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Neues aus der DDR

Dresdens Philharmonie bringt eine Sinfonie nach 50 Jahren zur Uraufführung.

Frauke Roth ist Intendantin der Dresdner Philharmonie und sagt: Wir haben die Verpflichtung, Ost-Künstler, die mit der Wende durchs Raster gefallen sind, zu präsentieren.
Frauke Roth ist Intendantin der Dresdner Philharmonie und sagt: Wir haben die Verpflichtung, Ost-Künstler, die mit der Wende durchs Raster gefallen sind, zu präsentieren. © PR

Uraufführungen gelten als Besonderheit. Was freilich Dresdens Philharmonie an diesem Sonntag präsentiert, ist eine Sensation. Mehr als 50 Jahre nach ihrer Entstehung erklingt erstmals die 2. Sinfonie „In memoriam Martin Luther King“ vom Oberlausitzer Christfried Schmidt. Dieses Werk für Orchester, Bass- und Altsolo war 1968 entstanden, aber wegen ihres expressiven, eigensinnigen Kompositionsstils nicht gespielt worden.

Die Uraufführung dürfte der Höhepunkt der dritten Ost-West-Thementage der Philharmonie sein, die am 2. und 3. Oktober einlädt, vergessene Komponisten, vergrabene Filme und verkannte Texte aus Ost- und Westdeutschland zu entdecken. Gegenübergestellt wird die Sinfonie des in der DDR verkannten Schmidt der „Ekklesiastischen Aktion“ vom westdeutschen Kollegen Bernd Alois Zimmermann aus dem Jahr 1970.

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Wie kommt es zu diesem Engagement über 30 Jahre nach der Wende? Späte Erkenntnis? „Wir haben erkannt, dass wir wie viele Ost-Institute Lücken in der Präsentation von Künstlern aus dem Osten haben“, sagt Philharmonie-Intendantin Frauke Roth. Von Künstlern, die auf Augenhöhe mit Westkollegen eine professionelle Betrachtung verdienten, weil sie Qualität böten. „Wer, wenn nicht wir als ansässiges Orchester und nicht etwa der WDR, hat die Verpflichtung, jene Meister zu pflegen, die mit der Wende durchs Raster gefallen sind?“ Natürlich könnten diese Wiederentdeckungen nur Streiflichter sein, aber jährlich um den 3. Oktober plane die Philharmonie solche Angebote, „die speziell so nur von uns zu leisten sind“.

Ein weiterer Schwerpunkt der diesjährigen Thementage ist das Verhältnis von avancierter Musik und Film. „Musik für Film und Theater zu schreiben, war für viele Komponisten der DDR selbstverständlich. Im Zusammenwirken von ambitionierten Musikern und Filmemachern sind dadurch cineastische Kostbarkeiten entstanden.“ Gezeigt wird eine Reihe von kurzen Trickfilmen von Kurt Weiler und Lutz Dammbeck mit der Musik etwa von Friedrich Goldmann und Gerhard Rosenfeld.

Der Leipziger Komponist und Pianist Steffen Schleiermacher wiederum widmet sich mit dem Schauspieler Erik Brünner Klaviermusik und Literatur – aus Ost- und Westdeutschland der Jahre 1953 bis 1990. „Die Kraft dieser Werke ist ungebrochen. Ihre Bewertung ist mit dem Abstand auf neue Weise möglich.“

Damit möglichst viele kommen, sind die Karten – 5 Euro für die Filme, 15 Euro für Kammerkonzerte und ab 18 Euro für das Orchesterkonzert – ungemein preiswert. Informationen zu den Corona-Schutzmaßnahmen bietet die Homepage.

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