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So war "Peter Pan" im Theaterzelt Rathen

Die Sommerinszenierung der Landesbühnen wird zum Zirkus-Musical mit Ohrwurm-Alarm – und André Sarrasani ist auch dabei.

André Sarrasani ist für die Flugchoreografie verantwortlich
André Sarrasani ist für die Flugchoreografie verantwortlich © Jungnickel-fotografie.de

Theaterbesuche in Rathen sind ja immer schon Event für sich. Die Ankunft im Kurort, die Fahrt mit der Fähre rüber zur Felsenbühne, die Fassbrause am Elbufer. In diesem Jahr ist einiges anders; die Felsenbühne ist wegen Renovierung noch immer nicht bespielbar, und statt dem Gang zum Brause-Stand erfolgt als erste Amtshandlung der Besuch der Teststation.

Es ist wohl die mit dem schönsten Panorama in ganz Sachsen und noch dazu mit den freundlichsten Testerinnen. Lächelnd empfangen sie die Ankommenden, als wären sie Teil des Theaterpersonals. Stäbchen rein, 15 Minuten warten mit Elbblick, schon hat man den Freifahrtschein fürs Theaterzelt. Dieses steht, wie schon im letzten Jahr, ein paar Meter weiter elbabwärts.

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Bis zum Schluss hatten die Landesbühnen, die hier ihre Sommerinszenierung zeigen, gebangt: Werden die Inzidenzen im Kreis so stark sinken, dass die Premiere stattfinden kann?

Foto: Jungnickel-fotografie.de
Foto: Jungnickel-fotografie.de © Jungnickel-fotografie.de

Es hat geklappt, und so steigt „Peter Pan“ im Zirkuszelt in die Lüfte. Denn Intendant Manuel Schöbel gibt in diesem Jahr alles fürs Spektakel, er hat sich sogar Zirkusdirektor André Sarrasani persönlich als Flugmeister an Land gezogen. Offenbar wollte Schöbel bei der ersten Premiere nach dem langen Lockdown einmal so richtig Theaterzauber bieten. Darum dürfen Peter, Wendy und John sogar fliegen.

Traumhafte Lichtgestaltung

Aber von vorn. Die Geschichte um Peter Pan, der zwei Kinder mit nach Nimmerland nimmt, gegen Käpt’n Hook kämpft und nebenbei mit der eifersüchtigen Fee Glitzerklang klarkommen muss, kennt fast jedes Kind. Weil man also viel voraussetzen kann, wird sie auch recht stark reduziert erzählt, so bleibt mehr Zeit für Spaß und Action. Die Bühne von Stefan Wiel ist mit einem Aufbau und vielen Vorhängen recht schlicht gehalten und lässt sich vom Kinderzimmer über Nimmerland bis zur Krokodilslagune verwandeln. Die Lichtgestatung von Matthias Spothelfer verschafft eine traumhafte, spielerisch-leichte Stimmung. Ebenso viel Leichtigkeit hätte man sich allerdings auch im Spiel gewünscht: Natürlich ist das hier Sommertheater und darum nicht der Ort für Details in der Figurengestaltung, aber etwas mehr Finesse hätten Tammy Girke als Wendy und Justin V. John als John doch bieten können.

Julia Rani als Fee Glitzerklang
Julia Rani als Fee Glitzerklang © Jungnickel-fotografie.de

Vor allem aber: Was ist nur mit Peter Pan los? Diese flirrende Fantasiefigur, dieser niemals erwachsen werdende Luftikus wirkt – gespielt von Felix Lydike – an diesem Abend wie gelähmt. Mit unbeweglicher Mimik steht er weite Teile des Abends beobachtend herum und kommt nur in Bewegung, wenn er durch Sarrasanis Drahtseile emporgezogen wird oder mit Käpt’n Hook fechtet. Manchmal wirkt sich die Lähmung dann auf die ganze Szene aus. Da hilft es wenig, wenn nette Soundeffekte Tempo vermitteln sollen.Hook, gespielt von Alexander Wulke, ist mit seiner Piratenmeute die große Freude in diesem Theater mit Musical-Einschüben.

Kampf beim Fliegen

Natürlich sind an einem Abend für Menschen ab sechs Jahren Gut und Böse klar verteilt, und so sind die Piraten etwas trottelig – zur Freude der Kinder, die über jeden Slapstick-Stolpler johlen. Einige doppelbödige Witze und recht freie Interpretationen der Roman-Vorlage verstehen wohl nur Erwachsene, so dass „Peter Pan“ auch für die begleitenden Eltern und Großeltern ein Spaß wird. Seit dem letzten Jahr haben die Landesbühnen auch intensiv am schwierigen Sound im Theaterzelt gearbeitet, und so sind alle richtig gut zu verstehen. Auch die live gesungenen Songs kommen gut rüber, die Lieder von Alexander Wulke werden echte Ohrwürmer.

Endlich Action: Peter Pan kämpft gegen Hook.
Endlich Action: Peter Pan kämpft gegen Hook. © Jungnickel-fotografie.de

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Viele warten natürlich auf die Flugszenen, während derer man André Sarrasani persönlich hinter der Bühne an den Seilen ziehen sieht. Wenn Peter Pan sogar im Flug mit Hook kämpft, kommt endlich Leben in seine Figur. Im Großen und Ganzen sind hier aber natürlich Schauspieler und keine Artisten am Werk und so wirkt selbst das Fliegen manchmal etwas hölzern. Da schaut man doch lieber Julia Rani als leichtfüßige Fee Glitzerklang zu oder Annabel Beyer, die als Krokodil zur Capoeira-Tänzerin wird.

Das Spektakel dauert gut zwei Stunden, nach denen nicht nur die jüngeren Zuschauer im Zelt vor Begeisterung auf den Boden trampeln. Guten Flug, Peter!

Wieder am: 11., 12., 18., 19. und 20. Juni, je 18 Uhr, Theaterzelt Rathen, Karten: 0351 8954214

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