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Vergewaltigungen widerwillig gestanden

Drogen, Alkohol, eine junge Beziehung – und dann die Katastrophe. Ein 24-Jähriger soll sich an seiner schwangeren Freundin mehrfach vergangen haben.

Einem 24-jährigen Mann drohen einige Jahre in Haft. Er soll seine schwangere Freundin mehrfach vergewaltigt haben.
Einem 24-jährigen Mann drohen einige Jahre in Haft. Er soll seine schwangere Freundin mehrfach vergewaltigt haben. ©  Symbolfoto: Rene Meinig

Dresden. Es scheint, als will sich der Angeklagte den Vorwürfen stellen. Doch schon mit seinen Angaben zu seinen persönlichen Verhältnissen strapaziert der junge Mann am Vormittag die Geduld des Gerichts. Der Mann erzählt Dinge, die nicht stimmen können. Das Gericht hört aufmerksam zu, erst die Staatsanwältin wird den Angeklagten später zum Schwitzen bringen. Doch der Reihe nach.

Sami M., ein 24-jähriger Syrer, muss sich seit Dienstag unter anderen wegen schwerer Vergewaltigung vor dem Landgericht Dresden verantworten. Im Januar und im Februar dieses Jahres soll er sich an seiner schwangeren Freundin vergangen haben. Vor allem die zweite Tat ist massiv. Der 24-Jährige soll seine Freundin in ihrer Wohnung erheblich gewürgt haben, ehe er ihr die Kleider vom Leib gerissen und sie mehrfach vergewaltigt haben soll. Er habe ihr gedroht, es seien ihre „letzten Atemzüge“. Darüber hinaus habe der Mann drei Handyvideos seiner Tat aufgenommen.

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Gegen 3 Uhr morgens an jenem 20. Februar habe die Frau unter einem Vorwand aus ihrer Wohnung flüchten können, nackt. Sie habe in der Stauffenbergallee ein Auto angehalten und sei in den Wagen gestiegen – unterdessen habe sie der Angeklagte eingeholt, sei auf die Motorhaube gesprungen.

Laut Anklage habe die Frau Todesängste ausgestanden und zahlreiche Einblutungen etwa in den Augen erlitten, Anzeichen für Stauungssyndrom und Atemnot. Bereits Anfang Januar soll M. seine Freundin schon einmal vergewaltigt und sie Anfang Februar bei einer Auseinandersetzung geschlagen haben.

Abitur mit zwölf?

Sami M. sitzt seit Februar in Haft. Ihm drohen einige Jahre Gefängnis. Offenbar hatte sich der Angeklagte bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Denn seine Ausführungen bringen den Sitzungstag gehörig durcheinander. Die Geschädigte, seit August junge Mutter, muss mehrere Stunden vor dem Saal auf ihre Vernehmung warten.

M. berichtet, er sei 2015 geflüchtet. Er sei 1997 in Damaskus geboren und habe 2009 das Abitur gemacht. Das kann man drehen und wenden, wie man will, es passt nicht. M. klärt diese und andere Widersprüche jedoch nicht auf. Er erzählt, dass er viel Alkohol getrunken und dazu Drogen konsumiert habe. Kokain zum Whisky, Ecstasy zum Wodka.

Mit seiner Freundin sei er seit August 2020 zusammen gewesen – „ich war glücklich“. Ihre Stimmung sei schwankend gewesen. Das soll sich mit ihrer Schwangerschaft im Herbst verschärft haben. Sie habe sich von ihm getrennt, dann habe sie ihn wieder haben wollen. M. gibt die Vorwürfe zu. Die Anklage stimme im Wesentlichen, auch wenn die Taten übertrieben dargestellt seien, sagt er.

Die Staatsanwältin sieht das anders. Ihre Fragen sind hart. Ob er seine Freundin habe töten wollen, damit kein anderer sie haben könne, fragt sie ihn etwa. Auch die Videos enthielten übelste Herabwürdigungen, ob er das erklären könne? Kann er nicht. Der Prozess wird fortgesetzt.

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