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Ernst Lieb: Keine Zukunft fürs Stadt'l

Der Eigentümer will das Gelände bei Stadt Zittau in Neugersdorf an Edeka verkaufen. Das würde auch den Saal-Abriss bedeuten. Er sagt, warum er so entschieden hat.

Investor Ernst Lieb gehört das Stadt Zittau samt angebautem Saal. Den will er abgeben - und wünscht sich auch eine sinnvolle Nutzung für die Fläche dahinter.
Investor Ernst Lieb gehört das Stadt Zittau samt angebautem Saal. Den will er abgeben - und wünscht sich auch eine sinnvolle Nutzung für die Fläche dahinter. © Matthias Weber/Thomas Eichler

Ernst Lieb ist wohl das, was man gemeinhin einen "Macher" nennt. Einer, der die Dinge anpackt, sich nicht vor Risiken und Investitionen scheut. "Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht so schnell aufgebe. Aber man muss auch wissen, wenn es keinen Zweck mehr hat", sagt er. Diese Aussage bezieht sich auf den Stadt'l-Saal in Neugersdorf, der über Jahrzehnte weit über die Stadtgrenzen hinaus als Disco und Veranstaltungshaus bekannt war.

Investiert hat der ehemalige Chef der Maschinenbaubetriebe Neugersdorf (MBN), der nun Rentner ist, viel in den vergangenen Jahrzehnten im Oberland. Auch ins "Stadt Zittau" an der Rudolf-Breitscheid-Straße und das Gelände drumherum. Dessen Eigentümer ist Lieb seit dem Jahr 2000. Und nun wird das Stadt'l zu einem Streitpunkt in der Stadt. Lieb will das Gelände hinter "Stadt Zittau" an die Handelsgruppe Edeka Nordbayern/Sachsen/Thüringen verkaufen. Die will dort ein Einkaufszentrum bauen mit einem Edeka-Markt, einem Aldi und Parkplätzen. Laut den Bauplänen, die das Unternehmen beim Landkreis eingereicht hat, müsste der angebaute Tanzsaal von "Stadt Zittau" abgerissen werden. Dort würden dann eine Zufahrt und Parkplätze entstehen. Seit das bekannt wurde, regt sich dagegen nun Widerstand.

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Über zwei Millionen Euro investiert

Inzwischen gab es sogar Bemühungen, den Saal unter Denkmalschutz zu stellen. Bislang hat sich aber noch niemand von der Landesdenkmalbehörde mit ihm in Verbindung gesetzt, bestätigt Ernst Lieb. Er ist sich sicher: "Wenn der Saal unter Denkmalschutz gestellt wird, dann wird er verfallen." Denn die Kosten für eine denkmalgerechte Sanierung seien viel zu hoch. Zumal auch die Nutzung fehle.

Genau deshalb hat Lieb sich zum Verkauf entschlossen. Das Vorderhaus des ehemaligen Hotels "Stadt Zittau" sei "in Schuss" und er habe gute Mieter, sagt der Eigentümer. Hier sind unter anderem das Restaurant "Im Staad'l", das Eiscafé La Luna, die Tanzschule Lucke, eine Fußpflege und außerdem Wohnräume. Hier werde sich auch nichts ändern. Die Abrisspläne beziehen sich nur auf das angebaute Saalgebäude.

Als er es übernahm, sei das Haus in einem schlechten Zustand gewesen. Über zwei Millionen Euro hat er über die Jahre investiert ins "Stadt Zittau" und das Gelände drumherum, erzählt Ernst Lieb. Auch in den Saal: die Bühne war kaputt, in den Brandschutz musste investiert, die Heizung erneuert werden, zählt der Eigentümer nur einige Punkte auf. Der Veranstaltungssaal aber rentiert sich einfach nicht. "Wir haben zuletzt sechs Veranstaltungen im Jahr gehabt", erzählt er. Nur bei einer davon, sei der Saal richtig voll gewesen - und zwar bei der traditionellen Wiedersehensfeier zwischen Weihnachten und Silvester, wenn viele Weggezogene herkamen.

Gäste trinken draußen statt drinnen

Die Veranstaltungen wurden aber immer weniger - auch schon vor Corona. Dabei könnten laut Konzession jede Woche Partys im Stadt'l stattfinden. "Man findet einfach gar keinen Veranstalter", sagt Lieb. Jemanden, der eine monatliche Miete zahlt und regelmäßig Feten organisiert, gibt es schon lange nicht mehr. Zuletzt hatte sich Lieb mit den Veranstaltern immer darauf geeinigt, dass nur für den jeweiligen Veranstaltungsabend gezahlt wird. Kein einträgliches Geschäftsmodell. "Normalerweise müsste man da so hohe Mieten aufrufen, das kann keiner stemmen." Allein Heizkosten in Höhe von 1.000 Euro würden pro Veranstaltungsabend anfallen. Durch das Wellblechdach entweicht zu viel Wärme, es müsste komplett saniert werden, wie vieles andere auch an dem Saal. Eine Investition, die Lieb jetzt im Rentenalter nicht mehr angehen möchte. "Ich bin jetzt 66", sagt er. Hinzu kommen weitere laufende Kosten: für Versicherungen, für die Instandhaltung, für die Pflege der Außenanlagen.

Außerdem: das Ausgehverhalten der Leute hat sich geändert. Einen Großteil der Einnahmen bei so einer Veranstaltung machen nicht nur die Eintrittspreise aus, sondern auch der Getränkeverkauf. Und der ist stetig zurückgegangen. "Da wird auf dem Parkplatz vorgeglüht und drinnen ein Bier getrunken. Immer weniger Leute sind bereit, das Haus zu nutzen und dafür auch Geld auszugeben." Das hätten zuletzt auch die Besucherzahlen gezeigt. Rund 1.000 Menschen passen in den Saal. Meist seien nur um die 250 gekommen. "Die Disco-Zeit ist vorbei."

Einwohnerversammlung ist anberaumt

Umso mehr freute sich Ernst Lieb, als er das Angebot bekam, das Gelände an Edeka zu verkaufen. Denn auch das Areal hinter "Stadt Zittau" - der alte Sportplatz - hat keine sinnvolle Nutzung. Das ärgert den Eigentümer. "Wenn ich etwas mache, dann soll es auch drumherum schön sein." Das habe er bei allen seinen Bauprojekten so gehandhabt: die Wohnhäuser an der Blumenstraße und an der Oststraße, das Sportzentrum an der Karl-Liebknecht-Straße, die Grünanlage gegenüber von "Stadt Zittau".

Für den alten Sportplatz hinter dem Veranstaltungshaus hatte er deshalb schon einmal andere Pläne: ein Generationen-Wohnpark mit mehreren kleinen Wohnhäusern sollte entstehen. Das scheiterte an behördlichen Forderungen, wie Lieb schildert. Wegen des Lärmschutzes hätte er einen Lärmschutzwall errichten müssen. Kosten: 300.000 Euro. "Damit war das Ganze gestorben, das ist unrentabel."

Ob jetzt der Verkauf an Edeka zustande kommt, hängt davon ab, wie das Genehmigungsverfahren weitergeht. Das ist noch nicht abgeschlossen. Bekommt Edeka die Baugenehmigung für seine Pläne, verkauft Lieb an das Unternehmen, so ist es vereinbart.

Die Stadt will zum "Stadt Zittau"-Gelände und den Bauplänen für die Einkaufsmärkte nun eine Einwohnerversammlung anberaumen, darauf hat sich jetzt der Stadtrat verständigt. Voraussichtlicher Termin ist der 2. Februar nächsten Jahres - sofern dann pandemie-bedingt eine solche Versammlung stattfinden kann.

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