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Ein Dresdner befeuert Bregenzer „Rigoletto“

Am Bodensee spektakelt es – ein Narr geht baden. Und ein in Dresden geschasster Fachmann macht erstaunliche Karriere.

Bei den Festspielen in Bregenz gibt’s einen Rigoletto-Sänger und ein übergroßes Konterfei, das Rigolettos Emotionen verdeutlicht.
Bei den Festspielen in Bregenz gibt’s einen Rigoletto-Sänger und ein übergroßes Konterfei, das Rigolettos Emotionen verdeutlicht. © APA

Es gibt Inszenierungen, die plätten selbst erfahrene Theatergänger. So eine ist die aktuelle der Verdi-Oper „Rigoletto“ auf der Seebühne in Bregenz. Zwei Stunden sich dramatisch steigerndes Musiktheater in ungemein schlüssigen und poetischen Bildern mit immer neuen Pointen – kein Wunder bei Philipp Stölzl. Der Regisseur und Bühnenbildner, der in Dresden einprägsam „Cavalleria“ herausgebracht hat und atemberaubende Szenen in Filmen wie „Nordwand“ und „Medicus“ schuf, ist am Werk. Sein Clou: Ein 35 Tonnen schwerer, extrem beweglicher Kopf des Hofnarren schwebt über dem Geschehen, ist Spielfläche in großer Höhe und im Wasser des Bodensees. Dabei ist er so facettenreich gestaltet, dass er alle Emotionen der Rigoletto-Figur wie Neugier, Angst und Hass transportieren kann. Noch bis 22. August läuft die aufwendigste Inszenierung in der 75-jährigen Geschichte dieser Festspiele.

Seit 1946 gestalten die Wiener Symphoniker als „Orchestra in Residence“ die Festspiele. Ihr Auftrag damals: Die Österreicher in Vorarlberg mit Kultur entnazifizieren.

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Als in Dresden noch alles bestens war: Orchesterdirektor Jan Nast (l.) mit Staatskapellen-Chefdirigent Christian Thielemann (M.) und Dramaturg Tobias Niederschlag.
Als in Dresden noch alles bestens war: Orchesterdirektor Jan Nast (l.) mit Staatskapellen-Chefdirigent Christian Thielemann (M.) und Dramaturg Tobias Niederschlag. © Matthias Creutziger

Die Wiener musizieren bis heute mehrere Opern und geben Konzerte. Trotz der pandemiebedingten Rückschläge und Beschränkungen ist die Stimmung bei dem – im Gegensatz zu den abgehobenen Philharmonikern – recht volksnahen Orchester wie Insider sagen „gut und konstruktiv“. Das liegt auch am neuen Intendanten, der seit Oktober 2019 „das erste Orchester der Stadt Wien“ führt: Jan Nast. Den kennt man in Dresden. Er war 22 Jahre ein umtriebiger Orchesterdirektor der Sächsischen Staatskapelle, wurde aber wegen mancher Querschläge geschasst. In Wien setzte er sich bei der Bewerbung gegen 55 Mitbewerber durch.

Bei den Wienern fühlt er sich wohl. Da diese ein eigenständiges Orchester sind, kann er hier Dinge anbieten und umsetzen, was bei der Staatskapelle als der Oper untergeordnetem Ensemble nicht oder nur nach großen Kämpfen möglich war. Musikvermittlung war schon immer wichtig bei den Symphonikern, Nast regt Neues an, holt Spitzenkünstler dank seiner Kontakte, was Musiker wie Publikum begeistert aufgreifen. Neben dem Musikverein und dem Konzerthaus werden das Museumsquartier, der Heldenplatz und gar eine Volkshochschule bespielt, erstmals auch der Prater – bevor 2022 Puccinis berührende „Madame Butterfly“ in Bregenz zu Tränen rühren dürfte.

TV-Tipp: „Rigoletto“, 16. August, 22.30 Uhr, ORF 2

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