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Mit Musik gegen Hass und Verblendung

Dresdner Musiker geben am Sonntag zusammen mit Gästen wie dem Pankow-Frontmann André Herzberg ein Konzert für die Zivilbevölkerung in Israel und im Gaza-Streifen.

Von Andy Dallmann
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Banda Comunale geben am Sonntag ein Konzert im Dresdner Hygiene-Museum. Der Eintritt ist frei.
Banda Comunale geben am Sonntag ein Konzert im Dresdner Hygiene-Museum. Der Eintritt ist frei. © Foto: Mauricio Bustamante

Am Anfang war einfach nur Entsetzen, erzählt Michał Tomaszewski, Klarinettist und Sprecher der Banda Comunale. Doch die Musiker der international zusammengesetzten Dresdner Band befreiten sich aus der Schockstarre und wurden aktiv.

Vereint organisierten sie für Sonntag ein Solidaritätskonzert im Hygiene-Museum, bei dem außer ihnen Pankow-Frontmann André Herzberg, Masaa, Reentko Dirks & Erkin Cavus, Shani Oshri & Lars Kutschke, Sharon und Tayfun Guttstadt auftreten werden. Der Eintritt sei frei, doch man sammele Spenden, die zu gleichen Teilen an Israaid und Unicef für die Kinder in Gaza gingen, so Tomaszewski.

„Der Anschlag der Hamas passierte in den Herbstferien. Wir hatten in der Band einen regen Chat-Austausch. Viele waren verreist. Alle waren schockiert und allen war klar, dass dieses Massaker weitreichende Folgen haben würde.“ Man habe einige Tage gebraucht, um ein Statement zu verfassen. „In der Band spielen Leute vieler Nationalitäten, auch aus Israel und arabischen Ländern. Die Algorithmen der sozialen Netzwerke, die eigene Verbundenheit, die eigene Haltung in diesem Konflikt machte das nicht einfach, dafür aber ehrlich.“ Sich angesichts der schrecklichen Bilder und sich überschlagenden Nachrichten aus Israel und Gaza auf eine Aussage zu einigen, sei ein Stück demokratischer Diplomatie gewesen.

Andre Herzberg und Band
Andre Herzberg und Band © Foto: Marcel Wricke

"Wir wollen für alle da sein, denen es dreckig geht"

„Vor drei Wochen haben wir beschlossen, das zu tun, was wir seit über 20 Jahren tun: Wir versuchen, für alle da zu sein, denen es dreckig geht, egal, wo sie herkommen, und unseren israelischen, palästinensischen, jüdischen, muslimischen und allen anderen Freundinnen und Freunden weiterhin Solidarität und Empathie entgegenzubringen“, sagt Michał Tomaszewski. Dafür kommt nur dieser Sonntag infrage. „Es sind leider auch nicht alle dabei, aber es sollte möglichst noch vor der Adventszeit sein. Wir haben viele größere Häuser angefragt und am Ende war nur das Hygiene-Museum bereit, die Veranstaltung auszurichten, wofür wir sehr dankbar sind.“Kategorische Absagen oder Widerstände seitens angefragter Kollegen habe es nicht gegeben, versichert Tomaszewski. „Wenige haben sich nicht zurückgemeldet, manche haben, jedoch meist bedauernd wegen ihres vollen Terminkalenders, freundlich abgesagt und die meisten, die auf der Bühne stehen werden, haben sofort zugesagt.“

Was ihn ganz persönlich motiviert, erklärt er so: „Es macht mich unglaublich traurig, dass diese Brutalität – vergessen wir nicht den Krieg gegen die Ukraine – immer noch in der Welt ist. Dass Menschen Menschen hassen und dieser Hass im Tod mündet, mehr noch, in dieser entmenschlichenden terroristischen Form. Dass meine jüdischen und israelischen Freunde, ihre Kinder, Angst haben in Deutschland und ich kaum etwas tun kann. Dass der Antisemitismus so unverhohlen in der Welt ist. Dass meine palästinensischen Freunde so verzweifelt sind, so enttäuscht und ratlos. Dass die Gesellschaft sich keine Zeit nimmt, zu reflektieren, innezuhalten und sich auf das zu besinnen, was sie zusammen hält. Und weil ich das naive Bedürfnis habe, irgendetwas dazu beizutragen, dass Dinge besser werden und nicht schlimmer.“

"Es geht nicht ums Recht haben"

Auch die Band Masaa ist am Sonntag zu hören.
Auch die Band Masaa ist am Sonntag zu hören. © Foto: Andy Spyra

Der Gitarrist Reentko Dirks steht beim Konzert am Sonntag gleich zweimal auf der Bühne, mit der Band Masaa und zusammen mit seinem Duo-Partner Erkin Cavus. Er sagt: „Für mich ist entscheidend, dass wir uns dem Leid zuwenden, das in Gaza und Israel geschieht. Es geht nicht ums Recht haben, nicht um die Positionierung zu einem politischen Lager.“ Er selbst habe Anfang der 2000er-Jahre sechs Monate in Jerusalem gelebt, später immer wieder mit Kinder- und Jugendmusikprojekten in Palästina/Westjordanland zu tun gehabt. „Ich habe dort jüdische und palästinensische Freunde, und etwas eint sie alle: Angst. Um die Familie, um sich selber, um die Kinder. Und der Wunsch, dass es eine Perspektive, eine Zukunft gibt. Es geht darum, sich in diesen Gefühlen zu verbinden. Diese Art Einfühlung würde ich mir in unserer Gesellschaft mehr wünschen.“ Und Michał Tomaszewski ergänzt: „Wir kommen hier mit einer vielleicht verzweifelten Utopie. Aber auch mit einem entschlossenen Statement: Wir halten an unseren Freundschaften fest, an unseren Idealen und versuchen alle rüberzuziehen, die sich derzeit noch von Hass und TikTok blenden lassen. Musik ist eine Sprache. Das klingt ziemlich kitschig, ist aber definitiv wahr. Und in dieser Sprache gibt es sehr viel Liebe und wenig Platz für Grenzen und Mauern. Davon bin ich überzeugt.“

  • „Mensch zuerst“, Solidaritätskonzert für die Zivilbevölkerung in Israel und Gaza, 26. 11., 18 Uhr, Hygiene-Museum, Dresden. Eintritt frei, Spenden erbeten.