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Anstich einer besseren Zeit

Was im Livestream versteckt wurde: ein Blick hinter die Kulissen des ersten virtuellen Elbsommer-Fassbieranstichs.

Nach drei Schlägen läuft das Bier. (Olaf Raschke, Bernd Heitmann und Eric Schäffer v. l.)
Nach drei Schlägen läuft das Bier. (Olaf Raschke, Bernd Heitmann und Eric Schäffer v. l.) © Claudia Hübschmann

Noch ist der Zweck, für den das Elbsommer gebraut wird - die sonnigen Biergartenstunden - nicht in Sicht. Doch gerade den Geschmacksknospen wird nachgesagt, alte Erinnerungen nach oben zu spülen: Erinnerungen an Zeiten, als das Posaunen-Quintett der Elbland Philharmonie noch "Mein kleiner grüner Kaktus" schmettern konnte und von einem maskenlosen Publikum bejubelt wurde.

Am Freitag brauchte es für diese Vorstellung keinen Alkohol. Vor der Meißner Brauereigaststätte hat sich genau diese Szene abgespielt. Und sich schnell als schöne Illusion herausgestellt, als der Kameramann rief: "Das müssen wir noch mal drehen, der vorbeifahrende Lkw ist auf der Aufnahme zu hören."

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Dem Quintett ist in den letzten Monaten nicht langweilig geworden, stattdessen hat es über 60 Konzerte in Altenheimen und Krankenhäusern gespielt: Aktuell sind die Bläser für Tonaufnahmen im Studio.
Dem Quintett ist in den letzten Monaten nicht langweilig geworden, stattdessen hat es über 60 Konzerte in Altenheimen und Krankenhäusern gespielt: Aktuell sind die Bläser für Tonaufnahmen im Studio. © Claudia Hübschmann

Statt den Elbsommer-Anstich ganz abzusagen, hat sich das Schwerter-Team für einen vorproduzierten Livestream entschieden, um sich so bei den treuen Fans zu bedanken. Die haben nämlich fleißig getrunken und so die Krise der Brauerei abgefedert.

Etwa ein Drittel des Umsatzes mache Sachsens älteste Privatbrauerei nämlich durch den Fassbierverkauf: "Da tut es enorm weh, dass keine Events stattfinden und die Gastronomie geschlossen bleibt", sagt Schwerter-Geschäftsführer und Inhaber Eric Schäffer. Für die Brauerei hätte es aber noch viel schlimmer kommen können, denn zumindest mengenmäßig hätten die gestiegenen Verkäufe im Einzelhandel dieses Loch gefüllt - allerdings nicht finanziell. Obwohl sogar eine neue Fassbieranlage angeschafft wurde, die viel flexibler auf schwankende Absatzmengen reagieren kann, musste trotzdem Bier vernichtet werden.

Der erste digitale Fassbieranstich soll Optimismus ausstrahlen; dass diese Zeiten hoffentlich bald hinter uns liegen. Damit das gelingt, hat sich die Brauerei zur musikalischen Untermalung nicht nur das Posaunen-Quintett, sondern auch das Cello-Duo „Cellikatessen“ der Elbland Philharmonie dazugeholt. Wie beim Film üblich, musste jedes Musikstück mehrfach aufgenommen werden.

Beate Hofmann und Sandra Bohrig (v. l.) spielen sonst auf Schlössern und Weingütern.
Beate Hofmann und Sandra Bohrig (v. l.) spielen sonst auf Schlössern und Weingütern. © Claudia Hübschmann

Nach so vielen Takes ist das Quintett durstig - bis zum festlichen Fassbieranstich kann nicht gewartet werden: Während sich die beiden Cellistinnen zwischen den bronzeglänzenden Bierfässern einspielen, füllen sich die ersten Biertulpen in ähnlich dunkler Farbe.

Allerdings schmeckt das Elbsommerbier viel leichter, als es der dunkle Bernsteincharakter vermuten lässt. "Das ist Absicht", verrät Braumeister Bernd Heitmann augenzwinkernd. Mit dem diesjährigen Ergebnis ist er sichtlich zufrieden.

Obwohl das Elbsommer auch nur mit Gerstenmalz, Hopfen und Hefe gebraut wird, entfaltet es ein deutlich fruchtigeres Aroma. "Gerstenmalz ist eben nicht gleich Gerstenmalz", so Heitmann. Die Kunst bestehe darin, die verschiedenen Sorten im richtigen Verhältnis zusammenzubringen. Den besonders leichten Geschmack des Elbsommer-Biers mache die obergärige Hefe im Zusammenspiel mit dem ganz speziellen Hopfen - dem Hüll Melon - aus. Da es sich um ein Naturprodukt handelt, variiert der Geschmack natürlich jedes Jahr.

Die besonders beerige Note, die das Elbsommer in diesem Jahr auszeichnet, scheint anzukommen - Bierlaune macht sich breit. Doch im Gegensatz zu den kräftigen Posaunen kommen die zarten Celloklänge kaum gegen die neue Geräuschkulisse an. Streichmusik zum Fassbieranstich? Passt das überhaupt zusammen? "Wahrscheinlich bleibt ein Streichauftritt bei einem Fassbieranstich tatsächlich eine Ausnahme", sagt Sandra Bohrig. "Außerhalb der Livestream-Situation wäre das nicht das Richtige, dafür sind wir zu leise."

Die Aufmerksamkeit der wenigen Zuschauer ist ihnen trotzdem sicher. Den alten Gas­sen­hau­er "Tequila" von Chuck Rio haben sie nämlich zur Feier des Tages umgedichtet; statt Tequila wird Elbsommer gerufen. So weit, so simpel. Doch beim ersten Durchgang fällt das Licht aus, beim zweiten rutscht dann doch ein "Tequila" statt "Elbsommer" heraus. Zum Glück lässt sich bei einem Videodreh - so viel Geduld er auch kosten mag - aus allen Takes die besten Passagen zusammenschneiden. Zumindest der Anstich gelingt aufs erste Mal. Nach drei Schlägen läuft das Bier.

Der virtuelle Elbsommer-Anstich lässt sich auf Meißen TV, Riesa TV und auf den Facebook-Kanälen der Elbland-Philharmonie und Brauerei nachschauen. Die Resonanz im Vorfeld sei sehr positiv: Ein paar Schwerter-Fans hätten sich sogar verabredet, den Livestream beim Paddeln auf der Elbe und mit einem Kasten Bier zu verfolgen.

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