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Notdurft-Ekel auf Bernstadts Kirchplatz

An der alten Eiche und rund um die Kirche verrichten beinahe täglich Menschen ihr kleines - und zum Teil auch großes - Geschäft. Was ist da los?

Die Albert-Eiche vor der Kirche in Bernstadt ist ein Platz, an dem sich manche Männer gern erleichtern.
Die Albert-Eiche vor der Kirche in Bernstadt ist ein Platz, an dem sich manche Männer gern erleichtern. © Matthias Weber/photoweber.de

Die Albert-Eiche auf dem Bernstädter Kirchplatz ist nicht nur das Revier von Hunden. Auch Zweibeiner verrichten am altehrwürdigen Baum zunehmend häufiger ihr Geschäft. "Durchaus auch am helllichten Tag, aber generell zu allen möglichen Zeiten", bilanzierte Bernstadts Bürgermeister Markus Weise (Kemnitzer Liste) jüngst im Stadtrat, nachdem er von Anwohnern von dem zunehmend ekliger werdenden Problem gehört hatte. Häufiger seien diese Notdurft-Besucher geworden, bestätigt auch CDU-Stadtrat Erik Marschke, der von seiner Wohnung aus den Kirchplatz gut im Blick hat. Und im Winter, im Schnee, habe man ihre Hinterlassenschaften dann auch gut erkennen können.

Was die Anwohner zudem stört: Es handele sich nicht mehr nur um Menschen, die hier in der Öffentlichkeit "Wasser lassen": "Manche hocken sich auch fürs große Geschäft hin, auch das ist in letzter Zeit immer wieder vorgekommen", erzählt der Bürgermeister verärgert über so viel Abgebrühtheit. Anwohner bestätigen auf SZ-Nachfrage den regen "Entsorgungsverkehr". "Das passiere beinahe täglich, vor allem im Sommer ist es schlimm", bestätigt ein Anwohner. Dann treffen sich die jungen Leute auf dem Markt mit ihren Mopeds und Autos und kommen für ihre Bedürfnisse zur Albert-Eiche. In den meisten Fällen sind es junge Männer, vereinzelt Frauen. "Manche hocken sich für ihr Bedürfnis auch unter die Hecke hinter der Kirche", sagt er. Doch andere Beobachter bestätigen auch: Es sind auch ältere Herrschaften, die sich hier einfinden - die Problematik ziehe sich durch alle Altersgruppen.

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Manche wollten an die Kirche urinieren

Versteckte Hecken und verschwiegene Ecken - die gibt es um die Kirche herum leider reichlich. "Ich habe das auch schon oft erlebt - vor allem, wenn Markttag ist", erzählt Pfarrer Jonathan Hahn. Er habe einige der Herren - meist seien es Männer - auch schon zurückgepfiffen, wenn sie gar an die Kirchenwand urinieren wollten. Aber wirklichen Abbruch erlitt diese Sitte auch durchs Ansprechen nicht. Im Gegenteil: Als ein Anwohner einen Wildpinkler zur Rede stellte, hat ihm nachher jemand aus Rache in den Briefschlitz gepinkelt. Neu ist das Urinier-Phänomen generell nicht - "aber in den vergangenen zwei, drei Jahren ist es schlimmer geworden", findet auch der Pfarrer.

Was also tun? Die Möglichkeit, den Sündern vom Ordnungsamt auflauern zu lassen oder häufig Kontrolle zu gehen, hat Bernstadt personell nicht. Zumal man ja vorab nicht weiß, wann sich einer "verläuft". Wobei Präsenz von Ordnungsamt oder auch Polizeistreifen durchaus eine abschreckende Wirkung haben können. Denn laut Polizeiverordnung von Bernstadt ist derartiges natürlich untersagt. Wie hoch das Bußgeld ausfallen kann, ist im übergeordneten Sächsischen Polizeibehördengesetz geregelt: Bis zu 5.000 Euro Bußgeld können da schon mal fällig werden. "Allerdings muss man das im Einzelfall immer angemessen mit Blick auf Ort, Umstände und eventuelle Wiederholungstaten festlegen", betont Andrea Mai, die im Bernstädter Rathaus zuständig ist.

Mehr Toiletten, bessere Beschildung

Eine andere Möglichkeit wäre, öffentliche Toiletten besser ausschildern - oder gar mehr anzubieten. Stadtrat Marschke vermutet, dass der Mangel an einem öffentlichen Klo in Marktnähe und die coronabedingte Schließung von Läden, bei denen auch die Händler im Fall des Falles meist rasch die Toilette benutzen konnten, die Situation negativ beeinflusse. Dem steht entgegen, dass die Probleme nicht nur zu Marktzeiten auftreten.

Die nächstgelegene, öffentliche Toilette ist im Grunde gar nicht so weit entfernt: Bei der Turnhalle Pließnitztal ist sie zu finden - seit Kurzem aber wegen eines Wasserschadens nicht benutzbar. Das sollte aber in absehbarer Zeit wieder möglich sein, betonte der Bürgermeister. Er wolle zudem auch die Ausschilderung nochmals erneuern und deutlicher anbringen lassen. Zu überlegen wäre auch, erklärt Weise, eine weitere öffentliche Toilette in Marktnähe einzurichten - beispielsweise an der Ernst-Thälmann-Straße 5, wo nach dem Abriss des Gebäudes Parkplätze und eben ein Klo entstehen sollen.

Ob diese Dinge das Problem lösen werden? Pfarrer Jonathan Hahn würde es freuen, doch er ist skeptisch. "Diejenigen, die an die Kirche urinieren, haben keine Erziehung", sagt er. Leider habe sich eine Art Gewohnheitsrecht eingeschlichen und "Gelegenheit macht eben nicht nur Diebe, sondern auch Wildpinkler", konstatiert der Pfarrer. Er habe deshalb schon überlegt, ob er kleine Plexiglasschildchen - mit Bibelzitaten - an die neuralgischen Punkte stellt, damit die Menschen mit Mangel an Benehmen, wenigstens etwas Sinnvolles nebenbei lesen.

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