merken
PLUS Löbau

Früher Kirche, heute Kulturzentrum

In der Oberlausitz gibt es Häuser, die viele Menschen kennen – aber nicht deren Geschichte. Die SZ stellt einige in loser Folge vor wie die Löbauer Johanniskirche.

Eine gelungene architektonische Verbindung von alt und neu in der Löbauer Johannisstraße ist die Johanniskirche mit ihrem modernen Funktionsanbau geworden.
Eine gelungene architektonische Verbindung von alt und neu in der Löbauer Johannisstraße ist die Johanniskirche mit ihrem modernen Funktionsanbau geworden. © Matthias Weber (Archiv)

Wie extrem sich ein Sakralbau im Laufe der Jahrhunderte, im Wandel der Zeiten verändern kann, dafür ist die Löbauer Johanniskirche ein markantes Beispiel. Einst als Klosterkirche der Franziskaner um 1330 erbaut, verlor sie jedoch durch die keine 100 Meter entfernte Nikolaikirche bald an Bedeutung. Diese Nähe hatte aber auch Vorteile. So wurden 1741, als die Nikolaikirche bedeutend erweitert wurde, die Gottesdienste in die Johanniskirche verlegt. Als wegen des Siebenjährigen Krieges im Winter 1756/57 preußische Soldaten in Löbau lagerten, wurde das Gotteshaus zur Garnisonskirche. Kriege führten aber auch kurzzeitig zu anderweitiger Nutzung. Im Sommer 1866, nach der Schlacht bei Königgrätz, soll sie als Unterkunft für über 1.000 Italiener gedient haben, die zu den preußischen Siegern übergelaufen waren.

Da seit 1667 in der Johanniskirche abwechselnd deutsche und wendische Gottesdienste abgehalten wurden, erhielt der Sakralbau auch den Beinamen wendische Kirche. 1912 fand der letzte Gottesdienst in sorbischer Sprache statt. Letztmalig als Kirche genutzt wurde das Gotteshaus 1968. Die Stadt Löbau mietete das Kirchenschiff als Lagerraum. Dennoch gab es werterhaltende Maßnahmen an dem rechteckigen Langhausbau (Fassadenputz, Dacherneuerung). Doch eine grundhafte Instandsetzung wurde immer zwingender, zum Beispiel neigte sich der Kirchturm bedenklich, wich 70 cm vom Lot ab. Im Dezember 1994 machte ein Stadtratsbeschluss den Weg für die Sanierung frei. Die Stadt Löbau erwarb den Bau zum symbolischen Preis von 1 DM. Die Entwidmung durch die evangelische Kirche folgte.

Anzeige
Aktuelle Stellenangebote der Region
Aktuelle Stellenangebote der Region

Sie sind auf der Suche nach einem neuen Job und wollen in der Region bleiben? Diese Top Unternehmen der Region Löbau-Zittau bieten attraktive freie Stellen an.

Im Januar 1996 begann die Sanierung mit statischen Sicherungen. Ziel war, das Gebäude später kulturell zu nutzen. Dafür wurde der Innenraum unter Beachtung der Denkmalpflege hergerichtet und durch den Anbau eines Funktionsgebäudes an der Kirchenwestseite ergänzt. An dieser Stelle hatte zuvor das ehemalige Löbauer Stadtschreiberhaus gestanden. 2001 wurde die Johanniskirche „Kulturzentrum des Sechsstädtebundes und der Euroregion Neiße“. Als Haus für Tagungen, Konzerte, Theater, Kabarett, Kleinkunstveranstaltungen und vieles mehr ist es zur beliebten Freizeitadresse geworden.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Mehr zum Thema Löbau