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Meißen.Lokal

20 Jahre im Dienste des Herren – Die Heilsarmee in Meißen.

Die Geschichte der GründungEine strafforganisierte Hilfs-Armee im Auftrag des Herren und für Menschen in Not.

© Foto: Heilsarmee Meißen

Die Geschichte der Gründung

Die Geschichte der Gründung der Heilsarmee geht weit zurück - London 1865. Der Gründer Methodistenpastor William Booth (1829 – 1912) sah die soziale und seelische Not der Menschen in den Armenvierteln, den Ostlondoner Slums Mitte des 19. Jahrhunderts seiner Stadt und war zu tiefst berührt. So reifte in ihm die Idee: Die Kirche muss zu den Leuten gehen. Mit der großen Unterstützung seiner Frau, Cathrine Booth, rief er 1865 die „Ostlondoner Christliche Erweckungsgesellschaft“ ins Leben, welche 1878 in „Die Heilsarmee“ unbenannt wurde.

Schon bei der Gründung wurde festgelegt, dass Frauen bei der Heilsarmee die gleichen Rechte haben wie Männer und in allen intellektuellen und gesellschaftlichen Beziehungen gleichgestellt sind.

Die Heilsarmee ist fest verwurzelt in ihrem Glauben an einen liebenden und fürsorglichen Gott und erbringt somit Ihren Dienst am Menschen und handeln in praktischer Nächstenliebe.

Die Heilsarmee in Deutschland

1886 wurde die erste Heilsarmee in Deutschland gegründet. Bald waren die „Soldaten der Nächstenliebe“ ein bekanntes und festes Erscheinungsbild in den Straßen der Großstädte. Gerade in den Nachkriegsjahren, den Jahren der Weltwirtschaftskrise, leistete die stetig wachsende Heilsarmee enormes. Deutschland hungerte, doch durch die internationalen Verbindungen der Heilsarmee in Europa wurde es möglich, außerhalb der politischen Auseinandersetzungen zu helfen. Die ersten „Gulaschkanonen“ werden in den Städten aufgebaut und hunderttausende greifen auf diese Unterstützung zurück. „Um den Topf am Kochen zu halten“ spenden die Menschen Geld und Ware.

Ab 1930 wird die Arbeit der Heilsarmee in der Öffentlichkeit untersagt und erst ab 1945 wieder erlaubt und die Uniform wird wieder mit Stolz getragen. Ab 1961 ist die „friedlichste Armee der Welt“ in der DDR verboten und nimmt hier erst 1990 seine Aktivitäten wieder auf.

Heute ist die Heilsarmee eine internationale christliche Bewegung mit 1,8 Millionen Mitgliedern weltweit und kämpft gegen Armut und Ungleichheit!

Die Heilsarmee in Meißen

Seit 20 Jahren besteht die Heilsarmee in Meißen. Ihr Sitz befindet sich auf der Dresdner Straße 7 wo sich auch das Begegnungscafé und der Kleiderladen „Zweite Hand“ befindet.

© Foto: Heilsarmee Meißen

Wir haben Leutnantin Annika Ebeling (27) verheiratet, Mutter eines Sohnes und Leiterin des Korps Meißen gefragt:

Frau Ebeling, warum engagieren Sie sich bei der Heilsarmee?

"Meine Familie ist schon seit einigen Generationen in der Heilsarmee aktiv; teilweise sogar hauptamtlich. Ich bin also schon so aufgewachsen, dass sich der christliche Glaube nicht nur in Worten, sondern vor allem auch in Taten widerspiegelt. In meinem Heimatkorps in Berlin habe ich mich somit schon immer ehrenamtlich eingebracht, z.B. in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Suppenküche oder bei der Topfkollekte, die jedes Jahr um die Weihnachtszeit gesammelt wird, um Sozialweihnachtsfeiern oder Kältehilfe durchführen zu können. Nach meinem ernährungswissenschaftlichen Studium habe ich die Berufung gespürt, dass ich den Weg zur Heilsarmeeoffizierin einschlagen soll und begann mein Theologiestudium."

Welches Angebot hat die Hilfsorganisation hier für bedürftige Menschen vor Ort?

"Hier in Meißen haben wir aktuell die „Zweite Chance“, ein Secondhandladen, in dem Kleidung, Schuhe, Bücher, Heimtextilien und kleine Haushaltsgeräte günstig erworben werden können. Alle Sachen, die wir weitergeben, kommen aus Spenden. Außerdem gehört ein Begegnungscafe zur „Zweiten Chance“, wo wir neben Kaffee, selbstgemachten Kuchen und mal einem warmen Essen vor allem auch Gemeinschaft und seelsorgerliche Gespräche anbieten. Sobald die Renovierung unserer neuen Gemeinderäume abgeschlossen sind (voraussichtlich Anfang November), wird es auch wieder Gottesdienste, einen Frauenkreis und Babysong geben."

Richten sich Ihre Hilfsangebote nur an Menschen mit christlichen Glauben?

"Nein! Zu uns darf jeder kommen, der in irgendeiner Weise Hilfe benötigt. Jeder ist willkommen und für jeden haben wir ein offenes Ohr. Die Heilsarmee ist davon überzeugt, dass Gott alle Menschen liebt, egal welche Herkunft, Hautfarbe und Religion der Mensch hat. Wir tun diesen Dienst aus christlicher Nächstenliebe heraus und dies steht bei unserer Arbeit im Vordergrund."

Ist die Inanspruchnahme der Hilfsangebote in den letzten Jahren gestiegen und wie sehen Sie die Zukunft?

"Wie viele andere Hilfsorganisationen sehen auch wir einen Anstieg der Nöte der Menschen. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander, die Lebenskosten steigen, während die Löhne stagnieren. Das führt dazu, dass auch arbeitende Menschen immer weniger Geld zur Verfügung haben und auf Secondhandläden oder die Tafel angewiesen sind. Daher darf auch zu uns jeder kommen und unsere Angebote in Anspruch nehmen, auch wenn er auf dem Papier nicht „bedürftig“ ist. Die meisten Menschen wollen jedoch keine Almosen. Daher gibt es bei uns alles zu einem kleinen Preis. Manche KundInnen geben dann etwas mehr und wenn jemand ohne Geld zu uns kommt, bekommt er selbstverständlich auch eine Tasse Kaffee, einen Teller Suppe oder eine warme Jacke."

Wie finanziert sich die Heilsarmee?

"Die Heilsarmee finanziert sich zum größten Teil aus Spenden der Mitglieder oder Menschen, die die Arbeit der Heilsarmee wertschätzen und unterstützen möchten. Einige Standorte arbeiten auch mit der jeweiligen Stadt oder Kommune zusammen und bezieht Fördergelder. Auch mit den Einnahmen aus den Secondhandshops wird unsere Sozialarbeit finanziert. Daher freuen wir uns auch immer über gut erhaltene Sachspenden."

Vielen Dank für das Gespräch! Und vielen Dank für Ihre Arbeit in Meißen.

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