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Was machen die Netze am Löbauer Berg?

Das Saatgut des Spitzahorns wird geerntet. Das ist wichtig für die Zukunft des Stadtwaldes - und spannend für Forscher des bekannten Thünen-Instituts.

Mit solchen blau-grün schimmernden Netzen wird am Löbauer Berg das Saatgut des Spitzahorns geerntet.
Mit solchen blau-grün schimmernden Netzen wird am Löbauer Berg das Saatgut des Spitzahorns geerntet. © Stadt Löbau

Nein, der Löbauer Berg wird nicht in grün-blaue Säcke eingepackt - und er hat auch nicht seit neustem besondere türkise Steine. Es sind Netze, die an der Nord-West-Flanke des Löbauer Berges - wegen der örtlichen Gegebenheiten für Wanderer nicht einsehbar - liegen. Sie sollen die Zukunft des Stadtwaldes retten oder genauer gesagt, auffangen. Wie die Stadt Löbau auf ihrer Facebook-Seite mitteilte, haben Mitarbeiter der städtischen Forstabteilung und des Kreisforstamtes begonnen, dort das Saatgut des Spitzahorns zu ernten. Und das geschieht über solche Netze.

Warum ausgerechnet der Löbauer Spitzahorn vermehrt werden soll, hat gute Gründe, erläutert Stadtsprecher Marcus Scholz auf Nachfrage: "Die Stadt Löbau hat auf dem Löbauer Berg einen anerkannten Forstsaatgutbestand von Spitzahorn", sagt er. Und der ist momentan besonders interessant, denn diese Baumart könnte mit Blick auf die nötigen Klimaanpassungen für den Wald eine größere Bedeutung erlangen. "Gleichzeitig ist dieses Saatgut derzeit rar und die Nachfrage entsprechend gegeben", ergänzt der Stadtsprecher. Sogar das renommierte Thünen-Institut hat ebenfalls Interesse am Saatgut aus dem Löbauer Bestand angemeldet. Man wolle zur Klimatoleranz der Bäume forschen, bestätigt die Stadt. In der Tat betreibt Thünen an seinem Institut für Forstgenetik durchaus Resistenz- und Saatgutforschung, bei der es zum einen um Klimaveränderungen, zum anderen um die Widerstandskraft gegen Schädlinge geht.

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Ernte ist streng geregelt

Mit den Netzen kann man nun das kostbare Gut am besten auffangen. Doch sowohl das als auch die weitere Vorgehensweise ist streng geregelt: "Die Netze sind sehr fein und werden flächendeckend aufgespannt. Zudem müssen beim Spitzahorn mindestens 20 Bäume in die Ernte einbezogen werden", erklärt Kerstin Friebe, zuständig für Saatgut und Naturschutz beim Kreisforstamt. Die Behörde ist mit eingebunden, weil das sogenannte "Forstvermehrungsgutgesetz" hier greift. Demnach ist immer eine extra Genehmigung nötig, wenn eine Firma Saatgut im Wald ernten und anschließend weiterverwenden will - egal, ob Privat- oder Stadtwald. Außergewöhnlich ist eine solche Ernte-Aktion auch im Kreis Görlitz nicht: "In den vergangenen Jahren hat es beispielsweise mehrfach bei Eichen eine solche Ernte gegeben", erklärt Frau Friebe. Spitzahorn-Ernten seien aber eher selten. "Dabei muss man beachten, dass die Bäume auch ausreichend Saatgut in dem Jahr tragen", erklärt sie.

Wie lange die blauen Netze am Berg aufgespannt bleiben, wird je nach Lage entschieden. Vier bis sechs Wochen seien normal. "Aber es kommt eben darauf an, wann die Bäume ihr Saatgut abgeworfen haben", erklärt Frau Friebe. Momentan sei das noch nicht der Fall. Die Baumschule, die aus der Saat die neuen Bäumchen zieht, muss den Inhalt der Netze zunächst aufbereiten. Wenn daraus neue Bäume gezogen werden, bekommen sie dann immer auch einen genauen Herkunftsnachweis mit, eine Art Stammbaum oder Geburtsurkunde. Auch das muss schon bei der Ernte beachtet werden. Nach Angaben der Stadt dauert es in der Regel zwei bis drei Jahre, bis die neuen kleinen Bäumchen angepflanzt werden können. Und das soll auch wieder am Löbauer Berg - also im Stadtwald - geschehen.

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