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Pfeifkonzert vor der Frauenkirche

Sir Bryn Terfel brilliert beim Classic Open Air als Holländer, Milchmann und Animateur.

Der walisische Superstar Sir Bryn Terfel mit der Sopranistin Barbara Krieger, die auch Initiatorin und Mitgestalterin des Events ist.
Der walisische Superstar Sir Bryn Terfel mit der Sopranistin Barbara Krieger, die auch Initiatorin und Mitgestalterin des Events ist. © Foto: Dietmar Gunne

Es dürfte kaum einen Opernsänger geben, der das Publikum zum Pfeifen auffordert. Anders der walisische Superstar Sir Bryn Terfel. Der pfeift Teile seiner Arien, aber nicht niedlich mit spitzem Mund, sondern kernig und laut mit zwei Finger wie auf dem Fußballplatz. Und dann fordert er das begeistert applaudierende Publikum auf, es ihm gleichzutun und bewertet deren Pfeifversuche blockweise - so geschehen am Sonnabend beim Classic Open Air vor der Dresdner Frauenkirche.

Zum 7. Mal fand dieses Event statt. Und wieder erwies es sich als eines der schönsten klassischen Freiluftangebote in der Region. Initiatorin und Mitgestalterin Barbara Krieger und ihr Team inszenieren eine große Bühne direkt vor die Frauenkirche. Dank transparenter Wände ist die angestrahlte Kirche aber stets im Blick. Und weil keine Absperrzäune den bestuhlten Zuschauerbereich abriegeln und die Sicht versperren, können Tausende Zaungäste das Konzert verfolgen. Und sie taten es wieder.

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Nach Jazz und Sinfonik an den Vortagen gab es am Sonnabend eine Operngala zu erleben. Die Junge Philharmonie Berlin unter Marcus Merkel stimmte ein und begleitete die beiden Interpreten Krieger und Terfel. Schönste, schwere Kost gab es anfangs mit Ausschnitten aus Werken von Richard Wagner wie "Tristan", "Lohengrin" und "Holländer". Sopranistin Krieger tat alles, um als Gastgeberin ihrem Star Terfel das größtmögliche Podium zu bieten. Und der Bassbariton nahm es dankbar an. Wie er den Holländer-Part sang und spielte, Text-verständlich sauberer und deutlicher als viele deutsche Interpreten, war ein Erlebnis. Allein dafür, alle paar Jahre beim Classic Open Air Terfel in Dresden zu hören, der leider noch nie in der Semperoper in einer Inszenierung aufgetreten ist, ist Barbara Krieger zu feiern.

Zudem sammelt das Konzertteam jedes Mal Geld fürs Heinrich-Schütz-Konservatorium, um dessen Inklusionsprojekte zu unterstützen. Diesmal gab es einen Scheck für Tischpauken.

Mit Paukenschlägen ging es dann in den zweiten Teil. Es wurde herzergreifend tragisch mit der Sopranistin als Manon Lescaut. Schwärmerisch gab es eine Einlage mit dem Dresdner Cellisten und Vortagssolisten Jan Vogler bei Saint-Saens "Schwan", bevor Terfel sich als diabolisch singender und eben pfeifender Mephisto präsentierte. Ab da gab es kein Halten mehr für Publikum und Künstler. Die Interpreten feierten und gestalteten teils schelmisch Hits aus "Anatevka" wie das Lied vom Milchmann ("Wenn einmal reich wär..."), "Porgy and Bess" und "My fair Lady". Dazwischen sang Terfel englische und walisische Weisen - Jubel und glückliche Gesichter auf dem Neumarkt und die Hoffnung auf ein Classic Open Air 2022.

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