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Apfelernte gerettet

Während Bioobst Görnitz aus Coswig den Maifrost gut überstanden hat, haben andere starke Verluste zu beklagen.

Steffen Geisler baut 20 Apfelsorten auf seiner Plantage an. Aktuell sind die Gala-Äpfel reif.
Steffen Geisler baut 20 Apfelsorten auf seiner Plantage an. Aktuell sind die Gala-Äpfel reif. © Claudia Hübschmann

Coswig/Klipphausen. Es war schon Mitte Mai, genau der 15., als es noch einmal Frost gab - pünktlich zu den Eisheiligen. Für die Obstbauern hatte der letzte Gruß des ausgefallenen Winters teils verheerende Auswirkungen. „Wir rechnen höchstens mit 60 Prozent einer normalen Ernte“, erklärt Steffen Geisler, der Geschäftsführer der Firma Meißner Obstgarten im Klipphausener Ortsteil Reichenbach. So wie diesem Betrieb ging es vielen anderen in Sachsen. Laut dem Landesverband Sächsisches Obst werden rund elf Prozent weniger Äpfel als im Vorjahr gepflückt und 40 Prozent weniger als bei einer normalen Ernte.

Ganz anders sieht es bei Michael Görnitz in Coswig aus: „Während ringsum minus sechs Grad und mehr herrschten, sind wir durch die günstige Lage im Elbtal mit einem blauen Auge davon gekommen, wir hatten nur um die minus zwei Grad.“ Um Schäden zu verhindern, wurden die gesamte Erfahrung und Technik aufgeboten. Die Hagelschutznetze über den langen Reihen der Apfelbäume wurden geschlossen, „das hat ein halbes bis ein Grad Minus abgefangen“. 

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Und die automatische Tröpfchenbewässerung wurde angeschaltet. „Da kommt sieben bis acht Grad kaltes Brunnenwasser raus, und die Kondensation erzeugt ein halbes bis ein Grad Wärme.“ Mit beiden Maßnahmen zusammen konnte der Frost ausgeglichen werden, und ein Grad Minus halten die Apfelblüten zur Not aus, so Michael Görnitz, der Geschäftsführer der Bioobst Görnitz GmbH. „Aber glauben Sie mir, wenn solche Fröste angesagt sind, dann kann man nachts kein Auge zumachen.“

Allerdings ist auch sein Betrieb nicht ganz ungeschoren davon gekommen. Am 24. März war die Thermometersäule auf minus 10 Grad abgesunken. Empfindliche Apfelsorten wie Topas, die aufgrund des milden Winterwetters auch schon weit ausgetrieben hatten, erfroren. Ganz abgesehen von der zweiten Hauptkultur des Betriebes - der Aroniabeere. „Die Aronia ist uns zu hundert Prozent erfroren.“ Die entstandenen Verluste können auch nicht durch eine noch so gute Apfelernte wettgemacht werden, so der Geschäftsführer.

Andrey Ghiura (r.) und Firmenchef Michael Görnitz kontrollieren, die Qualität der Früchte. Aufgrund der günstigen Lage im Elbtal war der Betrieb nicht so stark vom Maifrost betroffen.
Andrey Ghiura (r.) und Firmenchef Michael Görnitz kontrollieren, die Qualität der Früchte. Aufgrund der günstigen Lage im Elbtal war der Betrieb nicht so stark vom Maifrost betroffen. © Arvid Müller

Rund zwanzig Sorten baut Bioobst Görnitz auf etwa 42 Hektar Fläche an. Der Firmenname verweist auf eine Besonderheit. Während nach einer Greenpeace-Mitteilung Obstbauern ihre Äpfel im Durchschnitt 21 Mal pro Jahr spritzen, häufig mit mehreren Wirkstoffen gleichzeitig, kommen bei Görnitz „Null herkömmliche Pflanzenschutzmittel“ zum Einsatz, nur biologische Präparate. „Dafür gehen unsere Mitarbeiter schon mal nachts raus, denn wir verwenden beispielsweise Mittel auf Backpulver-Basis, die bei Sonneneinstrahlung ihre Wirkung verlieren. Wir sind ein gläserner Betrieb und werden laufend kontrolliert.“ Das merken auch die Kunden. Immer wieder werde erklärt, dass man kein Kribbeln mehr im Mund verspüre, wenn man Görnitz-Äpfel essen würde.

Spätfröste sind nur eine der Widrigkeiten, mit denen die Apfelbauern zu kämpfen haben. In den letzten sieben Jahren habe es immer wenigstens einmal Hagel gegeben, erklärt Michael Görnitz. Dagegen helfen die langen weißen Bahnen der Hagelschutznetze. „Ohne große finanzielle Aufwendungen ist hierzulande kein Apfel mehr zu produzieren.“ Um wenigstens einen kleinen Ausgleich zu haben, und angesichts der relativen Knappheit von Äpfeln in diesem Jahr, hat der Betrieb den Kilopreis von 1,80 Euro auf 1,99 Euro angehoben. „Für die Qualität, die wir anbieten, zahlen sie derzeit im Bioladen 3,99 Euro und mehr pro Kilogramm.“

Steffen Geisler vom Meißner Obstgarten sagt: „In jedem Lebensmittelladen schmeckt das Obst einfach nur süß.“ Für sein apfeltypisches Aroma dürften die Äpfel nicht zu zeitig gepflückt werden. „Wir brauchen keine langen Lagerperioden, sondern pflücken von September bis Oktober und bringen die Äpfel direkt in unseren eigenen Hofladen.“ Die Früchte würden schon deshalb ganz anders riechen. Das bestätigt auch Michael Görnitz. „Das Aroma erhält der Apfel nur am Baum, bei der Lagerung entsteht nur die Süße.“

Der studierte Biochemiker beschäftigt sich neben der normalen Obstkultivierung intensiv mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben. „Das Ziel dabei ist es, unseren Kunden Obst in hochwertiger Qualität anzubieten und dabei die Obstproduktion ökologisch und nachhaltig zu gestalten.“ Honoriert worden ist dies 2014, als das Unternehmen das Gütesiegel „Innovativ durch Forschung“ vom Stiftverband für die Deutsche Wissenschaft erhalten hat.

Das Credo des Familienbetriebes - neben Michael Görnitz arbeiten die Eltern und der Bruder mit - formuliert er so: „Wir produzieren in der Region, für die Region.“ Davon kann man sich im Hofladen selbst überzeugen, aber auch bei großen Handelsketten wie Rewe oder Edeka sind Görnitz-Äpfel zu finden.

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