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Spekuliert im Oberland jemand mit Ruinen?

Verfallene Häuser aus mehreren Orten werden jetzt zum Verkauf angeboten. Unter anderem Beiersdorfs Speisehaus. Dahinter steckt ein bekannter Immobilienspekulant.

Der alte Speisesaal der ehemaligen Gießerei in Beiersdorf ist versteigert worden. Nun steht das Gebäude an der Auestraße schon wieder zum Verkauf.
Der alte Speisesaal der ehemaligen Gießerei in Beiersdorf ist versteigert worden. Nun steht das Gebäude an der Auestraße schon wieder zum Verkauf. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Ein Dorfgemeinschaftshaus für die Beiersdorfer sollte es werden mit einem kleinen Dorfmuseum. Dafür wollte die Gemeinde das ehemalige Speisehaus der früheren Beiersdorfer Gießerei erwerben. Der einstige Speisesaal an der Auestraße, der schon Jahrzehnte leer steht, war zwangsversteigert worden. Gemeinde und Abwasserzweckverband hatten die Zwangsversteigerung vorangetrieben wegen ausstehender Zahlungen. So hatte der Vorbesitzer zum Beispiel Rückstände bei der Grundsteuer.

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Doch aus den Plänen für das Dorfgemeinschaftshaus wird nun nichts, ärgert sich Bürgermeister Hagen Kettmann (parteilos). Ein anderer Bieter erhielt den Zuschlag: Karl Leo Spettmann aus Geldern - beziehungsweise jemand, der mit ihm und seiner Familie in Zusammenhang steht. Zumindest bietet die Immobilienfirma der Spettmanns jetzt das Haus wieder zum Weiterverkauf an. Spettmann ist ein inzwischen bekannter Immobilienspekulant.

Der Name ist in Görlitz schon berüchtigt. Die Familie aus Nordrhein-Westfalen hat in der Neißestadt mehrere Häuser erworben, ebenfalls über Zwangsversteigerungen. Anschließend bietet sie die maroden Gebäude möglichst gewinnbringend wieder zum Verkauf an. Immer wieder soll die Familie auch mittels Vollmacht Häuser für einen Römer namens Roberto Petrucci ersteigern. Ob es diesen Mann überhaupt gibt, ist unklar. An der Adresse, die auf einer Uralt-Vollmacht auftaucht, lebt er jedenfalls nicht mehr und ist auch sonst nirgends zu finden.

Doch etliche der Immobilien wird Spettmann nun nicht mehr los. Zum Beispiel die Ruine an der James-von-Moltke-Straße 35 in der Neißestadt oder ein Objekt in der Bahnhofstraße 54.

Er war erst im Januar auf Bewährung aus der Haft entlassen worden. Bei dem Verfahren ging es um erwerbsmäßigen Bandenbetrug, Steuerhinterziehung und andere Vergehen. Seit seiner Entlassung hält sich Spettmann eher im Hintergrund. Die Anzeigen sind über die Düsseldorfer Briefkastenfirma Gelago Immobilien geschaltet.

Häuser gehen nicht mehr weg

Die maroden Görlitzer Häuser Bismarckstraße 18, Rauschwalder Straße 53 und Bahnhofstraße 54 hatte Karl Leos Sohn Leonardo Spettmann bei Zwangsversteigerungen am Amtsgericht für Roberto Petrucci erworben. In jüngster Zeit hat das hiesige Amtsgericht aber keine Ruinen in Görlitz mehr versteigert.

Deshalb weicht Spettmann nun auf andere ländliche Gegenden aus, in denen sein Beuteschema – Ruinen zu Schnäppchenpreisen kaufen und dann teuer weiterverkaufen – passt. Aktuell bietet die Immobilienfirma Gelago aus Düsseldorf, die in Zusammenhang mit der Familie Spettmann steht, mehrere Häuser im Oberland an: neben Beiersdorf auch in Seifhennersdorf, Ebersbach, Eibau und Zittau. Allesamt sind baufällige Häuser, die schon lange unbewohnt und in sehr schlechtem Zustand sind. Mit Sprüchen wie "fleißige Handwerker gesucht" oder "viel Platz für Kreativität" bewirbt die Firma die Bruchbuden.

Warum aber erhalten die Spettmanns so oft den Zuschlag, wenn ihre Masche doch mittlerweile bekannt ist? Dazu hat sich auch der Beiersdorfer Bürgermeister Gedanken gemacht. Das Problem ist seiner Meinung nach: Für den Zustand, in dem die meisten Häuser sind, bietet niemand anderes solche Summen. Von außen sieht beispielsweise der Gießerei-Speisesaal in Beiersdorf noch ganz passabel aus. Fotos aus dem Inneren, die Spettmanns auf der Internetseite ihrer Immobilienfirma zeigen, offenbaren aber große Schäden: Decken sind teilweise schon heruntergebrochen.

Nach SZ-Informationen haben Spettmanns für 54.000 Euro den Zuschlag für den Speisesaal erhalten. Sie bieten ihn nun über die Immobilienfirma für 55.555 Euro an.

Auch in Eibau und Seifhennersdorf zugeschlagen

Das Haus an der Teichstraße 3 in Eibau, der sogenannte "Schneepflug" wird ebenfalls von Spettmanns Immobilienfirma Gelago angeboten - für 55.555 Euro.
Das Haus an der Teichstraße 3 in Eibau, der sogenannte "Schneepflug" wird ebenfalls von Spettmanns Immobilienfirma Gelago angeboten - für 55.555 Euro. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Geschäftsführer der Immobilienfirma Gelago sind laut Impressum Spettmanns Tochter Anastasia sowie Sohn Leonardo. Die Ansprechpartnerin - offenbar für die Vermittlung der Immobilien zuständig - ist eine Frau namens Loreen Peters. Eine Strohfrau, die schon seit Jahren für Spettmann aktiv ist. Diesen Namen kennt auch Seifhennersdorfs Bürgermeisterin Karin Berndt (UBS).

Denn unlängst, so berichtet jetzt Karin Berndt, wollte jene Frau Peters ein weiteres Haus in Seifhennersdorf erwerben, das Gebäude An der Scheibe 5. "Wir haben das dann abgebrochen", so Frau Berndt, die auch schon von den Spettmannschen Aktivitäten in Görlitz gehört hatte. "Das war uns zu heiß. Wir wollen uns nicht an unlauteren Geschäften beteiligen."

Ein weiteres Objekt aus dem Spettmann-Portfolio: Die Rumburger Straße 35 in Seifhennersdorf. Es soll 33.333 Euro kosten.
Ein weiteres Objekt aus dem Spettmann-Portfolio: Die Rumburger Straße 35 in Seifhennersdorf. Es soll 33.333 Euro kosten. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Andere Häuser, die Gelago Immobilien anbietet, sind zum Teil durchaus bekannt in den Orten. Bei dem Eibauer Haus handelt es sich um den sogenannten "Schneepflug" nahe der Brauerei. Früher war im Erdgeschoss ein Geschäft, jetzt steht das Gebäude seit Jahren leer. In Ebersbach wird ein Haus am "Blauen Wunder" angeboten, das sogar bereits aus dem TV bekannt ist. Frühere Besitzer hatten bei der Sendung "Die Schnäppchenhäuser" mitgewirkt. Ein Kamerateam begleitet Hausbesitzer, die Ruinen wieder zu schönen Wohnhäusern machen wollen. Im Ebersbacher Fall hat das offenbar nicht geklappt. Inzwischen steht das Haus schon wieder mehrere Jahre leer und ist augenscheinlich in einem erbärmlichen Zustand. Jetzt soll es 22.222 Euro kosten.

Werden sich Käufer finden?

Unklar ist derweil auch, ob alle der angebotenen Häuser überhaupt Spettmanns gehören oder ob sie nur über die Immobilienfirma vermittelt werden. Gelago Immobilien reagiert auf eine Anfrage der SZ dazu nicht.

Die Oberland-Objekte sind nun erst seit Kurzem zum Verkauf angeboten. Ob sich Käufer finden, die damit seriöse Pläne haben oder ob sie wie einige der Görlitzer Objekte zum Ladenhüter werden, bleibt abzuwarten.

Aber egal, was nun aus dem ehemaligen Speisesaal wird - für sein Dorfgemeinschaftshaus mit Museum muss sich der Beiersdorfer Bürgermeister Hagen Kettmann nun etwas anderes einfallen lassen. "So recht haben wir aber gar kein Objekt zur Verfügung im Ort", sagt er. Ein Gedanke sei, das im Obergeschoss des Gemeindeamtes einzurichten, wo sich derzeit eine Wohnung befindet. "Aber Wohnraum ist auch gefragt", überlegt der Bürgermeister. Es ist ein Dilemma. Der Speisesaal wäre eben perfekt gewesen.

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