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600 Demonstranten stoppen "Querdenken"-Protest in Leipzig

In Leipzig haben am Montagabend rund 1.500 Menschen gegen die aktuelle Politik demonstriert. Der Aufzug wurde von Gegendemonstranten gestoppt. Die Polizei hat mehrere Anzeigen aufgenommen.

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Gegendemonstranten blockieren am Montagabend eine Demonstration von "Querdenkern" über den Leipziger Stadtring.
Gegendemonstranten blockieren am Montagabend eine Demonstration von "Querdenkern" über den Leipziger Stadtring. © Jan Woitas/dpa

Leipzig. Zwei Jahre nach der eskalierten "Querdenken"-Demonstration in Leipzig sind am Montagabend erneut mehrere Hundert Menschen gegen die aktuelle Politik auf die Straße gegangen. Darunter waren auch am Montag wiederholt mehrere rechte Demonstranten. Dem "Querdenken"-Aufzug stellten sich am Abend mehrere Hundert Gegendemonstranten entgegen.

Wie ein Reporter von vor Ort berichtet, forderten die Teilnehmer vor allem Friedensverhandlungen mit Russland und geringere Preise für Gas und Strom. Und auch gegen die Maßnahmen in der Corona-Pandemie protestierten die Demonstranten.

Spontane Sitzblockade von Gegenprotest genehmigt

Nach Angaben von Polizeisprecherin Dorothea Benndorf kamen am Montagabend gegen 19 Uhr etwa 1.500 Menschen zur angezeigten Versammlung "Leipzig steht auf für Frieden, Freiheit und Demokratie! Sofort Nord Stream 2 öffnen!" auf dem Augustplatz zusammen. Knapp eine halbe Stunde später sei der Aufzug gestartet.

"Auf dem Dittrichring kam es gegen 19.35 Uhr zu einer Sitzblockade von anfangs 250 Personen. Die Blockade umfasste ebenso die angrenzende Gottschedstraße und den Thomaskirchhof", so die Polizeisprecherin. "Im weiteren Verlauf erhöhte sich die Personenanzahl auf circa 600."

Unter Rücksprache mit der Versammlungsbehörde der Stadt Leipzig sei eine Spontanversammlung angezeigt und unter Auflagen genehmigt worden. Unter den Gegendemonstranten war unter anderem auch die Linken-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel.

Wie die Polizeisprecherin weiter mitteilt, sei aus Reihen der Sitzblockade ein Polizist mit einer Wasserspritzpistole geschlagen worden. "Der Beamte wurde dadurch leicht verletzt und musste ambulant behandelt werden. Der Tatverdächtige konnte gestellt werden." Es handele sich demnach um einen 32-jährigen Deutschen, gegen den nun wegen tätlichen Angriffs und gefährlicher Körperverletzung ermittelt wird.

Angriff auf Polizisten mit Wasserpistole

Der Aufzug des "Querdenker"-Protests konnte durch die Sitzblockade der Gegendemonstranten - darunter auch einige Antifa-Anhänger - nicht auf der geplanten Strecke weiterlaufen. Nach Reporterangaben war die Stimmung unter des Protestzuges aufgeheizt, laut Polizei gab es jedoch keine Übergriffe.

Mit der Versammlungsleiterin des Aufzuges entschied die Polizei nach eigenen Angaben gemeinsam den Aufzug zurück zum Augustusplatz zu führen. Dort sei die Versammlung nach einer kurzen Abschlusskundgebung gegen 21.30 Uhr beendet worden.

Ein Teil der "Querdenker" habe jedoch eine spontane Versammlung angezeigt, die sich ab 21.15 auf der beschiedenen Strecke vom Dittrichring aus über den Goerdelerring und die Goethestraße bis zum Augustusplatz bewegte. "Dort trafen die Teilnehmer gegen 22 Uhr ein und beendeten die Versammlung", so Polizeisprecherin Dorothea Benndorf.

Die Polizeibeamten haben bei dem Demonstrationsgeschehen am Montagabend neben dem Übergriff von der Sitzblockade auf einen Polizisten lediglich zwei weitere Verstöße festgestellt. Dabei handelte es sich der Sprecherin zufolge um das Mitführen und Nutzens nicht erlaubter Gegenstände nach dem Versammlungsgesetz.

Polizei zählt 2.400 Demonstranten in Leipzig

In der Leipziger Innenstadt und dem Innenstadtring waren insgesamt neun Versammlungen angezeigt, von denen lediglich fünf zusammenkamen. Vier Versammlungen wurden kurzfristig abgesagt.

Nach Polizeiangaben waren am Geschehen rund um die Leipziger Innenstadt etwa 2.400 Demonstranten beteiligt. "Gegenüber dem vorhergehenden Montag war eine Erhöhung der Teilnehmerzahlen in Leipzig zu verzeichnen", ergänzt Dorothea Benndorf.

Etwa 1.500 Menschen sind unter dem Motto "Leipzig steht auf" über den Leipziger Stadtring gelaufen.
Etwa 1.500 Menschen sind unter dem Motto "Leipzig steht auf" über den Leipziger Stadtring gelaufen. © Jan Woitas/dpa

Vor genau zwei Jahren, am 7. November 2020, waren Zehntausende Teilnehmer eines Corona-Protests durch die größte sächsische Stadt gelaufen. Dabei wurden mehrere Gegendemonstranten und Journalisten angegriffen, die Polizei musste letztlich sogar den Teilnehmern weichen.

Der damalige Innenminister Roland Wöller (CDU) gab der sächsischen Polizei Rückendeckung und sah die Schuld bei der Versammlungsbehörde in Leipzig sowie beim Oberverwaltungsgericht in Bautzen, das die Demonstration zuvor genehmigt hatte.

Andreas Kalbitz bei "Freie Sachsen"-Demo in Chemnitz

Auch in den umliegenden Landkreisen Leipzig und Nordsachsen wurden für den Montagabend verschiedene Demonstrationen angemeldet. Diese verliefen "weitestgehend friedlich und ohne große Störungen". An den Versammlungen in den Landkreisen nahmen der Polizeisprecherin zufolge insgesamt in etwa 1.300 Personen teil.

In Chemnitz hatten am Montagabend mehrere Tausend Menschen gegen die aktuelle Bundespolitik demonstriert. Bei der von der "Freien Sachsen" angemeldeten Versammlung forderten sie unter anderem die Abschaffung aller Corona-Maßnahmen und des "Staatsjournalismus" von ARD und ZDF. Zudem protestierten sie gegen die Energiepolitik sowie für Maßnahmen gegen die Inflation.

Der rechtsextreme brandenburgische Landtagsabgeordnete Andreas Kalbitz sprach am Montagabend auf einer "Freien Sachsen"-Demo in Chemnitz.
Der rechtsextreme brandenburgische Landtagsabgeordnete Andreas Kalbitz sprach am Montagabend auf einer "Freien Sachsen"-Demo in Chemnitz. © Harry Härtel

Vor einem Aufzug sprach der rechtsextreme brandenburgische Landtagsabgeordnete Andreas Kalbitz. Die Polizei begleitete den Demonstrationszug. Dieser blieb nach ersten Angaben störungsfrei.

Auch in Dresden, Zwickau und weiteren Städten hatten sich Menschen versammelt. Nach Angaben der Polizei verliefen die Demonstrationen in Sachsen ohne größere Vorkommnisse.

Eine Veranstaltung im sachsen-anhaltischen Bitterfeld wurde den Angaben zufolge jedoch von den Veranstaltern abgebrochen, da ein Teilnehmer während der Redebeiträge zusammengebrochen sei. Angaben zu den genauen Teilnehmerzahlen machten die Polizeibehörden am Abend nicht. (SZ mit dpa)