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Leipziger Messe meldet sich erfolgreich zurück

Eine der ältesten Messen ist zum 9. Mal infolge auch die deutsche Lieblingsadresse von Ausstellern und Besuchern. Und die Sachsen melden unerwartet gute Zahlen.

Von Michael Rothe
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Der Veranstaltungskalender der Leipziger Messe ist nach Corona bedinger Zwangspause wieder gut gefüllt. Die Folge: ein unerwarteter Umsatzsprung. .
Der Veranstaltungskalender der Leipziger Messe ist nach Corona bedinger Zwangspause wieder gut gefüllt. Die Folge: ein unerwarteter Umsatzsprung. . © dpa/Hendrik Schmidt

Es scheint, als wäre die Leipziger Messe mit den Ehrlich Brothers im Bunde – auch über ihren Ticketshop hinaus, den das Zauber-Duo neuerdings für sein House of Magic in Oberhausen nutzt. Wie anders ist zu erklären, dass die Messe ausgerechnet 2021, als ihre Hallen wegen des Corona-Lockdowns geschlossen waren, erstmals Gewinn einfuhr? Und sie in diesem Jahr, als die Türen erst im März wieder aufgingen, einen nicht für möglich gehaltenen Umsatz von über 70 Millionen Euro macht?

Keine Zauberei, klären die Messechefs Martin Buhl-Wagner und Markus Geisenberger auf. Sei das Kassenplus von 5,7 Millionen Euro im Vorjahr Ausgleichszahlungen der Gesellschafter und Bundeshilfen zu verdanken, so gebe es in diesem Jahr ein „eindrucksvolles Comeback der Messen, Kongresse und Präsenzveranstaltungen“, sagt Geisenberger. Nach Wegfall des so wichtigen 1. Quartals hatte die Führung mit einem Geschäft von 60 Millionen Euro gerechnet. Unterm Strich stehen 191 Veranstaltungen mit gut 7.800 Ausstellern und 443.000 Besuchern. Unter normalen Umständen hätte der Konzern den Umsatzrekord von knapp 100 Millionen Euro aus dem Jahr 2019 geknackt, heißt es.

Auch die roten Zahlen sind zurück

Mit dem Comeback sind auch die üblichen roten Zahlen zurück. Wie hoch die Ausgleichszahlung durch die Eigentümer – hälftig die Stadt Leipzig und der Freistaat – sein wird, steht noch nicht fest. Der Zuschussbedarf werde aber „deutlich unter dem von 2020/21 liegen“, betont Geisenberger. Damals hatten die Gesellschafter insgesamt 34,3 Millionen Euro beigesteuert und der Bund weitere 7,3 Millionen Euro an außerordentlicher Coronahilfe.

Buhl-Wagner spricht von einem „Aufholprozess mit Wochenansage“ und von Marktverschiebungen in einzelnen Branchen. Was vor der Pandemie gut, stark und akzeptiert gewesen sei, „funktioniert auch jetzt und wird stärker nachgefragt als je zuvor“. Neben dem Jahrestreff des Chaos Computer Clubs sei einer der ältesten Messen der Welt nur die Musikinstrumentenmesse Musicpark abhandengekommen. Der 2019 gestarteten Schau „ging das Momentum verloren“, sagt Geisenberger.

Die Chefs wollen die Aufbruchstimmung unter den 400 Beschäftigten, knapp fünf Prozent weniger als vor der Pandemie, mit ins neue Jahr nehmen. Dann soll es neben anderen etablierten Veranstaltungen Ende April auch wieder eine Buchmesse geben – nach dreijähriger Pause.

Die Grindtec steht 2023 erstmals im Messekalender. Jener Branchentreff für Werkzeugbearbeitung zieht von Augsburg nach Leipzig und ergänzt dort im März das Industriemesse-Doppel Intec/Z. Und mit dem Gamingevent Caggtus gibt es nach zwei an Konkurrenten verlorenen Messen den 3. Anlauf mit Computerspielen. Anders als Gamesconvention und Dreamhack soll jene Eigenschöpfung von Dauer sein, so die Hoffnung. Das neue, alle zwei Jahre stattfindende Messeduo Efa:On und Netze:On bildet im September die Vielfalt von Elektrotechnik und nachhaltiger Energietechnik ab.

Ferner sind über 50 Veranstaltungen im Ausland geplant, davon allein sechs in China. Laut Manager Weisenberger konzentrieren sich die Leipziger „auf Europa und ausgeprägte Wachstumsmärkte wie Vietnam“, wo sie erstmals den deutschen Gemeinschaftsstand auf der Medizintechnik-Messe Pharmed & Healthcare organisieren.

Ein großer Vorteil der Leipziger gegenüber Wettbewerbern ist, dass der Konzern mit seinen fünf Töchtern als umfassender Dienstleister die gesamte Kette des Veranstaltungsgeschäfts abbilden kann: vom Standbau bis zur Verpflegung, ergänzt durch digitale Komponenten. Die auf dem Gelände anliegenden 100 Gigabit machen vieles möglich: TV-Studios, Livestreams, interaktive Event-Erlebnisse via App. Auch dafür gab es den 9. Titel als deutscher Service-Champion. Keine Zauberei, sondern gewählt von Ausstellern und Besuchern.