Dresden
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Handys im Sandkasten erhärten Verdacht gegen Betrüger

Rund 200.000 Euro Schaden wirft die Dresdner Staatsanwaltschaft einem Mann aus Bremen vor. Als er Beweismittel verschwinden lassen will, vereiteln das Kinder.

Von Alexander Schneider
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Eine Betrügerbande soll mit fremden Personalien Dutzende Konten eröffnet haben, um Geld aus anderen Betrügereien weiterzuleiten. Erhebliche Beträge wurden auch an Automaten abgehoben. Ein 40-Jähriger aus Bremen steht nun in Dresden vor Gericht.
Eine Betrügerbande soll mit fremden Personalien Dutzende Konten eröffnet haben, um Geld aus anderen Betrügereien weiterzuleiten. Erhebliche Beträge wurden auch an Automaten abgehoben. Ein 40-Jähriger aus Bremen steht nun in Dresden vor Gericht. © Symbolfoto: Daniel Schäfer/dpa

Dresden. Am 18. Mai dieses Jahres kommt es zu einem denkwürdigen Polizeieinsatz der Dresdner Kripo in der Hansestadt Bremen. Dort wird ein mutmaßlicher Betrüger nach einer Wohnungsdurchsuchung festgenommen. Die Beamten müssen mehrfach mit ihrer Ramme gegen die Wohnungstür schlagen, um sie aufzubrechen. Die Stahltür war dreifach verriegelt. Zuvor wirft der Mann offenbar noch seine beiden Handys aus dem Fenster.

Als die Beamten nachmittags wieder vor dem Haus stehen, um einen Brief einzuwerfen, werden sie von einer Nachbarin angesprochen. Ihre Kinder hätten zwei Apple-Handys im Sandkasten gefunden. Auf den Smartphones strahlt den Polizisten das Gesicht des Verdächtigen entgegen, der am Morgen behauptet hatte, er könne sich kein Handy leisten. Die teuren iPhones entpuppen sich als Goldgrube. Hunderte Chats, Fotos, Filme erhärten den Verdacht, wie der angeblich arbeitslose Mann sein Geld verdient – und ausgibt.

33-Jährige verliert 20.000 Euro

Seit Donnerstag nun steht der 40-jährige Kenianer Selassie K. wegen Betruges und Computerbetruges in jeweils rund 30 Fällen vor dem Amtsgericht Dresden. Er soll gemeinsam mit seiner Ehefrau Agnes J. Teil einer Bande sein, die gezielt mit Aliasnamen und fremden Personalien bei zahlreichen Banken zig Konten eröffneten, die dann für noch mehr Betrügereien eingesetzt worden sein sollen: Ergaunerte Summen von Inhabern ausgespähter Online-Bankkonten, von Menschen, die über Ebay-Kleinanzeigen Waren gekauft hatten, die sie nie erhielten – und der Hansestadt Bremen. Die zahlte einer nicht existenten Unternehmung namens "Greenbuilding e. V." zwei Rechnungen für nicht erbrachte Leistungen über 32.500 und 37.000 Euro. Ungeprüft.

Den Stein ins Rollen brachte eine 33-jährige Pflegebedienstete aus Dresden, die von der Bande im Juni 2021 um 20.000 Euro erleichtert worden sein soll. Ein Täter hatte sich ihr gegenüber als Bankangestellter ausgegeben.

Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Ihm droht noch eine weitere Anklage mit weit mehr Tatvorwürfen. Sein Verteidiger Stefan Hoffmann kritisierte, er habe keine vollständige Akteneinsicht erhalten. Der Prozess wird fortgesetzt.