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Löbauer Schützen wollen durchstarten

Nach den olympischen Erfolgen von Christian Reitz war es stiller geworden. Jetzt sollen neue Trainer dem Nachwuchs Perspektiven bieten.

Von Marcel Pochanke
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Die Nachwuchsarbeit soll bei der PSG Löbau wieder großgeschrieben werden: Ben Heidrich beim Training mit der Laserpistole.
Die Nachwuchsarbeit soll bei der PSG Löbau wieder großgeschrieben werden: Ben Heidrich beim Training mit der Laserpistole. © Verein

Löbau. Die Schützen der PSG Löbau haben dort ihr Domizil, wo einst die Offiziershochschule und jahrzehntelang eine Hochburg des Löbauer Sports war. Heute ist die Schwimmhalle daneben eine verfallende Ruine, die von der Vegetation zurückerobert wird. Der Sportplatz des OSC Löbau: eine öde Fläche. In der Schießhalle aber brennt noch Licht. Dort, wo einst Christian Reitz zu dem Schützen ausgebildet wurde, der bei den Olympischen Spielen Bronze (2008) und Gold (2016) gewann.

Doch auch die Löbauer Schützen, die noch bis 2009 deutsches Leistungszentrum waren, haben in den Jahren seitdem einen Bedeutungsverlust erfahren. Der Rummel um die olympischen Erfolge von Christian Reitz, der zwar die PSG zu Ehren und die Stadt Löbau zu größerer Bekanntheit brachte, hat dem Verein selbst keinen Schwung oder gar Mitgliederzulauf gebracht, räumt der Vorsitzende Günter Nentwig ein. Aber mit dem Schattendasein soll nun Schluss sein. „Wir starten wieder durch“, sagt Nentwig.

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Die Basis dafür sind drei neue Trainer im Verein, welche die komplexe Zertifizierung absolviert haben. Die Anforderungen seien da höher als in anderen Sportarten, erklären die PSG-Verantwortlichen. Auch in Bereichen, die nicht die eigentliche Sicherheit und den Umgang mit den Waffen betreffen – die von den Schützen meist Sportgeräte genannt werden. Einerseits, weil sie das für die Schießsportler ja sind, andererseits, um sich auch begrifflich von allem abzugrenzen, was kriegerisch anmutet.

"Hier wird nicht geballert"

Es gehe beim Schießsport gerade um Ruhe und Fokussierung, nicht um Action oder gar Lust an Gewalt, sagt Jugendsportleiter Sven Schieweg: „Hier wird nicht geballert.“ Ausdauer, Feinmotorik, Körperkontrolle, persönlicher Ehrgeiz und Teamgeist sind weitere Tugenden, die der Sport fördere, so Schieweg, der seit langem als Trainer arbeitet.

Jene drei neuen Trainer stehen bereit, um neuen Interessenten den Schießsport näher zu bringen. Auch wenn jede Generation willkommen ist, steht die Jugend natürlich besonders im Vordergrund. Jederzeit könne man zum Training kommen und zuschauen oder selbst erste Versuche unternehmen.Wobei erst ab zwölf Jahren das Schießen mit Luftdruckwaffen erlaubt ist. Für die Jüngeren gibt es Gewehre und Pistolen mit Lasertechnologie. Übrigens entspricht der Mädchenanteil im Verein nicht dem Klischee: 50 Prozent seien es, sagt Vereinschef Günter Nentwig.

Jugendsportleiter Schieweg, der schon zu DDR-Zeiten im Armeezentrum trainierte, das Schießen zwischenzeitlich aus beruflichen Gründen aber hinter sich gelassen hatte, ist ein Rückkehrer: Sein Sohn habe bei einem Fest das Schießen für sich entdeckt und auch den Vater wieder dafür begeistert. Inzwischen ist Lennart Schieweg 15, Landesmeister mit der Luftpistole und eine der jungen Hoffnungen im Verein. Einen Vergleich mit Christian Reitz möchte Sven Schieweg nicht anstellen, aber dennoch: „Das Talent ist da, wenn ich das als Vater und Trainer einschätzen kann.“ Der Sprung in den Bundeskader wäre der nächste Schritt für Lennart Schieweg.

Wann die PSG Präsenz zeigt

Wer nicht an Meisterschaften teilnehmen will, kann im Schützenverein die Brauchtumspflege mitgestalten. Bei Festen und wenn die Kanonenmannschaft mit Salutschüssen zum Einsatz kommt, zeigt die PSG öffentliche Präsenz. Das sei etwas anderes als die Milchkannen zu Ostern, wirbt Nentwig dafür, sich selbst mal ein Bild von der Salutkanone zu machen.

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Die Begeisterung am Sport soll aber nicht durch die Vergangenheit geweckt werden. Jugendsportleiter Schieweg wünscht sich, dass Interessierte einfach mal ausprobieren, wie sich der Sport und wie sich das Leben im Verein anfühlt. Schießen sei ein Teamsport, betont er. Eine gute Gelegenheit bietet sich, wenn die PSG am 25. Juni ihr alljährliches Schützenfest und am 2. Juli ihren Tag der offenen Tür veranstaltet.

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