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Auf der Suche nach Plastik

Das Geschwister-Scholl-Gymnasium hat an einem internationalen, wissenschaftlichen Projekt teilgenommen. Damit leistet es einen Beitrag zum Umweltschutz.

Plastikpiraten am Gymnasium Nossen sammeln Müll in der Mulde ein.
Plastikpiraten am Gymnasium Nossen sammeln Müll in der Mulde ein. © Claudia Hübschmann

Nossen. Wie sauber ist die Freiberger Mulde und deren Ufer? Dieser Frage gingen Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Nossen nach. Und zwar wissenschaftlich. An zwei Tagen haben Neunt- und Zehntklässler im Rahmen des naturwissenschaftlichen Profils Proben aus dem Wasser entnommen und die Flussumgebung abgesucht. „Insgesamt kamen etwa vier bis fünf rund 100-Liter große Müllsäcke zusammen“, sagt Jörg Feustel. Der Biologie- und Chemielehrer leitete das Projekt, das im Rahmen der Aktion „Plastic Pirates – Go Europe!“ stattfand.

Diese länderübergreifende sogenannte Citizen-Science-Aktion – „Bürgerwissenschaften“ – soll das Bewusstsein für die Bedeutung und den Schutz von Flüssen stärken. Mit dieser Aktion werden Kinder und Jugendliche aufgerufen, sich mit dem Thema Plastikmüll auseinanderzusetzen. Beteiligt sind Bildungs-, Wissenschafts- und Forschungsministerien Deutschlands, Portugals und Sloweniens.

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Das Nossener Gymnasium hat bereits zum vierten Mal an der Aktion teilgenommen. „Für mich ist es wichtig, dass die Daten aus dem Projekt weiterverwendet werden, über die Schule hinaus“, sagt Feustel. Denn die gesammelten Proben und Aufzeichnungen gehen nun an die Kieler Forschungswerkstatt. „Damit kann ich sehr gut erklären, dass gewissenhaft gearbeitet werden muss. Genau gewogen. Genau gezählt. Die Arbeiten bekommen somit eine andere Qualität. Für einen Lehrer ist das eine schöne Sache“, schwärmt der Lehrer.

Insgesamt gab es vier Gruppen, unterstützt von einer weiteren Lehrerin und zwei Mitarbeiterinnen des Umweltmobils Sachsen. An zwei Tagen wurde der Müll am Flussufer der Freiberger Mulde in der Nähe des Gymnasiums flussaufwärts bis hin zum Sportplatz eingesammelt und protokolliert. Dabei nahmen die Schüler auch eine Klassifizierung der Müllvielfalt vor. Es wurden Unmengen gefunden, von Papier über Glasscherben und Polystyrol bis hin zu Schläuchen, Teppichböden, einer Metallleiter und einem Pkw-Rad. „Alles wurde ausgezählt und ausgewogen“, erklärt Feustel.

Eine Gruppe war mit der Untersuchung des treibenden Mülls in der Mulde beauftragt. Dazu wurde der Schule ein rund 0,5 mal 0,5 Meter großes Mikroplastiknetz zur Verfügung gestellt. Eine Stunde wurde es in das Wasser gehängt, mit dem Ziel, „vom Menschen gemachten Müll zu erfassen“, erklärt Feustel. Dafür war auch zu berechnen, welche Wassermenge in dieser Zeit durch das Netz floss. „Die Proben schicken wir zudem mit Netz nach Kiel für genaue Auswertungen.“ Zudem wurde auch auf treibenden größeren Müll geachtet.

Schulen und Vereine können noch teilnehmen

Die vierte Gruppe dokumentierte die gesamte Aktion. Zudem werteten sie aus, welche Tiere und Pflanzen in diesem Bereich zu entdecken waren.

Alle Ergebnisse stehen noch aus. Diese sind dann online nachzulesen. Zusammenfassend kann Jörg Feustel allerdings bereits jetzt resümieren, dass in dem Mikroplastiknetz sehr wenig bis nichts nachgewiesen werden konnte. Die Müllablagerungen allerdings sind beträchtlich und im Umfang ähnlich wie bei den Aktionen in den Vorjahren.

Die Aktion ist den Lehrern am Nossener Gymnasium eine wichtige Sache. Auch wenn inzwischen die Plastikproblematik in den Meeren in der Bevölkerung schon angekommen ist, sodass sie den Schülern schon bekannt ist. „Vor vier oder fünf Jahren war das noch anders“, sagt Feustel erinnernd.

Bisher haben etwa 400 Schulen und Vereine aus ganz Deutschland Materialien zur diesjährigen Aktion bestellt, teilte Alexandra Dukatz von Plastic-Pirates mit. Noch ist eine Teilnahme möglich. Ziel der Aktion sei, so viele Daten wie möglich über den Verschmutzungsgrad der Flüsse in Deutschland, Portugal und Slowenien – und langfristig gegebenenfalls auch europaweit – zu erheben. „Daraus lassen sich wiederum nachhaltige Maßnahmen für den Umweltschutz ableiten“, heißt es von Plastic-Pirates. Der nächste Aktionszeitraum ist im Frühjahr 2021 geplant.

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