassertank samt fernbedienbarem Wasserwerfer ausgerüstet. Wo die Geräte eingesetzt werden, entscheidet der Förster in Absprache mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr.

"Noch immer sind in der Heide Glutnester zu sehen, hin und wieder auch offene Flammen", sagt Stefan Müller. Regnet es auch in den nächsten Tagen noch, dürfte sich die Situation weiter entschärfen.

Wegen des Sandbodens und des Bewuchses aus Ginster, Heidekraut und Nadelwald gilt die Heide als besonders Waldbrand-gefährdet. Das wird sich auch künftig nicht ändern. Was lässt sich dagegen tun? "Ob man künftig mehr Wege für die Feuerwehr freihält, werden wir besprechen müssen", sagt Zeithains Bürgermeister Mirko Pollmer. Das sei aber immer eine Abwägung zwischen dem Schutz nahezu unberührter Natur und dem Brandschutz.

So oder so: Das knapp 3.000 Hektar große Areal sei viel zu groß, um alle Bereiche des für die Öffentlichkeit gesperrten Areals gut befahrbar zu halten. Dieses Mal hilft der Pionierpanzer Dachs, um der Feuerwehr den Weg freizumachen. Er war im Wege der Amtshilfe vom Landkreis Meißen bei der Bundeswehr angefordert worden. Voraussichtlich wird er noch am Mittwoch seinen Einsatz beenden.

Dass Panzer der Bundeswehr bei Waldbränden eingesetzt werden, kommt relativ selten vor. Häufiger sei es, dass Transporthubschrauber angefordert werden, die Wasser abwerfen.

Technisch möglich ist viel - es stellt sich aber auch die Frage nach den Kosten: Da der Landkreis bislang keinen Katastrophenalarm ausgerufen hat, ist bislang die Gemeinde Zeithain für die Kosten der Waldbrand-Bekämpfung zuständig. Der Einsatz hat schon jetzt Kosten von einer halben Million Euro verursacht, sagt Zeithains Bürgermeister Mirko Pollmer. "Wenn wir allein auf den Kosten sitzenbleiben, ist die Gemeinde faktisch pleite", sagt der 44-Jährige. Er hofft auf Hilfe vom Land oder vom Bund.

Der Waldbrand in der Gohrischheide macht den Einsatzkräften der sächsischen und brandenburgischen Feuerwehren schon seit vergangenem Donnerstag zu schaffen. Wind und anhaltende Trockenheit erschweren die Löscharbeiten. Der Regen in der Nacht zu Dienstag brachte nur kurz Entspannung.

Am Montagnachmittag musste die Einsatzleitung ihren bis dahin sicheren Standort aufgeben. Dieser befand sich im Wald bei Nieska. Weil die Flammen immer näher kommen, zog sich die Einsatzleitung mit ihrem neuen Kommando-Lkw nach Lichtensee zurück.

Nach Informationen einer Feuerwehrsprecherin sei der kleine Ort Heidehäuser, der sich am Waldrand befindet, aber zurzeit nicht gefährdet. Zudem unterstützt ein Hubschrauber der Bundespolizei die Löscharbeiten. Ein zweiter sei angefordert. Möglicherweise komme sogar ein dritter Helikopter den Kameraden am Boden zu Hilfe.

Momentan rechnet die sächsische Einsatzleitung damit, dass die Löscharbeiten noch mindestens bis Freitag andauern werden - wenn es bis dahin regnet.

Die Brandursache wird nach Angaben des Brandenburger Waldbrandschutzbeauftragten Raimund Engel auf sächsischer Seite vermutet, wo sich ein Truppenübungsplatz befand. Im Boden verborgene Munition könnte in Brand geraten sein.

Der Großbrand war am Donnerstag in der Gohrischheide in Sachsen
ausgebrochen und hatte sich am Freitag in Richtung des brandenburgischen Mühlberg (Elbe-Elster) ausgeweitet. Am Sonntag waren auf sächsischem Gebiet noch 154 Feuerwehrleute im Einsatz, in Brandenburg 162, hieß es.

Nach Angaben des Waldbrandschutzbeauftragten wurden in
Brandenburg in diesem Jahr bereits 265 Brände auf rund 678 Hektar
Wald registriert. 2018 waren es 512 Feuer auf etwa 1.674 Hektar.

Derweil mussten die Feuerwehren im Landkreis Meißen auch an anderer Stelle löschen: Am Montagnachmittag gab es Einsätze auch in Frauenhain und auf einem Feld bei Zeithain.

So haben wir bisher berichtet:

Auch am vierten Tag des Waldbrands an der sächsisch-brandenburgischen Grenze sind große Rauchwolken über der Gohrischheide zu sehen. "Wir haben aktuell zwei größere Brandstellen", sagt Matthias Heydel, Einsatzleiter der sächsischen Feuerwehrkräfte. Am Sonntagmittag, bei Temperaturen von knapp über 30 Grad, sind allein auf sächsischer Seite 124 Kameraden im Einsatz. Hinzu kommen die Wehren aus Brandenburg, die ebenfalls den Waldbrand in dem einst militärisch genutzten Naturschutzgebiet bekämpfen.

In der Region zwischen Zeithain, Gröditz und Mühlberg sind ständig Hubschrauber zu hören. "Die Landespolizei liefert uns Videoaufnahmen aus der Luft", sagt Matthias Heydel. Zeitweise fliegt auch ein Mitglied der Feuerwehr mit, um die Brandbekämpfung in dem unwegsamen Gelände von oben zu koordinieren.

Die Polizei hat die S 89 zwischen Lichtensee und Nieska für den Verkehr gesperrt. Das galt auch am Sonntag noch.
Die Polizei hat die S 89 zwischen Lichtensee und Nieska für den Verkehr gesperrt. Das galt auch am Sonntag noch. © dpa
So stellte sich der Waldbrand den anrückenden Feuerwehrkräften dar.
So stellte sich der Waldbrand den anrückenden Feuerwehrkräften dar. © Feuerwehr Zeithain
Ein Bereitstellungsraum für Feuerwehren, THW und Johanniter wurde auf der Staatsstraße bei Nieska gebildet.
Ein Bereitstellungsraum für Feuerwehren, THW und Johanniter wurde auf der Staatsstraße bei Nieska gebildet. © dpa

Da die Munitionsbelastung in der Gohrischheide sehr hoch ist, müssen die Einsatzkräfte vielerorts Abstand von den Flammen halten. Gerade wurde neuer Alarm ausgelöst: Die Feuerwehren aus Röderau und Neudorf rücken an. Sie sollen eine Riegelstellung mit sogenannten Kreisregnern aufbauen - Spezialtechnik für Waldbrände, die der Feuerwehr erst vor wenigen Monaten vom Staatsbetrieb Sachsenforst zur Verfügung gestellt worden war.

450 Hektar Wald und Heide sind bereits abgebrannt, sagt Einsatzleiter Heydel am Sonntagmittag. 500 Hektar werden es sicherlich noch werden. Zum Vergleich: Bei Beelitz und Treuenbrietzen in Brandenburg waren zuletzt jeweils rund 200 Hektar betroffen.

In der Gohrischheide geht man davon aus, dass der Waldbrand-Einsatz noch bis Donnerstag dauert - das wäre dann exakt eine Woche nach dem Brandausbruch am 23. Juni. Da waren die Feuerwehren am Nachmittag fast zeitgleich zu verschiedenen Brandherden alarmiert worden. Die Polizei ermittelt zur Brandursache, eine spontane Selbstentzündung an verschiedenen Stellen klingt allerdings extrem unwahrscheinlich.

Seit Donnerstag sind auf beiden Seiten der Landesgrenze Hunderte Feuerwehrleute im Einsatz. In der Spitze waren es allein auf sächsischer Seite 200 Einsatzkräfte gleichzeitig. Nun wird regelmäßig durchgetauscht, um die Kameraden nicht zu stark zu verschleißen.

Deshalb kommen mittlerweile aus allen Teilen des Landkreises Meißen Feuerwehren in den Waldbrand-Einsatz: Aus Lommatzsch genauso wie aus Radebeul, aus Riesa wie aus Schönfeld. Am Rand der Heide bei Nieska befindet sich die Einsatzleitung der sächsischen Feuerwehrkräfte. Dort sammeln sich auch die nachrückenden Kräfte. Die Staatsstraße S 89 zwischen Lichtensee und Nieska bleibt deshalb weiter für den Verkehr gesperrt.

Matthias Heydel ist auf sächsicher Seite Einsatzleiter beim Brand in der Gohrischheide. Er ist Gemeindewehrleiter in Zeithain.
Matthias Heydel ist auf sächsicher Seite Einsatzleiter beim Brand in der Gohrischheide. Er ist Gemeindewehrleiter in Zeithain. © Sebastian Schultz
So sah der Waldbrand an der Landesgrenze am Freitag aus. Auch am Sonntag waren schon von weitem Rauchwolken über der Heide zu sehen.
So sah der Waldbrand an der Landesgrenze am Freitag aus. Auch am Sonntag waren schon von weitem Rauchwolken über der Heide zu sehen. © Robert Michael/dpa
Ein Eindruck vom Rand der Heide zwischen Nieska (Sachsen) und Kosilenzien (Brandenburg).
Ein Eindruck vom Rand der Heide zwischen Nieska (Sachsen) und Kosilenzien (Brandenburg). © dpa

Eine ähnliche Einsatzleitung gibt es auch auf brandenburgischer Seite. Die Zusammenarbeit laufe sehr gut, sagt Matthias Heydel, Gemeindewehrleiter in Zeithain. Auf seine Gemeinde kommen jetzt schwere Tage zu: Die Einsatzkosten haben längst eine sechsstellige Höhe erreicht - und klettern weiter. Das dürfte den Haushalt der 5.500-Einwohner-Gemeinde sprengen. Es laufen bereits Gespräche mit Ministerien, um eine Unterstützung vom Freistaat zu erreichen, heißt es. Der größte Teil des einstigen Truppenübungsplatzes gehört ohnehin dem Freistaat, ein weiteres großes Stück dem Bund.

Auch auf der Brandenburger Seite ist die Feuerwehr weiter im Großeinsatz. Dabei gehe es nach wie vor insbesondere um die Bekämpfung der zahlreichen Glutnester im Brandgebiet bei Mühlberg im Kreis Elbe-Elster, sagte der Sprecher der Einsatzleitung, Clemens Fischer, am Sonntag. "Überall flackern immer wieder Flammen an diesen Gefahrenstellen auf", berichtete er. Der erwartete Regen sei im Brandgebiet leider ausgeblieben.

Spezialtrupps seien mit Hacken und Löschspritzen unterwegs, um die tiefsitzenden Glutnester mit Temperaturen von 500 Grad und mehr abzulöschen, berichtete Fischer. Darunter seien auch 30 Mitglieder der Katastrophenschutzeinheit @fire, berichtete die Hilfsorganisation. Insgesamt seien im Brandgebiet knapp 300 Kräfte in Schichten im Einsatz, sagte Fischer.

In der Nacht zu Sonntag habe erneut ein Hubschrauber mit einer Wärmebildkamera die Suche nach den Glutnestern unterstützt, berichtete der Sprecher. Dieser könne aber nicht über munitionsbelastetem Gebiet fliegen, weil Granatsplitter nach einer Explosion bis zu 1.000 Meter in die Luft geschleudert werden könnten.

Nach Angaben von Fischer wurde zur Bekämpfung des Waldbrands inzwischen ein gemeinsamer Führungsstab mit den sächsischen Kollegen im Ortsteil Neuburxdorf der Stadt Bad Liebenwerda gebildet.

Regen bringt nur wenig Erleichterung

Für Ortschaften und Menschen auf sächsischer Seite besteht nach Einschätzung der Feuerwehr keine Gefahr mehr. Vollständig gelöscht war das Feuer allerdings am Samstag noch nicht, wie Einsatzleiter Matthias Heydel von der Feuerwehr Zeithain sagte.

"Wir haben im Kernbereich in der Gohrischheide noch einen Brand, der sich gemächlich ausbreitet", berichtete Heydel. Dort kämen die Einsatzkräfte allerdings überhaupt nicht heran. Der Brandort liege mitten im Naturschutzgebiet, sei zugewachsen und auf Wegen nicht zu erreichen.

Das Feuer werde per Drohne überwacht und solle an einer Brandschneise von den Löschkräften empfangen werden. Bei günstigen Windverhältnissen bestehe zudem die Chance, dass sich dieses Feuer einfach totlaufe.

Die Niederschläge in der Nacht zum Samstag hätten nur wenig Erleichterung gebracht, meinte Engel. Vielmehr sei das Feuer insbesondere auf den Ackerflächen einfach ausgebrannt, als es keine neue Nahrung mehr hatte.

"Entlang der Äcker wurde ein 50 Meter breiter Schutzstreifen umgepflügt, um ein Übergreifen von Flammen zu verhindern", berichtete Engel. Zudem würden nun am Rand des Brandgebiets Beregnungsanlagen aufgestellt. Dafür werde aus einem Teich im Ortsteil Altenau der Stadt Mühlberg eine drei Kilometer lange Wasserleitung verlegt.

Der Großbrand war am Donnerstag auf dem Gebiet der Gohrischer Heide in Sachsen ausgebrochen und hatte sich am Freitag in Richtung des brandenburgischen Mühlberg (Elbe-Elster) ausgeweitet. Mehr als 800 Hektar standen zeitweise in Flammen. Eine zwischenzeitliche Evakuierung der Ortslagen Kröbeln und Kosilenzien der Stadt Bad Liebenwerda wurde am Freitagabend ab 21 Uhr wieder aufgehoben.

Entspannung auf sächsischem Gebiet

Auf sächsischer Seite, im Norden des Landkreises Meißen, hatte sich die Situation bereits etwas früher entspannt. Es gebe keine großflächigen Flammen mehr und das Feuer sei vorerst unter Kontrolle, sagte Einsatzleiter Matthias Heydel von der Feuerwehr Zeithain. "Das Gröbste ist erst einmal erledigt."

Einsatzleiter Matthias Heydel erläutert einem Reporter die Lage.
Einsatzleiter Matthias Heydel erläutert einem Reporter die Lage. © Feuerwehr Zeithain

Massive Munitionsbelastung im sächsischen Wald

Am Freitagmittag hatte sich das Feuer weiter ausgebreitet - über die Gleise der Zugstrecke Röderau-Falkenberg in einen Wirtschaftswald. Man werde Teile des Gebiets aufgeben müssen, hieß es von der Feuerwehr. Hunderte Hektar Wald würden brennen, teilte Elbe-Elster-Kreisbrandmeister Steffen Ludewig der Lausitzer Rundschau mit. Feuerwehrleute berichten, aus dem brennenden Wald seien Explosionen zu hören.

Hunderte Hektar Wald sind bereits verbrannt.
Hunderte Hektar Wald sind bereits verbrannt. © Sebastian Schultz

Die Ursache des Feuers ist bislang unklar. Laut Matthias Heydel könne es vorkommen, dass sich Munition bei starker Sonneneinstrahlung entzünde. Allerdings hatte es am Donnerstagnachmittag ersten Informationen zufolge an zwei Stellen zu brennen angefangen.

Drohnen spielten bisher eine wichtige Rolle, um einen Überblick über die Lage in der Heide zu gewinnen.
Drohnen spielten bisher eine wichtige Rolle, um einen Überblick über die Lage in der Heide zu gewinnen. © Sebastian Schultz

Unter Federführung der Zeithainer Feuerwehr wurden schon am Donnerstag Schaumteppiche gelegt, sodass abends auch die zwischenzeitlich gesperrte Bahnstrecke Röderau-Falkenberg wieder freigegeben werden konnte. Brandenburger Feuerwehren verhinderten eine weitere Brandausbreitung Richtung Westen, in dem sie eine sogenannte Riegelstellung nahe der Bahnlinie bei Altenau aufbauten.

Kampf gegen Waldbrand ist logistische Herausforderung

Als unverzichtbar für die Feuerwehrarbeit erweist sich unterdessen der Einsatz von Aufklärungsdrohnen: Drei Trupps aus Sachsen und Brandenburg sind abwechselnd vor Ort im Einsatz, um die Ausbreitung der Flammen aus der Luft zu beobachten. Mithilfe von Wärmebildkameras gelingt das auch nachts.

Die Nacht zum Freitag über hielten allein auf sächsischer Seite 50 Kameraden die Stellung. Die Brandenburger Kameraden waren am Donnerstag in Spitzenzeiten mit 120 Feuerwehrleuten und 21 Fahrzeugen vor Ort.

Löschfahrzeuge sind im Pendelverkehr unterwegs, um Wasser aus einem Kiessee in das Sperrgebiet zu bringen.
Löschfahrzeuge sind im Pendelverkehr unterwegs, um Wasser aus einem Kiessee in das Sperrgebiet zu bringen. © Christoph Scharf

Die Zahl der Kräfte in der Nacht konnte auf drei Tanklöschfahrzeuge reduziert werden. Da sei klar geworden, dass die "sächsischen Kameraden hervorragende Arbeit leisten", so Liebenwerdas Verbandsgemeindewehrführer Matthias Bauer.

Der Kampf gegen den Waldbrand ist auch eine logistische Herausforderung: Etliche Kameraden sind am Donnerstagnachmittag direkt vom Arbeitsplatz aus in einen stundenlangen Einsatz gegangen.

Auf sächsischer Seite wurde auch eine Versorgung durch die Katastrophenschutz-Einheit der Johanniter in Glaubitz organisiert: Sie brachten in der Nacht heiße Würste, Brötchen und Mineralwasser für 100 Einsatzkräfte in die Gohrischheide und stellten am Freitagmorgen zusätzlich eine Kaffee- und Frühstücksversorgung sicher.

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Sorge bereitete dem Waldbrandschutzexperten die erwarteten hohen Temperaturen am Sonntag über 30 Grad. "Dann können Feuer jederzeit wieder aufflammen", meinte Raimund Engel. Derzeit ist die Waldbrandlage wegen der hohen Luftfeuchtigkeit in allen 14 Landkreisen vergleichsweise gering. Bereits am Montag erwartet Engel aber landesweit wieder die zweithöchste Warnstufe 4. (mit Frank Claus/LR, SZ/mja und dpa)

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