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Stephanie Stumph: "Wenn ich arbeite, bin ich glücklich"

Im Juni ist die Dresdner Schauspielerin Stephanie Stumph zum ersten Mal Mutter geworden. Ein Gespräch über Vereinbarkeit, Träume und schlaflose Nächte.

Von Johanna Lemke
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Schauspielerin Stephanie Stumph ist im Juni Mutter geworden.
Schauspielerin Stephanie Stumph ist im Juni Mutter geworden. © Matthias Rietschel

Als Tochter eines bekannten Schauspielers ist es nicht leicht, den eigenen Weg zu finden. Stephanie Stumph stand lange im Schatten ihres Vaters Wolfgang Stumph, in dessen „Stubbe“-Krimis sie mitspielte. Doch mehr und mehr strampelt sie sich frei – mit Erfolg: Stephanie Stumph schrieb Songs für Schlagerstars wie Helene Fischer oder Michele. Am 28.12. läuft aber erst mal ein neuer „Stubbe“ im ZDF.

Frau Stumph, zwischendurch dachte man, Dresden würde Sie an Hamburg oder München verlieren, so viel haben Sie anderswo gearbeitet. Aber Sie leben wirklich und fest in Sachsen, oder?
Ja, und eigentlich war ich nie weg. Ich habe zwar zwischendurch in Hamburg gelebt und drehe viel in München für „Der Alte“, aber seit sechs, sieben Jahren wohne ich fest in Dresden. Mein Zuhause ist hier.

Was ja sicher praktisch ist, jetzt, wo Sie ein fünf Monate altes Baby haben. Neulich posteten Sie auf Instagram ein Foto Ihres Vaters Wolfgang Stumph, wie er Ihren Sohn in der Babytrage trug, während Sie in der Frauenkirche arbeiteten.

Moment, das Baby wacht gerade auf, aber versuchen wir mal, weiterzureden. Meine ganze Familie macht bei der Betreuung mit und hilft.

Vater Wolfgang Stumph mit seiner Tochter Stephanie
Vater Wolfgang Stumph mit seiner Tochter Stephanie © PR/ZDF

Im aktuellen „Stubbe“ geht es am Rande auch um diesen Konflikt: Ihr Vater hilft dort viel seiner Serientochter – aber er kann auch schwer akzeptieren, dass Sie ihren eigenen Weg geht. Geht es in Ihrem eigenen Leben auch ums Loslassen?

Ich bin gleich nach dem Abitur auf die Schauspielschule in Leipzig gegangen und habe dann begonnen, meinen eigenen Weg zu gehen. Da ich aber schon immer sehr eng mit meiner Familie war, habe ich es nie als notwendig empfunden, dass wir uns loslassen.

Es wird ja immer gesagt: Kinder müssen sich irgendwann abnabeln. Das war bei Ihnen nicht so?
Da ich immer wieder in anderen Städten gelebt habe, hatten wir ohnehin oft räumliche Trennungen. Ich fand es immer schön, dass wir uns auch auf die Entfernung immer nah waren. Ich brauchte nicht den großen Bruch, um erwachsen zu werden.

Hat sich das auch nicht verändert, als Sie selbst Mutter wurden?

Erst mal nicht. Derzeit helfen alle einfach sehr viel mit und die Familie wächst noch mehr zusammen. Aber die Priorität ist natürlich mein Sohn, und es ist klar, dass sich dem alles unterordnen muss.

Sie haben in den fünf Monaten, in denen Sie ein Baby haben, schon mehrmals gedreht. Wie schaffen Sie das?

Es ist alles eine Frage der Organisation und Disziplin. Aber natürlich ist es nicht so einfach, wie es oft nach außen hin scheint. Es ist wahnsinnig anstrengend und wirklich kein Spaziergang.

Wie organisieren Sie das auf Drehs?
Als wir für „Stubbe“ in Dresden gedreht haben, hat schönerweise meine Mama auf das Baby aufgepasst. Das war super. „Stubbe“ ist wie Familie, und so hatte jeder den Kleinen auch mal auf dem Arm. Vom Produktionsfahrer bis zu Maria, die mich in den Proben gedoubelt hat, während ich gestillt habe. In München habe ich auch eine Nanny mit am Start. Aber natürlich kann auch die nicht immer – weshalb es auch eine Ersatznanny gibt. Und wenn die auch nicht kann, habe ich tolle Freunde in der Stadt, die mich unterstützen und spontan einspringen. Dafür bin ich dankbar. Es ist viel Organisation!

Hatten Sie nicht das Bedürfnis, auch mal eine kleine Babypause zu machen?
Nicht wirklich, ich habe mir das genau so vorgenommen – ich wollte einfach so viel wie möglich von meinem alten Leben behalten. Zum Glück arbeite ich in einem Beruf, in dem es möglich ist, mein Kind mit zur Arbeit zu bringen. Das ist ja in anderen Jobs kaum möglich. Mit viel Verständnis vom Team klappt das wunderbar.

Trotzdem erlauben Babys ja eher keine ruhigen Nächte – oder haben Sie Glück?
Nein, da ist mein Sohn wie jedes andere Baby auch. Aber dafür bin ich dann ja vor dem Dreh eine Stunde im Make-Up.

Im neuen "Stubbe - Ausgeliefert" geht Christiane Stubbe auf die Spur der Lieferanten-Mafia.
Im neuen "Stubbe - Ausgeliefert" geht Christiane Stubbe auf die Spur der Lieferanten-Mafia. © ZDF/Volker Roloff

Neben dem Schauspiel moderieren Sie und schreiben Songs. Können Sie sich schwer entscheiden?

In erster Linie bin ich Schauspielerin, alles andere ist Beiwerk. Wobei die Musik von allem noch das ist, bei dem ich die größte Leidenschaft habe.

Sie haben den Song „Herzbeben“ geschrieben – wie wird man zur Songwriterin für Helene Fischer?
Ich wollte das einfach, weil ich Helene toll finde. Sie ist in vielen Dingen ein Vorbild für mich. Ich habe es mir als Ziel gesetzt und bin einfach drangeblieben. Es läuft meistens so, dass die Plattenfirma eine Ausschreibung für Songs macht. Da reicht man dann sein Demo-Band ein. Das habe ich getan – und es hat geklappt.

Und es blieb nicht bei dem einen Song: Unter anderem haben Sie für die Schlagersängerin Michelle geschrieben. Ergab sich das einfach so?
Ich habe die Gelegenheit am Schopf gepackt und weitergemacht. Es macht mir einfach so viel Spaß, im Team von Produzenten und Songwritern zu arbeiten. Eine Idee gemeinsam umzusetzen, bis man am Ende die Stimme der Künstlerin oder des Künstlers darauf hört, das ist einfach ein tolles Gefühl. Es macht mich wahnsinnig glücklich, und ich möchte es gern häufiger machen.

Haben Sie denn Zeit dafür?
Jetzt bin ich erst mal Mama und genieße auch die freie Zeit, die mir neben der Dreherei bleibt. Aber ich möchte da auf jeden Fall dranbleiben.

Verschieben sich die Prioritäten, seit Sie Mutter sind – lehnen Sie mehr Angebote ab?
In erster Linie muss mir ein Job Spaß machen. Aber natürlich gehen viele Sachen rein zeitlich gar nicht mehr, obwohl sie mir vielleicht Spaß machen.

Empfinden Sie dann und wann ein Gefühl von Zerrissenheit?
Klar. Aber ich tröste mich damit, dass mein Sohn ja dabei sein kann. Dass es vielleicht anstrengend für mich ist, aber nicht für ihn, denn er wird ja von allen Seiten bespaßt. Ich sage mir auch immer: Wenn die Mutter glücklich ist – und das bin ich, wenn ich arbeite –, ist auch das Kind glücklich. Wenn ich frustriert zu Hause sitzen und rummeckern würde, dass ich nicht mehr arbeiten kann, wäre das auch für mein Kind nicht gut.

Ihr Kind wird eine Mutter erlebt haben, die ihre Träume gelebt hat.

Genau, und jetzt kann ich ihn ja auch noch überall mit hinnehmen. Wenn er älter ist und das nicht mehr so einfach geht, reduziere ich die Arbeit sicher etwas.

Der Ruf Ihrer Heimat Dresden hat in den vergangenen Jahren durchaus gelitten. Machen Ihnen die negativen Schlagzeilen zu schaffen?
Viele Leute haben riesige Vorurteile gegenüber Dresden. Es kostet mich sehr viel Energie, wenn ich einem Bayern erklären muss, dass Dresden doch eigentlich total super ist. Es gibt Tausende Gründe, hier zu leben, das verstehen die Menschen dann spätestens, wenn sie mal hier waren, denn die meisten, die so denken, waren noch nie in Dresden – oder gar im Osten. Ich muss diese schöne Stadt immer wieder erklären. Das nervt mich.

Wie reagieren Sie, wenn Sie solchen Vorurteilen begegnen?

Mein erster Impuls ist zu sagen: „Nicht schon wieder!“, und das Gespräch zu beenden. Aber meistens wird dann doch mein Ehrgeiz geweckt, und ich versuche, sie zu überzeugen, doch mal herzukommen.

Der Vater Ihres Kindes kommt aus München. Sie arbeiten viel dort. Gab es je Zweifel daran, Ihren Lebensmittelpunkt wieder nach Dresden zu verlegen?
Klar, ich verbringe viel Zeit in München. Es wird immer ein Pendeln bleiben. Das nervt natürlich. Aber nein, es war ganz klar, dass ich hier leben will und nirgendwo anders.

Und wie feiern Sie Weihnachten?
Auf jeden Fall in Dresden. Mein Partner muss arbeiten, darum verbringe ich die Tage mit meiner Familie. Ich hoffe, es gibt viel zu essen und ich finde mal ein Stündchen Schlaf.

Wir verlosen 3 mal 2 Karten für die Preview des Films „Stubbe: Ausgeliefert“ am 19.12. um 17 Uhr im Rundkino/Cineplex. Einfach eine Mail schreiben an [email protected]