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Feuilleton

Ein "Sachse" geht ins Oscar-Rennen

Die MDR-Produktion „Kollektiv“ hat gute Chancen auf zwei der höchsten Filmpreise der Welt. Überhaupt wird der Oscar endlich vielfältiger.

Gary Oldman als Herman Mankiewicz in einer Szene aus "Mank". Die Filmbiografie geht bei den Oscars in der Top-Kategorie für den besten Film ins Rennen.
Gary Oldman als Herman Mankiewicz in einer Szene aus "Mank". Die Filmbiografie geht bei den Oscars in der Top-Kategorie für den besten Film ins Rennen. © Nikolai Loveikis/Netflix/AP/dpa

Bukarest, Oktober 2015: Im populären Club „Colectiv“ bricht ein Feuer aus. 27 Gäste kommen ums Leben, 180 werden verletzt. Doch dabei bleibt es nicht. Noch tagelang sterben weitere Menschen in den Krankenhäusern, obwohl ihre Verletzungen gar nicht lebensbedrohlich waren. Erst ein Sportzeitung deckt einen ungeheuren Skandale auf, der schließlich die komplette rumänische Regierung zu Fall bringt. Davon erzählt der Dokumentarfilm „Kollektiv – Korruption tötet“ von Alexander Nanau, entstanden in Zusammenarbeit und mit Beteiligung des Mitteldeutschen Rundfunks. Entsprechend groß ist die Freude in Leipzig, seit bekannt wurde: „Kollektiv“ geht ins Rennen um den wichtigsten Filmpreis der Welt, er ist sogar in zwei Kategorien für Oscars nominiert, nämlich als „Bester Dokumentarfilm“ und „Bester fremdsprachiger Film“. Das gab der MDR am Dienstag bekannt.

Karola Wille, ARD-Filmchefin und Intendantin des MDR, freut sich „riesig“. „Das ist für die Macherinnen und Macher wie für den MDR und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt eine wirklich herausragende Anerkennung“, sagte sie. De Film „Kollektiv“ stehe „für mutigen investigativen Journalismus, der Missstände aufdeckt und schonungslos öffentlich macht. Das Beispiel zeigt eindrücklich, wie wichtig freie Medien für demokratische Gesellschaften sind.“Zwei weitere Kandidaten für den „Besten fremdsprachigen Film sind deutsche Koproduktionen: „Quo Vadis, Aida?“ geht für Bosnien-Herzegowina ins Rennen, „The Man Who Sold His Skin“ für Tunesien.

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Überhaupt setzen die Oscars in diesem Jahr auf spürbar mehr Vielfältigkeit. So sind für die 93. Verleihung zum ersten Mal in der Oscar-Geschichte zwei Frauen als beste Regisseurinnen nominiert, wie die Akademie am Montag in Los Angeles bekanntgab. Außerdem gehen in der Top-Kategorie als bester Film gleich mehrere Werke ins Rennen, die sich mit Einwanderung und dem Kampf von Minderheiten um mehr Gleichberechtigung beschäftigen. In den vergangenen Jahren waren die Oscars immer wieder für ihre mangelnde Vielfältigkeit kritisiert worden, die Organisatoren hatten Besserung versprochen. Hollywoods höchste Auszeichnungen sollen am 25. April verliehen werden.

Als Favorit gilt die Filmbiografie "Mank". Das Werk von Regisseur David Fincher erhielt zehn Nominierungen, unter anderem als bester Film sowie für die beste Regie und die beste Musik. Außerdem wurde Gary Oldman für seine Rolle darin als bester Hauptdarsteller nominiert, Amanda Seyfried als beste Nebendarstellerin. Dahinter reihen sich sechs Filme mit jeweils sechs Nominierungen: "The Father", "Minari - Wo wir Wurzeln schlagen", "Judas and the Black Messiah", "Sound of Metal", "The Trial of the Chicago 7" und "Nomadland".

In der Oscar-Geschichte gingen bis 2020 erst fünf Frauen für den Regiepreis ins Rennen. Bislang ist Kathryn Bigelow ("Tödliches Kommando - The Hurt Locker", 2010) die einzige Oscar-prämierte Regisseurin. Diesmal können sich neben Zhao und Fennell auch ihre männlichen Kollegen Thomas Vinterberg mit "Der Rausch", David Fincher mit "Mank" und Lee Isaac Chung mit "Minari - Wo wir Wurzeln schlagen" Hoffnungen machen.

Die Regisseurin Chloé Zhao schrieb schon allein mit den Nominierungen Geschichte. Die in Peking geborene Zhao ist nicht nur die erste Nicht-Weiße, die mit ihrem in den USA gedrehten "Nomadland" in der Sparte "Beste Regie" nominiert wurde. Sie ist außerdem die erste Frau, die in einem Jahr gleich vier Oscar-Chancen hat: neben der besten Regie auch für den besten Schnitt, das beste adaptierte Drehbuch sowie für den besten Film.

Neben Zhao ist noch die Britin Emerald Fennell mit "Promising Young Woman" und der Schauspielerin Carey Mulligan in der Hauptrolle für einen Regie-Oscar nominiert - nie zuvor gab es zwei Frauen in dieser Kategorie. In der Vergangenheit waren die Nominierungen gerade in dieser Kategorie immer wieder wegen zu stark dominierender Männer-Präsenz kritisiert worden.

"Minari" erzählt von einer koreanisch-amerikanischen Familie und gehört damit zugleich zu den diverseren Filmen dieses Jahrgangs - genauso wie "Judas and the Black Messiah" über die Black-Panther-Bewegung sowie der politische Gerichtsthriller "The Trial of the Chicago 7" über US-Aktivisten in den 60er Jahren.

Viola Davis bekam unterdessen für "Ma Rainey's Black Bottom" ihre vierte Schauspiel-Nominierung. Das macht sie zur am meisten nominierten schwarzen Schauspielerin der Oscar-Geschichte. Auf einen Preis als beste Hauptdarstellerin können neben Davis unter anderem noch Frances McDormand ("Nomadland") und Carey Mulligan ("Promising Young Woman") hoffen. In der Kategorie für den besten Hauptdarsteller sind etwa Riz Ahmed für "Sound of Metal", Anthony Hopkins für "The Father" sowie der im vorigen August an Krebs gestorbene "Black Panther"-Star Chadwick Boseman posthum für "Ma Rainey's Black Bottom" nominiert.

Als beste Nebendarstellerin gehen Maria Bakalova ("Borat Anschluss Moviefilm"), Glenn Close ("Hillbilly Elegy"), Olivia Colman ("The Father"), Amanda Seyfried ("Mank") und Yuh-Jung Youn ("Minari - Wo wir Wurzeln schlagen") ins Rennen. Als bester Nebendarsteller haben unter anderem Sacha Baron Cohen für "The Trial of the Chicago 7" und Daniel Kaluuya für "Judas and the Black Messiah" Chancen.

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