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OB-Kandidat: Mehr Radwege und Aufschwung für den Handel

Am 26. September wählen die Löbauer einen neuen OB. SZ stellt die Kandidaten und ihre Ziele vor. Heiko Neumann will, dass mehr miteinander geredet wird.

Heiko Neumann will neuer Oberbürgermeister in Löbau werden. Er kandidiert für die Bürgerliste.
Heiko Neumann will neuer Oberbürgermeister in Löbau werden. Er kandidiert für die Bürgerliste. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Von seinem gemütlichen Balkon aus hat Heiko Neumann direkten Blick auf den Löbauer Berg. Mit seiner Frau lebt der 56-Jährige seit bald 30 Jahren in einer hübschen Etagenwohnung, nicht weit von der Innenstadt entfernt. Das ist sein großes Pfund bei der Kandidatur um den Löbauer Oberbürgermeister-Posten, sagt Neumann: "Ich bin Löbauer. Ich lebe in der Stadt, ich komme nicht nur von außerhalb zur Arbeit und bin dann wieder weg. Ich bin jeden Tag zu Fuß unterwegs, laufe von zu Hause zum Geschäft." Das würde er auch als Oberbürgermeister so beibehalten, sagt er. Er werde jeden Tag in der Stadt anzutreffen sein, abends im Restaurant sitzen, mit den Löbauern ins Gespräch kommen.

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Neumann ist Unternehmer. Er kennt die Sorgen der Händler und Geschäftsleute in Löbau, sagt er. Und er ist der Ansicht, dass Löbau gerade in Sachen Handel eine Menge zu bieten hat: "Wir haben vom Theaterplatz bis zum Wettiner Platz nur Einzelhandel, viele kleine, individuelle Läden." Gerade in der Corona-Zeit habe sich bemerkbar gemacht, dass diese Kleinteiligkeit ein Vorteil ist gegenüber großen Einkaufszentren. Heiko Neumann sieht darin ein Modell für die Zukunft. Klar gebe es Ecken, die aus mitunter nicht erklärbaren Gründen, weniger attraktiv sind. Die Innere Zittauer Straße nennt er als Löbauer Beispiel. Geschäfte, die auf Laufkundschaft angewiesen sind, halten sich hier oft nicht lange. "Hier könnte ich mir aber eine Gaststättenmeile vorstellen." So etwas könne die Stadt und der Oberbürgermeister zwar natürlich nicht selbst initiieren. Aber Aufgabe einer Kommune müsse es sein, die Infrastruktur zu schaffen, dass die Gewerbetreibenden beste Voraussetzungen vorfinden, so Neumann.

Aktiv in Sport und Stadtpolitik

Seit vielen Jahren führt er gemeinsam mit seiner Frau Carola das traditionsreiche Augenoptikergeschäft des Schwiegervaters weiter. Augenoptik Hanke war Jahrzehnte ein Begriff in Löbau, der Name Neumann ist es inzwischen ebenfalls. Denn Neumann ist in zahlreichen Vereinen aktiv: In der Werbegemeinschaft der Löbauer Händler, bei der Bürgerliste, für die er bereits in der dritten Legislaturperiode im Stadtrat sitzt. Sie stellt die größte Fraktion im Löbauer Stadtrat. Hier ist er oft Wortführer seiner Fraktion - auch, wenn es um kritische Fragen geht. "Ich halte nichts von Parteipolitik im Stadtrat", begründet Heiko Neumann, weshalb er sich einer freien Wählervereinigung anschloss, statt einer Partei beizutreten. Parteipolitik habe auf der kommunalen Ebene nichts zu suchen. "Da geht es um Sachfragen. Darum, wie wir die Stadt weiter entwickeln können."

Neumann ist auch Gründungsmitglied im Konventa-Verein, der die große Gewerbemesse in Löbau ins Leben rief. Im Kittlitzer SV Horken spielt er seit Jahrzehnten Tischtennis und mit weiteren Mitstreitern jede Woche Boule im Landesgartenschaugelände am Zuckerplateau. "Das ist ein äußerst geselliger Sport", sagt der Löbauer. "Und man glaubt gar nicht, wie viel man sich dabei tatsächlich bewegt."

Bewegung ist für den Hobbysportler ein wichtiger Aspekt. Skifahren steht auf der Liste der sportlichen Aktivitäten ganz oben und mit dem Fahrrad ist Heiko Neumann gern unterwegs. Fahrradwege sind deswegen ebenfalls sein Thema. Auch da habe Löbau noch Nachholbedarf. "Wir sind zwar schon gut aufgestellt. Aber es muss jede Ortschaft auf einem sicheren Radweg erreichbar sein", setzt er sich als Ziel. Parkgaragen für Räder oder Ladestationen für E-Bikes gehören ebenso zu seinen Ideen, wie Löbau für Radtouristen und für Einheimische attraktiver werden könnte.

Anschub durch den Ex-OB

Neumann liebt die kleine beschauliche Stadt und das Leben hier, sagt er. Dabei ist er gar kein gebürtiger Löbauer, ja nicht mal Sachse. "Aber ich bin seit über 30 Jahren hier verwurzelt." Nach Löbau kam Heiko Neumann, der gebürtig aus Wismar stammt, durch die Armee. Er studierte von 1983 bis 1987 hier an der Offiziershochschule. Bis zur Wende diente er auch in der NVA. Und lernte dann noch einmal einen neuen Beruf, wurde Augenoptiker, hängte die Meisterschule dran.

Auf die Idee, sich jetzt für das Oberbürgermeisteramt in seiner Heimatstadt zu interessieren, brachte ihn tatsächlich Ex-OB Buchholz, erzählt Neumann. Das war vor einigen Jahren. Damals war bei einer Veranstaltung in lockerer Gesprächsrunde die OB-Nachfolge Thema gewesen. Und Buchholz sagte da sinngemäß, das könne Herr Neumann doch machen, er traue ihm das zu. "Warum eigentlich nicht?", dachte Heiko Neumann sich. Er besprach das mit der Bürgerliste, der Plan stand, 2022 im regulären Wahljahr zu kandidieren. Nun kam das überraschend ein Jahr früher wegen des vorzeitigen Ausscheidens von Dietmar Buchholz. "Das war keine spontane Entscheidung", sagt Neumann. Er habe sich lange vorbereitet auf die Kandidatur. Er bildete sich im Kommunalrecht weiter, suchte sich Mentoren, vernetzte sich mit anderen Bürgermeistern und Akteuren, erzählt er. Dieses inzwischen gute Netzwerk, sagt er, könne auch helfen, Löbau künftig voranzubringen.

Alle Gehwege herrichten

Denn da sieht Neumann noch viel Potenzial für seine Heimatstadt. "Löbau ist das Herz der Oberlausitz. Das muss wieder schneller schlagen, und vor allem hörbar." Man müsse die verbindenden Elemente mehr pflegen, zum Beispiel den Kontakt mit anderen Bürgermeistern. Es gebe tolle Netzwerke in der Oberlausitz. Nur habe Löbau da lange Zeit nicht mitgemacht. "Es muss wieder mehr miteinander gesprochen werden."

Als Oberbürgermeister wolle er Dinge anschieben, deren Erfolg man vielleicht nicht gleich sieht, sagt Heiko Neumann, die aber viele Jahre nachwirken. Dennoch: Auch konkrete Projekte schweben ihm vor. "Ich will alle Gehwege in Löbau in Ordnung bringen", formuliert er ein solches Projekt. "Das muss möglich sein, auch mit wenigen Mitteln." Es müsse ja nicht alles neu gepflastert werden. Manchmal reiche es schon, die Gehwegplatten wieder zu richten. "Diese Stolperfallen, die regen mich jeden Tag auf." Zum Beispiel, wenn er zu Fuß durch die Stadt zur Arbeit geht.

Biografisches:

Heiko Neumann ist 56 Jahre alt und wohnt in Löbau. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Kinder. Er ist Augenoptikermeister und führt mit seiner Frau ein Fachgeschäft in Löbau.

Fünf Fragen an den Kandidaten:

Was wollen Sie als Erstes tun, wenn Sie Oberbürgermeister werden?

Die Mitarbeiter in der Verwaltung kennenlernen. Ich würde in den ersten Wochen viel im Rathaus unterwegs sein, mit in den Büros sitzen und mir einen Überblick verschaffen, was jeder so macht.

In der Verwaltung liegt offenbar einiges im Argen, das Arbeitsklima ist schlecht, wie jetzt bekannt wurde. Was ist Ihre Strategie das zu ändern? Wie kann man wieder mehr Teamgeist und Miteinander erreichen?

Das wird nur mit Hilfe von außen gehen. Es muss Coachings geben und teambildende Maßnahmen. Die sogenannten "weichen Faktoren" wie Anerkennung und Mitarbeitermotivation sind nicht zu unterschätzen. Und es muss genaue Tätigkeitsbeschreibungen geben, wer eigentlich wofür zuständig ist, damit jeder seine Kompetenzen und Verantwortungsbereiche kennt.

Welche Investitionen sind in Löbau am dringendsten nötig?

Es wurde vieles geschaffen in den letzten Jahren. Ich denke, nun ist es wichtig, auch in den Erhalt zu investieren. Und wir müssen in die Strahlkraft Löbaus nach außen investieren, die Tourismusvermarktung muss noch besser werden. Auch ein ganz wichtiges Thema auf der Liste der Investitionen: das Stadion. Ich möchte, dass daraus wieder ein richtiges Stadion wird, wo Fußball gespielt wird.

Die Kottmarbaude, die der Stadt gehört, ist immer wieder Thema. Was ist Ihre Idee für die Baude?

Ehrlich gesagt, kann ich mir nur vorstellen, den Turm zu retten und den Rest abzureißen. Aber mit der Option, dass es Bauland bleibt, sodass ein möglicher Investor hier etwas Neues errichten könnte. Und ich finde den Vorschlag von Kottmar-Bürgermeister Michael Görke gut, dass die Gemeinde Kottmar bereit wäre, den Turm zu übernehmen.

Wie kann das Armeegelände entwickelt werden?

Ich sehe hier einen idealen Standort für Eigenheime. Löbau hat keine Wohnungsnot, aber an Bauplätzen für Eigenheime fehlt es. Dafür müsste allerdings das übrige Ensemble im Armeegelände abgerissen werden. Das wird schwierig, denn es steht ja unter Denkmalschutz.

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