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Großherzige Hilfe für todgeweihtes Tier

Die Walddorferin Nicole Sommer findet eine angefahrene Katze am Straßenrand - und einen Neugersdorfer Tierarzt als Verbündeten in der Nacht.

Nicole Sommer am Katzengrab in ihrem Garten.
Nicole Sommer am Katzengrab in ihrem Garten. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Es passiert täglich zigfach im Straßenverkehr: Eine Katze wird überfahren. Und immer ist es grausam und hinterlässt auch verletzte Seelen von Menschen, deren geliebtes Haustier nicht heimkehrt. Oft verenden durch Autos verletzte Tiere über Stunden unbeachtet am Straßenrand. Eine, die sich in dieser Situation ein Herz fasste, ist Nicole Sommer aus Walddorf. Sie wollte eine angefahrene Katze nicht einfach ihrem qualvollen Schicksal überlassen - und fand dabei auch die großherzige Hilfe des Neugersdorfer Tierarztes Uwe Heinrich.

Es war der Abend des 18. September, einem Freitag. "Ich habe meinen Mann zum gemeinsamen Fußballschauen bei seinen Großeltern gebracht", erzählt die 30-Jährige. Es war schon dunkel, als sie gegen 20 Uhr auf dem Rückweg die Ziegeleistraße befuhr. "Am Abzweig Ninive und Oderwitz fielen mir zwei Autos mit Warnblinklicht auf. Ich dachte zuerst, es sei ein Unfall passiert und hielt an, um zu fragen ob alles in Ordnung sei oder ob Hilfe benötigt wird", erzählt sie. Doch den zwei Fahrerinnen ging es augenscheinlich gut.

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Der Grund, warum auch diese zwei Frauen angehalten hatten, war ein anderer. "Am Straßenrand kauerte eine schwarz-weiße Katze und blutete sichtbar aus der Schnauze", erinnert sich Nicole Sommer. Sie wollte dem Tier helfen, es zu einem Tierarzt bringen. Aber die verletzte und verstörte Katze verhielt sich wehrhaft. "Ich habe probiert, sie einzufangen, aber sie hat gefaucht und die Krallen ausgestreckt", erzählt sie.

Verzweiflung am Straßenrand

Dann wurde Nicole Sommer das ganze Ausmaß der Verletzungen der Katze bewusst, denn die versuchte auch, wegzulaufen. "Aber sie konnte sich nur noch auf ihren Vorderpfoten voranschleppen", schildert sie. Dabei habe die Katze dann auch plötzlich mitten auf der Straße gesessen. In diesem Moment war Nicole Sommer nicht mehr nur um das Leben der Katze besorgt. "Wenn da ein Auto ankommt, da kann ja auch ein Unfall passieren und sich Menschen verletzen", sagt sie. Gemeinsam mit den beiden Frauen sei es ihr gelungen, die Katze wieder an den Straßenrand zu treiben. "Ich habe dann gesagt, ich kümmere mich weiter und die beiden Frauen sind dann weiter gefahren", erzählt sie.

Da stand sie nun in der Dunkelheit allein an der Straße mit einer schwer verletzten Katze - und so einfach war das mit dem Kümmern gar nicht. Denn schnell wurde Nicole Sommer klar: Sie war offensichtlich so ziemlich die Einzige, die sich um das Schicksal der Katze sorgte. "Polizei und Ordnungsamt waren eingeschaltet, aber die wimmelten den Hergang einfach ab und verbuchten ihn als nicht wichtig", erzählt sie. Sie wusste sich kaum noch zu helfen und rief eine Freundin an. "Die gab mir dann die Nummer von dem Tierarzt Uwe Heinrich in Neugersdorf und den habe ich sofort angerufen."

Der Arzt versuchte es zunächst mit telefonischem Rat. "Ich hatte zufällig einen kleinen Einkaufskarton im Auto und er hat mich gefragt, ob ich es schaffen würde, die Katze da hinein zu legen und sie zu ihm zu bringen", erinnert sich Nicole Sommer - aber die Katze ließ sie nicht an sich ran. "Herr Heinrich hat schließlich gesagt: Ich komme hin", erzählt sie. Und gut eine halbe Stunde später war er dann auch da.

Der Neugersdorfer Tierarzt Uwe Heinrich eilte kostenlos zu Hilfe, um eine schwerverletzte Katze nicht unnötig leiden zu lassen.
Der Neugersdorfer Tierarzt Uwe Heinrich eilte kostenlos zu Hilfe, um eine schwerverletzte Katze nicht unnötig leiden zu lassen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Ein Tierleid zu beenden ist wichtiger als ein Honorar

"Der Arzt hatte Spezialhandschuhe dabei, mit denen er die Katze ohne Gefahr fassen konnte", erzählt Nicole Sommer. Doch Uwe Heinrich musste schon nach kurzer Untersuchung feststellen: Das Tier war unrettbar dem Tode geweiht - nur noch von ihren Qualen konnte er die Katze erlösen. "Er hat sie erst betäubt und als ihr Herzschlag dann schon ganz ruhig war, die Gnadenspritze verabreicht", erzählt sie. Nicole Sommer befürchtete, die Kosten für den Tierarzt-Einsatz tragen zu müssen, weil sie ihn schließlich alarmiert hatte - aber der Arzt wollte von ihr kein Honorar.

Nicole Sommer blieb nur übrig, der Katze wenigstens eine würdevolle Bestattung zu geben. "Ich habe sie noch am gleichen Abend im Beisein meiner Kinder unter einem Essigbaum in unserem Garten begraben", erzählt sie, "und meine Kinder wollen ein schönes Kreuz für das Grab bauen".

Auch wenn die Katze nicht zu retten war, ist es Nicole Sommer wichtig, dem Tierarzt Uwe Heinrich Danke zu sagen. "Dieser Tierarzt bewies ein riesengroßes Herz. Normalerweise hätte er von mir Unmengen von Geld verlangen müssen, da ich den Auftrag erteilt hatte. Aber er verzichtete kulanterweise, um dem Tier zu helfen. Hierfür verdient er einen sehr großen Respekt und ein riesen Dankeschön!", sagt sie. Über 200 Euro hätte die Rechnung betragen, aber Uwe Heinrich kommt es auf Bezahlung allein nicht an. "Das habe ich aus Kulanz gemacht. Ich kann schließlich so ein Tier nicht einfach dort liegen lassen." 

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