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Seifhennersdorf lässt Airbus und Boeing erst fliegen

Wirtschaftsminister Dulig besucht dort die Firma Olutex und ist überrascht - ohne diese Firma geht beim Fliegen gar nichts.

Bei Olutex in Seifhennersdorf sprach Wirtschaftsminister Martin Dulig (2.v.r.) in der Produktion mit Mitarbeitern.
Bei Olutex in Seifhennersdorf sprach Wirtschaftsminister Martin Dulig (2.v.r.) in der Produktion mit Mitarbeitern. © Matthias Weber/photoweber.de

Die Corona-Krise stellte auch viele Unternehmen vor enorme wirtschaftliche Herausforderungen. Unter dem Motto "Innovativ. Nachhaltig. Kreativ. Wie Sachsens Unternehmen die Zukunft sichern" tourte Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) durch Sachsen und besuchte zahlreiche Unternehmen. Am Mittwoch, 8. September, war er unter anderem zu Gast in Seifhennersdorf und Oppach. Dabei traf er auch auf einen sogenannten "Hidden Champion", einen unbekannten Marktführer seiner Branche.

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"Es ist erstaunlich: Wann immer man mit einem Flugzeug fliegt, sind fast immer Produkte aus Seifhennersdorf mit an Bord", sagte Martin Dulig beim Besuch des Unternehmens Olutex in Seifhennersdorf. Olutex, das steht im Ursprung für "Oberlausitzer Luftfahrttextilien". Früher hat das Unternehmen mal Fallschirme hergestellt. Doch was heute die Werkshallen verlässt, hat zwar noch mit Luftfahrt, aber nicht mehr im engeren Sinne mit "Textilien" zu tun.

Ein verborgener Champion aus Seifhennersdorf

"Ohne unsere Produkte wär's Ihnen im Flugzeug zu kalt, zu heiß oder zu laut", erklärte Standortleiter Jörg Vogeley dem Minister. Olutex produziert Isoliermatten, die sich für den Passagier unsichtbar zwischen Kabinenwand und der Außenhülle von Flugzeugen befinden. Sie müssen nicht nur zahlreiche sicherheitsrelevante Aufgaben erfüllen, sondern oft auch bestimmte Vorgaben von Fluggesellschaften. "Wenn etwa eine Fluggesellschaft in ihrer Business- oder First Class eine besonders leise Umgebung fordert, kommen dort andere Dämmmaterialien zum Einsatz als im Economy-Bereich eines Fliegers", erklärte Vogeley. Deutschlandweit gebe es für sein Unternehmen keine Konkurrenz, international schon.

Minister Dulig war beeindruckt, welchen Markt Olutex dabei bedient. "Die produzieren diese Matten für beinahe alle Modellreihen von Airbus und viele Typen von Boeing", sagte er - und bedienen damit die beiden bedeutendsten Flugzeughersteller der Welt. Doch gerade das Airline-Geschäft wurde in der Corona-Krise schwer gebeutelt. Etliche Flieger blieben weltweit am Boden, wurden verschrottet, neue nicht von den Fluggesellschaften bestellt. Doch jetzt ist Olutex wieder im Steigflug. "Für Single-Aisle Flugzeuge (solche mit einem Gang, etwa den Airbus A320 - d. Red.) liegen wir schon wieder im Bereich von 40 Stück pro Monat, für die wir liefern. Bei Großraumfliegern wie dem Airbus A330 wieder bei rund einem pro Woche", sagt Vogeley.

Minister gegen Lohndumping

Rund 150 Personen beschäftigt Olutex in der Produktion in Seifhennersdorf - überwiegend Frauen. Bei denen erkundigte sich Minister Dulig auch über die Arbeitsbedingungen - und auch den Verdienst und erfuhr: Olutex zahlt Tarifgehälter, ganz zum Wohlgefallen des Ministers. "Was mich stört, ist, wenn jemand meint, in einer Region Lohndumping betreiben zu können mit dem Hinweis, es sei ein strukturschwaches Gebiet", sagte Dulig. Überdurchschnittlich oft seien leider Frauen davon betroffen. Olutex ist für ihn ein Vorzeigeunternehmen - nicht nur in sozialer Hinsicht. "Das Unternehmen ist ein Beispiel dafür, dass wir hier in Sachsen eine kleine aber hochwertige Luft- und Raumfahrtbranche haben", sagte er.

Zuvor war Martin Dulig an diesem Tag zu Besuch in Oppach gewesen. Dort ließ er sich von Andreas Biesold, Niederlassungsleiter des Landesamts für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) den Baufortschritt an der B96 erklären. Das Lasuv löst hier mit dem Straßenbau gleich mehrere Probleme - solche der Verkehrssicherheit und auch des Hochwasserschutzes.

Mehrere Probleme mit einer Maßnahme lösen

Aus Richtung Norden kommend führt die B96 über eine Kuppe nach Oppach hinein - und in dieser Kuppe ist auch noch eine leichte Kurve. "Diese Straßenführung stellt eine besondere Unfallgefahr dar", erklärte der Lasuv-Leiter. Wenn jemand mit erheblich erhöhter Geschwindigkeit darüber fahre, könne sie gar regelrecht zur Sprungschanze werden. "Wir hatten hier Messungen, dass Leute mit Tempo 80 bis 100 bergab in den Ort geschossen kamen", sagte auch Oppachs Bürgermeisterin Sylvia Hölzel (parteilos). Diese Kuppe wird nun einige Meter abgetragen und die Kurve begradigt. In den abschüssigen Teil wird eine Verkehrsinsel eingebaut und die Fahrbahn verschwenkt, um den Verkehr zu bremsen. Außerdem entsteht ein breiter Fahrradweg. Und weil von den Feldern auf der Kuppe abfließendes Wasser bei Starkregen eine Hochwassergefahr darstellte, wird auch noch ein kleiner Damm als Rückhalt errichtet.

Alles sehr gute Maßnahmen fand Minister Dulig. "Gute wirtschaftliche Entwicklung braucht eine funktionierende Infrastruktur", sagte er. Deshalb werde der Freistaat auch weiter Straße bauen, aber: "Mobilität ändert sich und bedeutet nicht nur Auto. Daher trete ich dafür ein, bei solchen Baumaßnahmen immer Radwege mitzuplanen", sagte er. Das Lasuv rechnet damit, den im Juni 2021 begonnenen 1. Bauabschnitt in Oppach im Juni 2022 vollständig für den Rad- und Autoverkehr freigeben zu können.

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