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Thielemanns Kapelle klagt auf Recht auf Arbeit

Die Musiker werden voll bezahlt und wollen deshalb musizieren. Die Semperoper verweist auf die alarmierenden Inzidenzzahlen.

Der Dirigent Christian Thielemann ärgert sich, dass er es mit seiner Staatsband nicht probieren darf.
Der Dirigent Christian Thielemann ärgert sich, dass er es mit seiner Staatsband nicht probieren darf. © Robert Michael/dpa

Misstöne in Dresdens Semperoper. Musiker der Staatskapelle klagen, um arbeiten zu dürfen. Chefdirigent Christian Thielemann bedauert, dass es im Haus so wenig Anstrengungen gegeben habe, „etwas zu ermöglichen“. Andernorts ginge das doch. Intendant Peter Theiler wundert sich über den „einzigartigen Vorgang, wenn Arbeitnehmer in einem gesicherten Verhältnis gegen ihren Arbeitgeber rechtlich vorgehen. Wobei juristische Schritte den Musikern selbstverständlich freistehen.“

Worum geht es? Seit fast einem Jahr hatte die Staatskapelle – wie fast alle Klangkörper weltweit – keinen kontinuierlichen Spielbetrieb mehr. Seit Monaten dürfen die Musiker auch nicht mehr gemeinsam in der Semperoper proben. Obwohl das die Corona-Schutz-Verordnung nicht verbietet und obwohl das Proben, das kollektive Feilen am Klang wichtig ist. Fünf der 150 Mitglieder der Kapelle wollen das nicht hinnehmen. Sie klagen auf das Recht auf Arbeit. Die anderen Musiker und Thielemann sind darüber informiert.

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Die fünf wollten jüngst per Eilantrag ihr Recht auf Arbeit vor dem Arbeitsgericht Dresden einklagen. Die Künstler hätten einen materiellen Beschäftigungsanspruch, sagt deren Anwalt Peter Milberg. Sie würden ja auch unverändert voll weiterbezahlt – bis die vom Freistaat Sachsen als Träger der Staatstheater gewünschte Kurzarbeit per Tarifvertrag vereinbart sei. Das Dresdner Gericht wies den Eilantrag ab. Nun sind die Künstler in Berufung gegangen und wurden beim Landesarbeitsgericht in Chemnitz vorstellig. Einen Termin der Verhandlung gibt es noch nicht. Sollten die Musiker auch dort keinen Erfolg haben, behalten sie sich weitere Schritte vor.

Vor allem ärgert es die Künstler, dass andere Orchester wie die Berliner Philharmoniker proben und musizieren dürfen, CDs und Streams produzieren. So arbeitet der Dresdner Chef Thielemann gerade mit den Wiener Philharmonikern an den Aufnahmen zu einem Zyklus mit Bruckner-Sinfonien. Auch die Dresdner Philharmonie probt diese Woche für das Gedenkkonzert am 13. Februar, das live in Radio, Fernsehen und Netz übertragen wird. Immerhin: Ab Mittwoch probt auch die Kapelle für ihr Gedenkkonzert.

Anwalt Peter Milberg erklärte als Ziel der Klagen: „Die Musiker wollen vorrangig mit der Leitung ins Gespräch kommen.“ Dies sei bislang nicht möglich gewesen. Es ginge um Lösungen, „wie geprobt werden kann und wie Aufführungen stattfinden könnten – in zulässigen Formaten und bei Einhaltung aller Schutzmaßnahmen“.

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Intendant Theiler ist sich keiner Schuld bewusst: „Zu der Verantwortung des Intendanten gehört es, die Bedrohung für die Gesundheit seiner Mitarbeiter ernst zu nehmen und vernünftige Entscheidungen zu treffen. Nun bewahrheitet sich das Sprichwort von der Loyalität, die in der Krise ihr wahres Gesicht zeigt. Dem Intendanten angesichts alarmierender Corona-Inzidenzzahlen Kunstbehinderung vorzuwerfen, ist eigentlich schon eine Beleidigung.“

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