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Was tun gegen Abwanderung der Jungen?

In Oppach gibt es eine Idee: Die Gemeinde könnte Studenten und Azubis die Zweitwohnungssteuer spendieren. Ob das hilft?

Auch Oppach verliert Einwohner.
Auch Oppach verliert Einwohner. © Rafael Sampedro

Wie kann kann man junge Menschen auch in der Zukunft an ihren Heimatort binden? Damit haben sich jetzt die Oppacher Gemeinderäte beschäftigt. 

Ein Problem: Viele junge Leute, die zu Lehre oder Studium vorübergehend wegziehen, melden ihren Hauptwohnsitz in der Heimatgemeinde ab und am Studien- oder Ausbildungsort an. Denn, würden sie sich am neuen Wohnort nur mit Nebenwohnsitz registrieren, verlangen viele Studentenstädte dafür eine Zweitwohnsitzsteuer. Und die wollen sich die jungen Leute natürlich sparen. 

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Für die Heimatgemeinden ist das insofern ein Problem, dass ihre Einwohnerzahl dadurch schrumpft. Und davon hängen wiederum Zuweisungen vom Land ab, die sich an der Einwohnerzahl bemessen. Diese Einnahmen büßt die Gemeinde dann ein. Viele der jungen Leute kämen aber weiterhin oft nach Hause und würden hier einen großen Teil ihrer Freizeit verbringen, haben Freunde und Familie weiterhin am Heimatort. Eine Oppacherin hatte nun den Vorschlag, die Gemeinde könnte den jungen Leuten die Zweitwohnsitzsteuer spendieren, damit sie sich nicht ummelden und der Gemeinde zumindest als gezählte Einwohner erhalten bleiben. Und womöglich würde dadurch auch die Bindung zum Heimatort bestehen bleiben. 

Cunewalde ist Vorreiter

Die Gemeindeverwaltung hat nun ermittelt, wie viele Personen in der Altersgruppe zwischen 15 und 25 Jahren sich in den vergangenen beiden Jahren in Oppach an- beziehungsweise abgemeldet haben. So sind im Jahr 2018 insgesamt 21 Wegzüge Jugendlicher zu verzeichnen und 18 Zuzüge. Im Jahr 2019 waren es 27 Weg- und ebenfalls 18 Zuzüge. 

Was aber würde das finanziell bedeuten? Wieviel Geld müsste die Gemeinde aufwenden, um die Zweitwohnsitzsteuer zu erstatten? Auch das hat die Kämmerin der Gemeinde, Nicole Locke, errechnet. In Dresden beispielsweise würden zehn Prozent der Nettokaltmiete berechnet. Nimmt man demnach eine 40-Quadratmeter-Wohnung als Beispiel und bei einer Dresdner Durchschnittsmiete käme man auf einen Betrag von 316 Euro pro Jahr, die an Zweitwohnsitzsteuer anfallen würde, berichtet Frau Locke. 

Die Gemeinde Cunewalde ist schon einen Schritt weiter und hat dieses Jahr den Versuch gestartet, ob sie mit der Erstattung der Zweitwohnungssteuer etwas gegen die Abwanderung tun kann. Die Gemeinde gewährt jungen Einwohnern, die zu Ausbildung oder Studium in einen anderen Ort ziehen müssen, einen Zuschuss zur Zweitwohnsitzsteuer. Dazu hat sie eine Richtlinie aufgelegt. Demnach gibt es pro Jahr bis zu 250 Euro als Beihilfe. Um die Unterstützung zu erhalten, müssen die jungen Leute einen Antrag bei der Gemeinde stellen. 

Ob Oppach nun ebenfalls nachzieht, ist noch offen. Der Gemeinderat hat sich noch nicht eindeutig zu dem Vorschlag positioniert. Insgesamt sind sie der Meinung, dass die Gemeinde selbst wenig gegen die Abwanderung der Jungen tun kann. Viele junge Menschen, die eine Ausbildung machen, würden mittlerweile auch hier in der Region die Lehre antreten, stellt Bürgermeisterin Sylvia Hölzel (parteilos) einen erfreulichen Trend fest. Anders sehe es da schon bei den Studenten aus. "Wir haben zwar die Hochschulen Zittau und Görlitz hier. Deren Studienangebot ist aber begrenzt. Wenn junge Leute zum Studium wollen, was soll man da tun?"

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